Dieses Video wurde am 27.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Russland plant keinen konventionellen Angriff auf NATO-Staaten – davon ist der frühere Bundeswehr-General Roland K. überzeugt. Im Gegenteil: Der Hybridkrieg mit Drohnen und verdeckten Operationen sei Putins bevorzugtes Mittel, um den Westen zu destabilisieren – und diese Strategie zeige zunehmend Wirkung. Die Debatte um Waffenlieferungen an die Ukraine, Drohnenfunde in Leipzig und die Rolle westlicher Geheimdienste bilden dabei den Hintergrund einer vielschichtigen sicherheitspolitischen Lage.
Kein konventioneller Angriff auf die NATO – aber Hybridkrieg
Die Frage, ob Russland militärisch gegen NATO-Mitglieder vorgehen könnte, beschäftigt Europa seit Monaten. Berichte über ein Gespräch des CIA-Direktors mit russischen Geheimdienstvertretern, in dem angeblich klargemacht wurde, dass Angriffe auf Estland, Lettland oder Litauen inakzeptabel seien, sorgen für Aufmerksamkeit.
General Roland K. hält diese Darstellung für unwahrscheinlich. Er sehe keinerlei Indizien für eine russische Planung oder Vorbereitung eines konventionellen Angriffs – auch nicht im Hinblick auf die strategisch sensible Suwalki-Lücke, die das Baltikum von Polen trennt. Zwar böte sie theoretisch einen Ansatzpunkt, um die NATO zu testen. Doch Putin verfolge eine andere, subtilere Strategie.
Stattdessen setze Russland auf den hybriden Krieg: Drohnenangriffe, Sabotage, psychologische Kriegsführung. Diese Mittel reichten aus, um Gesellschaften zu verunsichern und politischen Druck zu erzeugen – ohne die Eskalationsschwelle eines offenen Krieges zu überschreiten.
Drohnenfunde in Leipzig: Zeichen mit Kalkül?
Konkret verweist der Ex-General auf Drohnenfunde am Flughafen Leipzig, wo zuletzt eine dritte Drohne entdeckt wurde. Besonders auffällig: Eine der Drohnen war mit Sprengstoff bestückt, zündete jedoch nicht – möglicherweise wegen eines technischen Defekts, möglicherweise aber auch mit Absicht.
Aus seiner militärischen Erfahrung heraus betont Roland K., dass professionelle Sprengladungen grundsätzlich mit zwei Zündern gesichert werden, um Ausfälle zu kompensieren. Das Fehlen dieser Sicherung könnte auf Unprofessionalität hinweisen – oder darauf, dass die Drohne bewusst nicht zünden sollte. Denn das Signal allein reiche bereits aus:
- Die Bevölkerung wird verunsichert und aufgeschreckt.
- Die politische Debatte über hybride Bedrohungen wird befeuert.
- Die Antonov-Maschine in Leipzig als Angriffsziel sendet eine klare symbolische Botschaft.
- Russland demonstriert Handlungsfähigkeit auf europäischem Boden.
- Ein konventioneller Folgeangriff wird nicht benötigt, um Wirkung zu erzielen.
Hinzu kommt die Frage nach der Identifikation der Drohnenhersteller. Technisch sei es laut dem Ex-General durchaus möglich, Herkunft und Urheber solcher Geräte zu bestimmen – modernste Satellitentechnik mache das möglich. Dass dies offiziell nicht geschehe, legt nahe, dass die Bundesregierung die verantwortlichen Akteure zwar kennt, sie aber öffentlich (noch) nicht benennen will.
Taurus bleibt vorerst vom Tisch – Flugabwehr ist das drängendere Problem
Auch die Debatte um westliche Waffenlieferungen an die Ukraine spielte eine Rolle. Der britische Marschflugkörper Storm Shadow – das Pendant zum deutschen Taurus – soll erneut zum Einsatz gekommen sein. Doch der Ex-General sieht darin kein Argument, die Taurus-Lieferung wieder auf die Tagesordnung zu setzen.
Die Ukraine sei inzwischen selbst in der Lage, weitreichende Präzisionswaffen herzustellen. Das ukrainische System Flamingo werde international produziert und sei bislang trotz mehrerer russischer Versuche, die Produktion zu sabotieren, nicht zerstört worden.
Weitaus dringender sei hingegen die Lage bei der Flugabwehr, insbesondere bei Patriot-Systemen. Die Arsenale westlicher Länder seien nahezu erschöpft – viele Bestände sind auf einem Niveau, das als sogenannter Sperrbestand gilt, also als Minimum zur Absicherung der eigenen nationalen Sicherheit.
Putins Strategie: Destabilisierung ohne offenen Krieg
Das übergeordnete Bild, das der Ex-General zeichnet, ist das eines Russlands, das seine Ziele zunehmend ohne konventionelle Kriegsführung erreicht. Hybride Methoden – von Drohnenoperationen über Cyberangriffe bis hin zu gezielter Desinformation – erlauben es Moskau, den Westen dauerhaft unter Druck zu setzen, ohne eine direkte militärische Konfrontation zu riskieren.
Für die NATO und besonders für Deutschland bedeutet das: Die sicherheitspolitische Debatte muss sich stärker auf hybride Bedrohungsszenarien konzentrieren. Ob die Politik darauf mit mehr Transparenz, höheren Rüstungsausgaben oder konkreten Schutzmaßnahmen reagieren wird, bleibt offen – und wird die kommenden Monate bestimmen.
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