Dieses Video wurde am 10.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Apple Aktie steht unter neuem Druck: Mit dem iPhone Duo präsentierte Apple-Chef John Turnis erstmals ein faltbares iPhone – die radikalste Veränderung am Gerät seit seiner Markteinführung vor knapp zwei Jahrzehnten. Gleichzeitig hat Turnis nach 15 Jahren das Kommando von Tim Cook übernommen und erbt damit einen 4,6-Billionen-Dollar-Konzern, der vor strategischen Weichenstellungen steht. Explodierende Speicherpreise, eine stockende KI-Offensive und ein hart umkämpfter Faltmarkt machen seine ersten Amtsjahre zur echten Bewährungsprobe.
Herausforderung 1 und 2: Preise und Margen unter Druck
Das iPhone Duo startet bei knapp 2.299 Euro – rund 1.000 Euro über dem bisherigen Spitzenmodell. Mit 2 TB Speicher klettert der Preis sogar auf 3.799 Euro. Die UBS warnt in einem aktuellen Kommentar vor einem ähnlichen Szenario wie nach der Corona-Preiserhöhung, als die Verkäufe in Europa schnell einbrachen.
Hinzu kommt das Risiko der Kannibalisierung: Wer 2.300 Euro für ein faltbares iPhone ausgibt, braucht möglicherweise kein separates iPad mehr – und hat weniger Budget für Apple Watch oder AirPods.
Parallel dazu frisst der KI-Boom den Speichermarkt leer. Laut dem Marktforschungsunternehmen Trendforce haben sich die Speicherpreise seit Anfang 2025 verfünffacht. Die Materialkosten des neuen iPhone 18 Pro liegen dadurch rund 38 Prozent über denen des Vorgängermodells. Speicher, der vor einem Jahr noch zehn Prozent der Bauteilkosten ausmachte, steht inzwischen für rund 34 Prozent – Tendenz steigend. Für Anleger wird damit die Bruttomarge zur entscheidenden Kennzahl.
Herausforderung 3: Aus einer Luxusnische einen echten Markt formen
Weltweit wurden 2025 knapp 20 Millionen Foldables verkauft – weniger als zwei Prozent aller Smartphones. Doch der Markt wächst: Die Analysten von Omdia erwarten 2026 mehr als 22 Millionen Geräte, bis 2028 sollen es rund 36 Millionen sein.
Für Apple ist das Segment attraktiv, weil ein Foldable im Schnitt mehr als das Dreifache eines normalen Smartphones kostet. Allerdings warten Samsung und Huawei dort bereits mit etablierten Produkten. Analysten trauen Apple dennoch im ersten Jahr rund ein Viertel des Marktes zu – vorausgesetzt, die Fertigung hält Schritt. Das iPhone Duo kommt erst am 23. Oktober, mehr als einen Monat nach dem iPhone 18, was auf eine anspruchsvolle Produktion hindeutet.
- Weltweiter Foldable-Markt 2025: ~20 Millionen Geräte
- Erwartetes Marktvolumen 2028: ~36 Millionen Geräte
- Durchschnittspreis Foldable: mehr als 2.300 Euro
- Marktanteil-Prognose Apple im ersten Jahr: ca. 25 Prozent
Siri AI und das Ökosystem: Die wichtigsten Langzeitaufgaben
Als gewichtigste Herausforderung gilt die künstliche Intelligenz. Apple reagierte im KI-Wettlauf spät und setzt die neue Siri nun teilweise auf Googles Gemini auf. Siri soll Apps steuern und Informationen zwischen Anwendungen verknüpfen – doch in Entwicklerversionen funktionierten Gmail und WhatsApp zuletzt nicht zuverlässig. Amazon unterstützt Siri AI zudem nur eingeschränkt, weil Plattformkonzerne ihre Kundenbeziehungen nicht an Apple abtreten wollen.
Die Analysten von IDC sehen eine verlässliche, möglichst auf eigener Apple-Technologie basierende Siri als Pflichtaufgabe für Turnis’ erste zwei Amtsjahre. Ein Scheitern wäre gefährlicher als ein schwacher iPhone-Zyklus.
Schließlich steht Turnis vor der Aufgabe, das Apple-Ökosystem über das iPhone hinaus dichter zu knüpfen. Tim Cook hinterlässt mehr als 2,5 Milliarden aktive Geräte und ein florierendes Dienstleistungsgeschäft, aber keine neue Hardware-Kategorie mit der Sprengkraft des iPhones. Die Apple Vision Pro für 3.499 Dollar ist technisch beeindruckend, aber kein Massenprodukt. Eine alltagstaugliche Apple-Brille oder ähnliche Wearables könnten langfristig neue Milliardenmärkte erschließen – der Konkurrent Meta ist dort bereits unterwegs.
Was das für Anleger bedeutet
Apple wird an der Börse nicht wie ein normaler Hardwarehersteller bewertet, sondern wie ein Konzern mit dauerhaft hohen Margen, enormer Preissetzungsmacht und solidem Wachstum. Genau deshalb ist die Fallhöhe so groß. Im optimistischen Szenario hebt das Duo den Umsatz pro Kunde, Siri AI bindet Nutzer stärker ans Ökosystem, und neue Gerätekategorien eröffnen zusätzliche Märkte.
Im pessimistischen Szenario drücken zu hohe Preise die Absatzzahlen, die Speicherkrise frisst die Marge, und das Duo kannibalisiert bestehende Produkte, ohne selbst groß genug zu werden. Dann wäre die aktuelle Bewertung mit rund 4,6 Billionen Dollar schwer zu rechtfertigen. Anleger wetten letztlich darauf, dass Apple auch unter John Turnis beweist, warum der Konzern diese Bewertung verdient – oder sogar mehr.
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