Dieses Video wurde am 28.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Berliner Wahlkampf vor der Abgeordnetenhauswahl sorgt ein geplantes Treffen mehrerer Spitzenkandidaten in der umstrittenen Dar-as-Salam-Moschee in Neukölln für hitzige Debatten. Der Extremismusexperte Ahmad Mansour kritisiert das Vorhaben von SPD, Grünen, Linken und FDP scharf: Dialog sei zwar grundsätzlich notwendig – aber nicht an einem solchen Ort. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hatte seine Teilnahme abgesagt, weil der Trägerverein der Moschee bis 2016 vom Berliner Verfassungsschutz einem der Muslimbruderschaft nahestehenden Netzwerk zugerechnet wurde. Die Liberalen werfen der CDU vor, sich der Auseinandersetzung zu entziehen.
Zehn Jahre Dialog ohne kritische Fragen
Mansour, der als Kolumnist und Islamismus-Experte bekannt ist, sieht in dem Besuch kein Zeichen von Dialogbereitschaft, sondern einen Legitimationsstempel für islamistische Akteure. Seit einem Jahrzehnt fänden Veranstaltungen mit diesem Moscheeverein statt – ohne dass dabei kritische Themen auf den Tisch kämen.
Konkret vermisst er Debatten über Antisemitismus, die Verbindungen zur Muslimbruderschaft, ausländische Einflussnahme sowie den Umgang mit Gleichberechtigung und Homosexualität. Stattdessen bleibe der Austausch an der Oberfläche und diene vor allem der Annäherung an Kräfte, die demokratischen Grundwerten skeptisch gegenüberstehen.
Besonders junge Muslime, die selbst Abstand zu radikalen Gruppen suchen, nähmen wahr, dass führende Politiker in diese Moschee gehen – und zögen daraus ihre eigenen Schlüsse über die gesellschaftliche Akzeptanz solcher Institutionen.
Doppelstandard im Umgang mit Extremismus
Mansour zieht einen deutlichen Vergleich zum Umgang mit Rechtsextremismus: Kein etablierter Politiker würde in Sachsen-Anhalt das Gespräch mit Personen suchen, die möglicherweise die AfD wählen, ohne klare Grenzen zu ziehen. Bei islamistischen Strukturen fehle diese Brandmauer hingegen vollständig.
Als Grund für die fehlende Kritikbereitschaft benennt er einen politischen Reflex: Wer kritische Fragen stelle, dem werde sofort antimuslimischer Rassismus oder Islamfeindlichkeit vorgeworfen. Diese Dynamik verhindere seit Jahren eine ehrliche Auseinandersetzung.
- Die Dar-as-Salam-Moschee wurde bis 2016 vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet.
- Der Trägerverein wurde einem der Muslimbruderschaft nahestehenden Geflecht zugerechnet.
- Seit Einstellung der Beobachtung finden regelmäßig politische Veranstaltungen in der Moschee statt.
- Themen wie Antisemitismus oder Gleichberechtigung werden dabei laut Mansour nicht ernsthaft diskutiert.
- Die CDU verweigerte die Teilnahme – finanziert aber weiterhin Projekte im islamistischen Umfeld aus Berliner Staatsmitteln.
CDU: Richtiges Signal, aber kein weißes Feld
Mansour würdigt die Absage von CDU-Spitzenkandidat Evers als grundsätzlich richtiges Zeichen. Wer trotz Kritik seinen Prinzipien treu bleibe und klare Grenzen ziehe, handele verantwortungsvoll. Doch auch die CDU stehe nicht ohne Widerspruch da: Als Mitglied einer Expertenkommission zur Förderpraxis habe Mansour beobachtet, dass der Berliner Senat – unabhängig von der Parteifarbe – weiterhin Projekte im problematischen islamistischen Umfeld mit öffentlichen Mitteln finanziere.
Hier fordert er nach der Wahl ein grundlegendes Umdenken, sofern eine Regierung bereit sei, unbequeme Fragen zu stellen. Die eigentliche Debatte müsse zudem dort geführt werden, wo die große Mehrheit der Muslime tatsächlich lebe: mit Nachbarn, Kollegen und Mitbürgern – nicht mit auslandsgesteuerten Verbänden, die nach Mansours Einschätzung weniger als 20 Prozent der muslimischen Bevölkerung repräsentierten.
Dialog mit Muslimen – aber am richtigen Ort
Mansours zentrales Argument ist nicht die Ablehnung von Dialog, sondern seine Neujustierung. 80 Prozent der Muslime in Deutschland seien nicht über Moscheeverbände zu erreichen, sondern im Alltag – am Arbeitsplatz, in der Schule, im Verein. Wer Politik auf Moscheevereine und islamische Verbände konzentriere, betrachte Muslime einseitig als konservative Praktizierende und ignoriere die Mehrheit.
Die Berliner Abgeordnetenhauswahl könnte so zu einem Testfall werden: Welche Parteien sind bereit, den bequemen Weg des unverbindlichen Dialogs zu verlassen und stattdessen inhaltliche Klarheit zu zeigen? Mansour jedenfalls fordert Politiker, die weniger Naivität an den Tag legen – und mehr Courage.
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