Dieses Video wurde am 08.09.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die neue PISA-Studie hat Deutschland erneut in einen Bildungsschock versetzt – und dieser fällt noch gravierender aus als der erste vor 25 Jahren. Damals schnitten deutsche 15-Jährige in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften überraschend schlecht ab. Heute sind die Ergebnisse noch schlechter. Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sieht dafür mehrere Ursachen: Masseneinwanderung, gesellschaftliche Krisen und strukturelle Fehler im Bildungssystem.
PISA-Ergebnisse: Schlechter als je zuvor
Vor einem Vierteljahrhundert glaubte Deutschland, eine große Bildungsnation zu sein. Die erste PISA-Studie widerlegte diesen Glauben. Doch die aktuelle Erhebung zeigt: Die Lage hat sich seither nicht verbessert, sondern verschlechtert. Deutsche Schülerinnen und Schüler erreichen in den drei Kernkategorien – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – niedrigere Punktzahlen als beim historischen PISA-Schock der frühen 2000er-Jahre.
Stefan Düll betont, dass PISA dabei keine klassischen Schulnoten abfragt, sondern die Alltagstauglichkeit des erworbenen Wissens testet: ob Jugendliche etwa im Supermarkt ausrechnen können, ob ein Angebot tatsächlich günstig ist. Genau in dieser Anwendungskompetenz versagen deutsche Schüler besonders deutlich – ein Befund, der laut Düll beunruhigend für die Zukunft der Betroffenen und des gesamten Landes ist.
Gleichzeitig mahnt Düll zur Verhältnismäßigkeit: PISA messe nur einen Ausschnitt dessen, was Schule leistet. Soziales Lernen und eine breite Fächervielfalt seien Stärken des deutschen Bildungssystems, die in der Studie nicht erfasst werden.
Zuwanderung als Belastungstest für das Schulsystem
Ein zentrales Argument des Lehrerverbandspräsidenten: Deutschland hat in kurzer Zeit eine außergewöhnlich hohe Zahl von Menschen aufgenommen – mit erheblichen Folgen für die Schulen.
- 2015 kamen Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland.
- 2022 folgte eine weitere große Flüchtlingswelle aus der Ukraine.
- Deutschland steht weltweit an zweiter Stelle bei der absoluten Zahl der Zuwanderer – nur hinter den USA.
- Viele neu angekommene Kinder bringen schlechte Sprachkenntnisse, schwierige familiäre und ökonomische Startbedingungen mit.
Andere Länder wie Kanada oder die Schweiz haben zwar prozentual ähnliche Zuwanderungsquoten, aber in absoluten Zahlen weit weniger Menschen aufgenommen. Das ermögliche ihnen, Förderangebote gezielter einzusetzen. Wenn hingegen ganze Klassen überwiegend aus Kindern mit Sprachförderbedarf bestehen, stoßen selbst gut ausgestattete Schulsysteme an ihre Grenzen.
Kompetenzorientierung: Gut gemeint, schlecht umgesetzt?
Seit etwa 2010 ist die Kompetenzorientierung flächendeckend in deutschen Schulen eingeführt. Das Konzept zielt darauf ab, Wissen praxisnah und lebensnah zu vermitteln. Doch Düll sieht eine folgenreiche Schieflage: Die Ausrichtung auf Kompetenzen habe dazu geführt, dass grundlegendes Fachwissen vernachlässigt wurde.
Als Beispiel nennt er Aufgaben, bei denen Schüler einen WhatsApp-Dialog zu einem historischen Thema verfassen sollen. Solche Aufgaben wirken jugendnah, setzen aber voraus, dass Jugendliche die Grundlagen des Themas beherrschen. Fehlt das Fundament, nützt auch die kreativste Kompetenzaufgabe nichts.
Dazu kommt: Projekte, Aktionen und Sonderveranstaltungen nehmen immer mehr Raum im Schulalltag ein. Kontinuierlicher, zusammenhängender Unterricht – die Grundlage für nachhaltiges Lernen – gerät dabei zunehmend unter die Räder. Düll fordert, hier dringend gegenzusteuern.
Was jetzt zu tun ist: Forderungen des Lehrerverbands
Stefan Düll sieht das deutsche Schul- und Gesellschaftssystem grundsätzlich leistungsfähig – aber überlastet. Um die Bildungsmisere zu überwinden, brauche es konkrete Maßnahmen:
- Mehr Lehrkräfte für Beziehungsarbeit und individuelle Förderung
- Rückkehr zu strukturiertem, kontinuierlichem Unterricht statt Projektflut
- Ausbau von Programmen wie dem Startchancenprogramm für benachteiligte Schulen
- Ehrliche gesellschaftliche Debatte über die Grenzen der Integrationsfähigkeit des Schulsystems
Eines macht Düll dabei klar: Die jungen Menschen, die bereits im Land sind, haben einen Anspruch auf bestmögliche Bildung – unabhängig von ihrer Herkunft. Deutschland müsse sie fit machen, damit sie ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten können. Der PISA-Befund ist für ihn deshalb kein Versagen der Lehrerinnen und Lehrer, sondern ein Signal, dass Schule und Gesellschaft gemeinsam mehr Verantwortung übernehmen müssen.
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