Dieses Video wurde am 01.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das geplante Verbrenner-Aus der Europäischen Union steht durch eine neue Großstudie der Technischen Universität München (TUM) unter erheblichem Druck. Die Forscher werfen der EU-Kommission vor, Elektroautos auf Basis einer fundamental unehrlichen Berechnungsgrundlage zu bevorzugen – und warnen, dass Europa seine eigenen Klimaziele so niemals erreichen kann. CSU-Chef Markus Söder fordert bereits, das Verbrenner-Verbot zu kippen.
TUM-Studie: Elektroautos weit schlechter als behauptet
Die neue Untersuchung stammt von der Technischen Universität München, die nach internationalen Maßstäben als führende europäische Forschungseinrichtung gilt. Für die Studie wertete ein fakultätsübergreifendes Forschungsnetzwerk insgesamt 12 Einzelstudien mit 47 verschiedenen Simulationen zum Bau und Betrieb von Elektrofahrzeugen und anderen Antriebskonzepten aus und erstellte eigene Simulationen.
Das Kernergebnis ist eindeutig: Wer den CO₂-Fußabdruck eines Fahrzeugs ausschließlich anhand der Emissionen aus dem Auspuff misst, betreibt eine verzerrte Bilanz. Bei Elektroautos fließen enorme Energiemengen in die Herstellung – vor allem in die Batteriefertigung und in die Stahlproduktion. Hinzu kommt, dass E-Autos deutlich schwerer sind als vergleichbare Verbrennerfahrzeuge, was sich ebenfalls auf die Gesamtemissionen auswirkt.
Die Münchner Forscher beziffern das Risiko konkret: Im schlechtesten Szenario – etwa wenn die Batterien mit kohlenstoffintensivem Strom produziert werden oder wenn Fahrzeuge per Schiff aus Fernost transportiert werden – stoßen Elektroautos bis zu 41 Prozent mehr CO₂ aus als ein moderner Verbrenner.
Falsche Berechnungsgrundlage seit 2011
Der Ursprung des Problems liegt nach Einschätzung der Kritiker weit zurück: Bereits 2011 unter Bundeskanzlerin Angela Merkel wurden Elektroautos in Deutschland pauschal als emissionsfrei eingestuft und von der Kfz-Steuer befreit. Dabei war damals wie heute klar, dass der deutsche Strommix alles andere als klimaneutral ist.
Wer ein Elektroauto mit Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken lädt, erzielt keinen nennenswerten Klimavorteil gegenüber einem effizienten Verbrenner. Die TUM-Forscher fordern deshalb ein konsequentes Lebenszyklusdenken: Nur wenn in die Bilanz eingerechnet wird, mit welchem Strommix die Batterie gefertigt und das Auto betrieben wird, lässt sich eine ehrliche Klimabilanz erstellen.
Die Studie nennt konkrete Bedingungen, unter denen Elektromobilität tatsächlich klimafreundlich sein kann:
- Einsatz von erneuerbarem Strom bei der Batterieproduktion
- Verwendung von grünem Stahl im Fahrzeugbau
- Aufladung der Fahrzeuge überwiegend mit sauberem Ökostrom
- Berücksichtigung des Transportweges vom Herstellungsland
- Vollständige Lebenszyklusanalyse statt reiner Auspuff-Messung
Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt seien, bleibe die CO₂-Bilanz von Elektroautos „grottenschlecht”, so die Einschätzung der Forscher.
Politischer Druck auf das Verbrenner-Aus wächst
Die Studie liefert politischen Kräften Munition, die das ab 2035 geplante EU-weite Verbrenner-Verbot schon länger ablehnen. CSU-Chef Markus Söder sprang unmittelbar auf die Ergebnisse an und verlangte, das geplante Aus für Verbrennungsmotoren zu kippen.
Söder steht dabei nicht allein: Die CDU/CSU insgesamt und mehrere andere Autonationen innerhalb der Europäischen Union stehen dem Verbrenner-Verbot skeptisch gegenüber. Das Thema ist also kein rein deutsches, sondern ein europapolitisches – denn es berührt die grundlegende Frage, nach welchen Kriterien Herstellungsprozesse und Produkte in der EU reguliert und bewertet werden.
Die Kernbotschaft der TUM-Forscher ist dabei kein Plädoyer für den Verbrenner: Es gehe nicht darum, ob mehr Verbrenner und weniger Elektroautos gebaut werden sollten. Es gehe darum, ob die Ausgangsbasis der politischen Regulierung in der EU ehrlich oder „zutiefst verlogen” sei – so die scharfe Formulierung der Kritiker.
Ausblick: Radikales Umdenken gefordert
Die TUM-Studie, die nach monatelanger Arbeit seit Januar fertiggestellt wurde, fordert von der EU-Kommission ein radikales Umdenken in der Klimapolitik. Anreize müssten so gesetzt werden, dass die gesamte Lieferkette – von der Rohstoffgewinnung über die Batterieproduktion bis zum Fahrbetrieb – wirklich sauber wird.
Andernfalls, so die Warnung, werde Europa nicht nur seine Klimaziele verfehlen, sondern mit einer falschen Berechnungsgrundlage die eigene Industrie – allen voran die deutsche Automobilbranche – gefährden. Ob die Studie die politische Debatte in Brüssel tatsächlich neu entfacht, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn die EU-Kommission ihre Überprüfung der CO₂-Flottenregulierung fortsetzt.
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