Dieses Video wurde am 09.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mit einer feierlichen Staatszeremonie hat Norwegen seinen langjährigen König Harald V. zu Grabe getragen. Die Beisetzung König Haralds V. zog Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in die norwegische Hauptstadt Oslo. Die Prozession durch die Innenstadt zum Osloer Dom bildete den Mittelpunkt des Staatsakts — ein bewegender Abschied von einem Monarchen, der für seine Volksnähe und Bescheidenheit bekannt war. Mit seinem Nachfolger König Haakon VIII. beginnt nun eine neue Ära für das norwegische Königshaus.
Harald V.: Der „Großvater der Nation”
König Harald V. hob sich von anderen europäischen Monarchen deutlich ab. Während Königshäuser wie jene in Großbritannien oder den Niederlanden durch pompöse Paraden und mediale Präsenz glänzen, pflegte Norwegen eine bescheidene Monarchie. Harald galt als gradlinig, verlässlich und außergewöhnlich volksnah.
Adelsexperte Jürgen Warlitz brachte es auf den Punkt: Kein anderer Monarch wurde von der Bevölkerung so herzlich als eine Art „Großvater der Nation” wahrgenommen. Weder der schwedische König Carl XVI. Gustaf noch die verstorbene britische Queen Elizabeth II. seien jemals so selbstverständlich in die Mitte ihres Volkes getreten wie Harald es tat.
Diese Qualitäten spiegeln sich auch im Staatsbegräbnis wider: Das norwegische Volk trauerte geeint und ohne innenpolitische Zwietracht — ein seltenes Zeichen tiefer Verbundenheit zwischen Monarch und Bevölkerung.
Haakon VIII. und die Baustellen des Königshauses
Hinter dem Sarg seines Vaters schritt König Haakon VIII. gemeinsam mit Kronprinzessin Ingrid Alexandra durch Oslo — in Uniform und mit Orden, ein erstes sichtbares Zeichen des Amtswechsels. Doch der neue König übernimmt nicht nur Glanz und Würde, sondern auch heikle Familienangelegenheiten.
Zu den größten Herausforderungen zählen:
- Die anhaltenden gesundheitlichen Probleme von Königin Mette-Marit, die nach einer Lungentransplantation nicht an der Beisetzung teilnehmen konnte.
- Der Rechtsstreit um ihren Sohn Marius, Haakons Stiefsohn, der wegen Sittlichkeitsdelikten verurteilt wurde und dessen Berufungsverfahren noch aussteht.
- Die öffentliche Erwartung, dass der neue König als Familienoberhaupt und Staatschef zugleich Stabilität ausstrahlt.
Laut Warlitz hängt vieles davon ab, wie Marius sich künftig verhält. Die norwegischen Gesetze bei Sittlichkeitsdelikten seien im europäischen Vergleich besonders streng — ein Umstand, der die öffentliche Debatte zusätzlich befeuert. Dennoch überwiege im Volk die Hoffnung, dass Haakon diese Krise meistert.
Prominente Gästeliste — und ein auffälliges Fehlen
Zur Trauerfeier in Oslo reisten hochrangige Vertreter aus aller Welt an, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zahlreiche europäische Königshäuser schickten ihre Vertreter.
Aufsehen erregte die Abwesenheit von König Charles III. Großbritannien entsandte stattdessen Prinz William — ohne seine Frau Catherine, die bei den Kindern blieb. Warlitz widersprach der weit verbreiteten Annahme, ein Protokoll verbiete Monarchen die Teilnahme an ausländischen Staatsbegräbnissen.
Ein solches Protokoll existiere schlicht nicht. Queen Elizabeth II. habe es einzig für König Baudouin von Belgien 1991 durchbrochen, mit dem sie persönlich befreundet war. Charles entscheide souverän — und sende mit Williamss Präsenz zugleich ein Signal: Der Prinz von Wales ist die Zukunft der britischen Krone. Implizit ist das auch eine Botschaft in Richtung Prinz Harry, der zuletzt zwar nach Großbritannien gereist war, aber keine royalen Pflichten übernimmt.
Neue Ära für Norwegens Monarchie
Die Beisetzung Haralds V. markiert mehr als einen dynastischen Übergang. Sie ist ein Stresstest für die Zukunftsfähigkeit der norwegischen Monarchie in einer Zeit, in der Königshäuser europaweit unter kritischer Beobachtung stehen. Haakon VIII. startet mit einem Vertrauensbonus, den ihm die nationale Trauer und die geschlossene Anteilnahme des Volkes eingebracht haben.
Ob er daraus eine stabile Regentschaft formen kann, wird in den kommenden Monaten und Jahren entschieden — nicht zuletzt davon, wie souverän er mit den ungelösten Konflikten in seiner eigenen Familie umgeht.
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