Dieses Video wurde am 08.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Wer sind die AfD-Wähler – und welche Motive treiben sie an die Wahlurne? Diese Frage beschäftigt Politikerinnen und Analysten gleichermaßen. Aktuelle Umfragen und Wahlanalysen zeigen ein differenziertes Bild: Nicht alle, die für die AfD stimmen, tun dies aus ideologischer Überzeugung. Ein erheblicher Teil wählt die Partei aus Protest – und das hat konkrete gesellschaftliche Ursachen, über die die etablierten Parteien dringend diskutieren müssen.
Nur eine Minderheit wählt AfD aus rechtsextremer Überzeugung
Laut aktuellen Wahlanalysen haben rund 20 Prozent der AfD-Wählerinnen und -Wähler die Partei explizit aufgrund ihrer rechtsextremen Positionen gewählt. Die übrigen 80 Prozent geben andere Gründe an – ein Befund, der politisch brisant ist und die demokratischen Parteien zum Nachdenken zwingen sollte.
Das bedeutet nicht, dass diese Gruppe die extremen Inhalte der Partei vollständig billigt. Vielmehr zeigt es, dass viele Menschen die AfD als Vehikel nutzen, um ihrer Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen. Der Schluss, man könne AfD-Wähler pauschal nicht verstehen, greift daher zu kurz.
Soziale Abstiegsängste und das Gefühl, nicht gehört zu werden
Gespräche an Infoständen, auf Marktplätzen und bei Haustürbesuchen zeigen immer wieder dasselbe Muster: Viele AfD-Wähler fühlen sich von der Politik nicht gehört und nicht vertreten. Typische Aussagen lauten:
- „Die Politiker sind alle gleich – die kümmern sich nicht um meine Anliegen.”
- „Meine Miete wird immer teurer, mein Leben immer schwieriger.”
- „Ich kann mich und meine Kinder kaum noch finanzieren.”
- „Ich wähle die AfD aus Protest – nicht weil ich ihre Inhalte gut finde.”
Besonders Menschen mit niedrigen Einkommen sind unter den AfD-Wählerinnen und -Wählern überproportional vertreten. Die wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Lebenshaltungskosten und das Gefühl sozialer Ungerechtigkeit spielen dabei eine zentrale Rolle.
AfD-Wähler: Kein homogenes Milieu
Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass ausschließlich einkommensschwache Bevölkerungsschichten die AfD wählen. Tatsächlich ist die Wählerschaft der AfD längst breiter geworden. Auch im sogenannten Bildungsbürgertum, unter Unternehmern und im Handwerk gibt es wachsende Gruppen, die zur AfD tendieren.
Die Partei spricht gezielt unterschiedliche Sorgen an – je nach Zielgruppe:
- Bei sozial Schwächeren dominiert das Thema Sozialpolitik.
- Bei wirtschaftlich Verunsicherten steht die Wirtschaftspolitik im Vordergrund.
- Bei anderen sind es Migration, Außen- oder Verteidigungspolitik.
Die AfD schafft es, über eine emotionale Sprache unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anzusprechen – eine Stärke, die den etablierten Parteien nach eigenem Eingeständnis zunehmend fehlt.
Streit um Sozialstaat und Vermögenssteuer
Politisch entzündet sich an der AfD-Wähleranalyse auch ein handfester Streit um den richtigen wirtschaftspolitischen Kurs. Während die eine Seite argumentiert, weitere Einschnitte in den Sozialstaat würden noch mehr Menschen zur AfD treiben, halten Kritiker dagegen: Bereits heute fließt fast die Hälfte des Bruttolohns eines Arbeitnehmers in Sozialabgaben – von einem echten Abbau des Sozialstaats könne keine Rede sein.
Strittig ist auch die Forderung nach einer Vermögenssteuer. Befürworter sehen darin ein Mittel zur Entlastung unterer und mittlerer Einkommen. Gegner warnen, eine solche Steuer würde vor allem den Mittelstand und mittelständische Unternehmen treffen – also jene, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden, deren Vermögen jedoch häufig im Betrieb gebunden ist.
Die Debatte zeigt: Der Kampf um die AfD-Wählerinnen und -Wähler ist letztlich auch ein Kampf um wirtschafts- und sozialpolitische Weichenstellungen. Welche Partei es schafft, die Ängste und Nöte der Menschen glaubwürdig aufzugreifen – und in überzeugende Politik zu übersetzen –, dürfte entscheidend dafür sein, ob die AfD bei künftigen Wahlen ihren Zuspruch halten oder ausbauen kann.
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