Dieses Video wurde am 31.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der MSCI World gilt als das Maß der Dinge im ETF-Bereich – doch auch dieser weltweit verbreitete Index bringt Risiken mit sich. Zu hohe Konzentration auf einzelne Titel, eine starke regionale Ausrichtung auf die USA und fehlende Regionen im Portfolio sind Schwachstellen, die Anleger kennen sollten. Aktive ETFs bieten eine Möglichkeit, diesen Risiken gezielt entgegenzuwirken und gleichzeitig die Vorteile klassischer ETFs zu nutzen. Portfoliomanager Napiralla erklärt im ntv-Interview, wie das in der Praxis funktioniert.
Risiken des MSCI World: Konzentration und regionale Schieflage
Der MSCI World-Index bildet den breiten globalen Aktienmarkt nach dem Prinzip der Marktkapitalisierung ab. Das bedeutet: Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert werden am stärksten gewichtet. In der Theorie hält ein Anleger damit das durchschnittliche Portfolio aller globalen Investoren – von Privatpersonen über Versicherungen bis hin zu großen Pensionskassen.
Dieses Prinzip bringt jedoch strukturelle Risiken mit sich. Einzelne Titel wie Nvidia sind im Index stark übergewichtet, weil ihre Marktkapitalisierung enorm ist. Gleichzeitig entfällt ein überproportional großer Anteil des Index auf US-amerikanische Unternehmen, während bestimmte Regionen und Branchen kaum oder gar nicht vertreten sind.
- Hohe Konzentration auf einzelne Technologietitel wie Nvidia
- Starke regionale Schieflage zugunsten der USA
- Bestimmte Schwellenmärkte und Regionen fehlen vollständig
- Zinssensitive Wachstumstitel sind strukturell hoch gewichtet
Trotz dieser Kritikpunkte bleibt die Marktkapitalisierung laut Napiralla das „mächtigste und etablierteste Tool”, das Privatanlegern für ein breites Marktengagement zur Verfügung steht.
Wie aktive ETFs funktionieren
Klassische ETFs folgen stur der Marktkapitalisierung. Aktive ETFs hingegen überlassen die Gewichtung einzelner Titel dem Portfoliomanagement – entweder regelgebunden nach definierten Kriterien oder diskretionär durch einen Fondsmanager, der eigenverantwortlich Entscheidungen trifft.
Die Grundstruktur bleibt dabei dieselbe wie bei passiven ETFs: Liquidität, Transparenz und vergleichsweise niedrige Kosten sind auch bei aktiven Varianten gewährleistet. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die fundamentale Einschätzung einzelner Titel die Gewichtung bestimmt – nicht automatisch die Börsengröße eines Unternehmens.
Im institutionellen Portfoliomanagement ist dieses Vorgehen längst etabliert: Die Marktkapitalisierung dient als Ausgangsbasis, von der man gezielt abweicht, um einen Mehrertrag zu erzielen. Dieses Prinzip wird nun zunehmend auch für Privatanleger über aktive ETFs zugänglich gemacht.
Aktive Strategie als Schutz in einem Hochzinsumfeld
Besonders relevant wird die Frage nach aktiven Strategien angesichts des aktuellen geldpolitischen Umfelds. Sollte die US-Notenbank unter ihrem designierten Vorsitzenden Kevin Waller einen restriktiveren Kurs einschlagen und Zinssenkungen ausbleiben oder gar Zinserhöhungen drohen, geraten zinssensitive Wachstumstitel unter Druck.
Genau diese Wachstumswerte sind im MSCI World durch die Marktkapitalisierungslogik stark vertreten. Ein aktiver Ansatz kann hier gegensteuern: Portfoliomanager können bei veränderten Zinserwartungen die Gewichtung solcher Titel reduzieren und in defensivere oder fundamental attraktivere Werte umschichten.
Das bedeutet nicht, dass aktive ETFs stets besser abschneiden. Doch sie bieten die Flexibilität, auf Marktentwicklungen zu reagieren, die ein passiver Index schlicht ausblendet.
Empfehlung für Privatanleger: Kombination aus passiv und aktiv
Eine pauschale Aufteilung – etwa zwei Drittel MSCI World und ein Drittel aktiv gemanagte ETFs – lässt sich laut Napiralla nicht universell empfehlen. Die optimale Mischung hängt von der individuellen Anlegersituation, dem Zeithorizont und der Risikobereitschaft ab.
Der Trend ist jedoch eindeutig: Auch große institutionelle Investoren, die jahrelang rein passiv investiert haben, mischen ihren Portfolien zunehmend aktive Komponenten bei. Für Privatanleger könnte dieselbe Logik gelten – der MSCI World als solide Basis, ergänzt durch aktive ETFs, die gezielt Schwächen des Index ausgleichen.
Unterm Strich bietet die Kombination aus breitem Marktengagement und aktivem Management eine ausgewogene Strategie: Die Diversifikation des MSCI World bleibt erhalten, während gezielte Titelauswahl das Risikoprofil verbessern und potenzielle Mehrerträge erschließen kann.
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