Dieses Video wurde am 25.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Mit einer Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk beginnt bei Volkswagen eine entscheidende Woche. Konzernchef Oliver Blume muss sich den Beschäftigten stellen und Klarheit über den drohenden VW-Stellenabbau von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen schaffen. Innerhalb von nur sieben Tagen hat der Betriebsrat außerordentliche Versammlungen an neun Standorten erzwungen — denn bislang wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht, was der Vorstand konkret plant.
Existenzängste in den Werken
Die Verunsicherung unter den Beschäftigten ist groß. Vertrauensleute berichten von handfesten Existenzängsten: Viele Kolleginnen und Kollegen wüssten nicht, wie es für sie nach 2030 weitergehe. Besonders betroffen sind die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm — vier Werke, über deren Zukunft seit Wochen spekuliert wird.
Der Betriebsrat hat mit den erzwungenen Versammlungen ein klares Signal gesetzt: Der Vorstand soll seine Sparpläne dort erklären, wo die Entscheidungen unmittelbare Folgen für die Menschen haben. Betriebsratschefin Daniela Cavallo betonte, es gehe um weit mehr als Rendite oder Cashflow — es gehe um Menschen und ganze Regionen in Deutschland.
Wirtschaftlicher Druck von mehreren Seiten
Der Handlungsdruck auf Volkswagen ist real. Der Konzern kämpft gleichzeitig auf mehreren Fronten:
- Schwache Märkte in Europa drücken auf Absatz und Margen
- Harter Wettbewerb in China, wo lokale Anbieter zunehmend Marktanteile gewinnen
- Handelsbarrieren belasten den internationalen Vertrieb
- Hohe Standortkosten in Deutschland verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit
Blume spricht von einer „Megakrise der weltweiten Autoindustrie” und macht deutlich, dass tiefgreifende Einschnitte unausweichlich sind. Wie diese Einschnitte konkret aussehen sollen, ließ der Konzern bislang offen.
Betriebsrat lehnt Werksschließungen ab
Trotz des enormen Spardrucks zieht der Betriebsrat klare rote Linien. Daniela Cavallo schließt sowohl Werksschließungen als auch betriebsbedingte Kündigungen kategorisch aus. Rückendeckung erhält sie dabei aus der Politik: Das Land Niedersachsen hält rund 20 Prozent der Volkswagen-Anteile und hat damit im Aufsichtsrat ein gewichtiges Wort mitzureden.
Blume wird die Betriebsversammlungen in Wolfsburg, Emden und Zwickau persönlich leiten. In Hannover übernimmt Finanzvorstand Arno Antlitz, die übrigen Standorte betreut Komponentenchef Thomas Schmall. Die Fragen sind überall dieselben: Wie viele Stellen fallen weg? Welche Werke haben noch eine Zukunft? Was soll Volkswagen in Deutschland künftig noch produzieren?
Aufsichtsrat entscheidet im September
Die Werks-Tour ist für Blume mehr als ein symbolischer Akt. Im September muss er sein Sparprogramm im Aufsichtsrat durchsetzen — und dafür braucht er zumindest einen Teil des Rückhalts aus der Belegschaft und dem Betriebsrat. Die Betriebsversammlungen sind damit die erste ernsthafte Bewährungsprobe für den Konzernchef.
Ob der Vorstand in dieser Woche Vertrauen zurückgewinnen oder die Fronten weiter verhärten wird, ist offen. Klar ist: Die Entscheidungen der kommenden Wochen werden nicht nur die Zukunft von Volkswagen, sondern auch die wirtschaftliche Lage ganzer Regionen in Deutschland prägen.
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