Dieses Video wurde am 04.09.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Koran-Vorleser aus Witten, ein 51-jähriger Syrer namens Amer G., sorgt in der Ruhrgebietsstadt seit Längerem für Aufmerksamkeit. Auf der Straße liest er laut aus dem Koran vor, trägt das heilige Buch offen vor der Brust und steckt sich ein Exemplar in die Mütze. Sein Fall hat inzwischen auch politischen Wirbel ausgelöst, der weit über die Stadtgrenzen Wittens hinausreicht.
Leben im Obdachlosenheim: Tee, Gebetsteppich und Geldstrafen
Amer G. lebt in einem Obdachlosenheim in Witten, unweit der Stelle, an der er regelmäßig öffentlich betet und rezitiert. In seinem kargen Zimmer kocht er schwarzen Tee mit Zucker und Minze – seinen sogenannten „Arabischen Whisky“, wie er es selbst nennt.
Auf dem Boden liegt ein Gebetsteppich. Amer G. wirft sich so oft darauf nieder, dass er eine dunkle Stelle an der Stirn trägt – ein bekanntes Merkmal bei strenggläubigen Muslimen, die ihre täglichen Gebete gewissenhaft einhalten.
Auf einem Stapel Briefe häufen sich Geldstrafen an, die er nach eigenen Angaben in Raten von zehn Euro pro Monat abbezahlen möchte.
Kein Job, getrennt von der Familie – Amer G. erklärt seine Lage
Amer G. stammt aus dem Süden Syriens, in der Nähe der israelisch besetzten Golanhöhen. Seit 2015 lebt er in Deutschland. Eine Arbeit hat er nicht – und das nach eigener Aussage bewusst: Er erklärt, dass das deutsche System zu viele Abzüge verlange und er bei Erwerbstätigkeit Unterhalt für seine vier Kinder zahlen müsste.
Seine vier Kinder und seine Frau leben getrennt von ihm. Über die Gründe dafür äußert er sich nicht. Auf die Frage, ob er nach Syrien zurückkehren wolle, antwortet er klar: „Heimat ist Heimat.” Er würde am liebsten sofort zurück, sagt er, doch es sei „noch nicht die Zeit”.
- Aufenthalt in Deutschland seit 2015
- Keine Erwerbstätigkeit, lebt von staatlichen Leistungen
- Vier Kinder, von denen er getrennt lebt
- Offene Geldstrafen, geplante Ratenzahlung: 10 Euro pro Monat
- Äußert Wunsch zur Rückkehr nach Syrien
Religiöse Überzeugung als einziger Halt
Auf die Frage, was er noch habe, antwortet Amer G. schlicht: „Ich habe Koran.” Für ihn ist der Glaube das zentrale Element seines Lebens – der einzige Orientierungspunkt in einer Situation, die er als feindlich und beengend empfindet. Deutschland, so sagt er, verbiete alles – nur Sex nicht.
Seine Kritik an deutschen Behörden ist scharf: Er spricht abfällig von Jugendamt, Sozialamt und der Stadtverwaltung Witten sowie dem Bürgermeister. Die Aussagen sind ungeordnet und emotional, spiegeln aber eine tiefe Frustration mit den Institutionen des Landes wider, in dem er seit über einem Jahrzehnt lebt.
Politischer Wirbel weit über Witten hinaus
Der Fall des Koran-Vorlesers Amer G. hat mittlerweile eine Debatte ausgelöst, die über die lokale Ebene hinausgeht. Fragen nach Integration, staatlicher Unterstützung für Geflüchtete ohne Beschäftigung und dem Umgang mit öffentlichen Religionsbekundungen stehen im Raum.
Ob und wann Amer G. tatsächlich nach Syrien zurückkehren wird, ist offen. Sein Fall steht stellvertretend für eine gesellschaftliche Debatte, die Deutschland noch länger beschäftigen dürfte: Wie gelingt Integration, wenn Betroffene das System ablehnen – und was sind die Ursachen dafür?
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