Dieses Video wurde am 08.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Brandmauer zwischen CDU und AfD gerät in Sachsen-Anhalt unter Druck. AfD-Politiker Mario Sigmund wirbt offen um Überläufer aus anderen Parteien, um Ministerpräsident zu werden. Politikberater Hendrik Wieduwilt ordnet für ntv ein, wie realistisch ein Seitenwechsel von CDU-Abgeordneten ist, wie Friedrich Merz auf das Wahlergebnis reagiert – und warum die Koalition in Berlin ebenfalls ins Wanken geraten könnte.
Brandmauer zur AfD: Zwei Szenarien für CDU-Abgeordnete
Wieduwilt unterscheidet zwei Typen potenzieller Überläufer. Zum einen Politiker am Ende ihrer Karriere, die wenig zu verlieren haben und den Wechsel schlicht in Betracht ziehen könnten. Zum anderen ambitioniertere Abgeordnete, die sich von der sogenannten „blauen Welle” mitreißen lassen und sich von attraktiven Postenangeboten locken ließen.
Eine belastbare Prognose sei jedoch kaum möglich, betont der Politikberater. Denn die Ablehnung der AfD gehöre zum Identitätskern der CDU. Wer zur AfD wechsle, „legt die Axt an die eigene Partei” – so Wieduwilts prägnante Einschätzung. Die AfD verfolge letztlich das Ziel, die CDU als Volkspartei zu zerstören.
- Szenario 1: Abgeordnete am Karriereende ohne große Ambitionen
- Szenario 2: Überzeugte Anhänger des AfD-Aufstiegs, gelockt durch Postenangebote
- Gegengewicht: CDU-Identität basiert historisch auf Abgrenzung zur AfD
Merz und die Kommunikationskrise: Erkenntnis ohne Glaubwürdigkeit
Nach dem Wahlergebnis reagierte Kanzler Friedrich Merz mit der Aussage, seine Regierung müsse ihre Reformen „besser erklären”. Wieduwilt hält die Diagnose für grundsätzlich richtig: Die CDU und Merz persönlich kämpfen seit Langem mit Kommunikationsschwächen.
Allerdings zweifelt der Politikberater daran, dass dieser Vorsatz tatsächlich umgesetzt werden kann. Merz werde nicht von heute auf morgen zum besseren Kommunikator. Noch problematischer sei, dass öffentliche Ankündigungen zur Kommunikationsverbesserung bei vielen Bürgerinnen und Bürgern den gegenteiligen Effekt erzielten – das Gefühl, „bezirzt und verführt” werden zu sollen, steigere eher die Skepsis.
Wieduwilt ist deshalb skeptisch: Kommunikation allein werde den politischen Schaden nicht beheben. Es brauche substanzielle politische Ergebnisse, keine neue Rhetorik.
SPD wittert Morgenluft – Koalition unter Druck
Auch die Dynamik innerhalb der Großen Koalition in Berlin verändert sich. Die SPD nutzt die Schwäche der CDU, um eigene Akzente zu setzen: mehr Bürgernähe, Korrekturen am Reformkurs, besonders bei Rente und Pflege. Wieduwilt sieht darin einen kalkulierten politischen Schachzug.
Doch auch der SPD seien die Grenzen bewusst: Wer den Koalitionskurs grundlegend sabotiere, riskiere das Ende des Bündnisses – ohne eigenen Gewinn. Beide Seiten würden sich letztlich zusammenraufen müssen.
Das eigentliche Problem: Anhaltender Koalitionsstreit schadet allen Beteiligten – wie bereits die Erfahrungen aus der Ampel-Ära gezeigt hätten. Am Ende profitiere von jedem Regierungsstreit vor allem die AfD, die sich als geschlossene Opposition in Szene setzen könne.
Ausblick: Landtagswahlen und keine Alternative zu Merz in Sicht
In zwölf Tagen stehen Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an. Sollte die CDU erneut empfindliche Verluste erleiden, stellt sich die Frage nach der Zukunft von Friedrich Merz als Parteichef und Kanzler noch drängender.
Wieduwilts Antwort fällt nüchtern aus: Der einzige Ausweg für Merz sei derzeit „Augen zu und durch”. Ein realistischer Ersatzkandidat sei nicht in Sicht, und das schütze Merz vorerst vor einem offenen Machtkampf in der eigenen Partei. Ohne den Druck der anstehenden Wahlen und ohne denkbare Alternative wäre seine Position längst nicht mehr haltbar, so das klare Fazit des Politikberaters.
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