Dieses Video wurde am 09.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt blickt Erik Holm, AfD-Bundestagsabgeordneter und Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, optimistisch auf die bevorstehende Wahl am 20. September. Die Stimmung in der Partei sei besser als je zuvor, sagt Holm — er spricht von einem regelrechten „Rückensturm”, der die AfD antreibe.
Umfragen und Stimmungslage vor der Wahl
In aktuellen Umfragen liegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 35 Prozent zwar vorne, doch die SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig holt auf. Holm relativiert die Zahlen: Umfragen seien „Kaffeesatzleserei”, kurz zuvor habe es auch eine Erhebung gegeben, in der die AfD einen Punkt zulegte und die SPD einen verlor.
Den Schwung aus Sachsen-Anhalt will Holm in den letzten zwei Wochen vor der Wahl nutzen. Geplant sind unter anderem Simson-Touren und Veranstaltungen nach dem Vorbild der Familienfeste, die AfD-Landeschef Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt erfolgreich einsetzte.
Schwesigs Polarisierungswahlkampf als Strategie
Ministerpräsidentin Schwesig setzt auf einen klaren Zweikampf: Ihre neue Wahlkampagne unter dem Motto „Die Frau gegen Blau” zielt direkt auf die AfD. Gleichzeitig grenzt sie sich von der Bundespolitik ihrer eigenen Partei ab.
Holm nimmt diese Polarisierung bewusst an:
- Die AfD sei trotz des Gegenwinds stabil und wolle noch zulegen.
- 28 Jahre SPD-Regierung in Mecklenburg-Vorpommern seien „genug”.
- Das Land habe Defizite in Bildung, Wirtschaft und innerer Sicherheit.
- Ein Politikwechsel sei überfällig, so Holm.
Den Popularitätsvorsprung Schwesigs erkennt Holm an, hält ihm aber entgegen, dass strukturelle Probleme des Landes unter ihrer Führung nicht gelöst worden seien.
Koalitionsfrage in Sachsen-Anhalt und mögliche Regierungsbeteiligung
Nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt ohne absolute Mehrheit stellt sich für die AfD erstmals ernsthaft die Frage nach einer Regierungsbeteiligung. Das BSW hat eine Koalition zumindest nicht ausgeschlossen. Holm betont, alle Optionen müssten geprüft werden — die Bürger erwarteten nach einem so starken Ergebnis, dass die AfD auch Verantwortung übernehme.
Für Mecklenburg-Vorpommern kündigt Holm dasselbe Vorgehen an: Sondierungsgespräche nach der Wahl, sofern das Ergebnis dies ermöglicht. Gleichzeitig beobachtet er, dass in der dortigen CDU die Debatte um die sogenannte „Brandmauer” zur AfD neu aufgebrochen sei.
AfD-Verbotsverfahren und Bundespolitik
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat angekündigt, einen Arbeitskreis zur Prüfung eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens einzusetzen. Holm wertet dies als Zeichen politischer Hilflosigkeit: „Wenn ich nicht weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis.” Angesichts des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt sei ein solcher Schritt kaum zu begründen und verfange bei den Wählern nicht mehr.
Auch den Kurs von Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert Holm scharf. Die CDU liege in Mecklenburg-Vorpommern derzeit klar unter zehn Prozent. Mit Blick auf die Haushaltsdebatte im Bundestag und 200 Milliarden Euro neuer Schulden im kommenden Jahr sieht Holm die Politik der etablierten Parteien als gescheitert an — und glaubt, dass ein grundlegender Politikwechsel früher oder später unausweichlich sein wird.
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