Dieses Video wurde am 02.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kein Wasser aus dem Hahn, überfüllte Krankenhäuser ohne Strom, ein lahmes Mobilfunknetz – solche Szenarien verdeutlichen, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist. Kritische Infrastruktur, kurz KRITIS, umfasst alle Einrichtungen und Systeme, ohne die das öffentliche Leben nicht mehr funktioniert. Auf Bundesebene sind mittlerweile zehn Sektoren als kritisch eingestuft. Die Bedrohungen für diese Bereiche nehmen spürbar zu – durch Cyberkriminalität ebenso wie durch physische Sabotage.
Zehn Sektoren der kritischen Infrastruktur in Deutschland
An der Spitze der Schutzprioritäten stehen Wasser- und Energieversorgung. Fällt der Strom längerfristig aus, zieht das eine Kettenreaktion durch nahezu alle anderen Sektoren nach sich: Lebensmittel verderben, das Internet bricht zusammen, der Verkehr kommt zum Erliegen.
Der Bund definiert die zehn KRITIS-Sektoren wie folgt:
- Energie (Strom, Gas, Wärme)
- Wasser (Trinkwasser und Abwasser)
- Ernährung (Produktion und Versorgungsketten)
- Gesundheit (Krankenhäuser, Labore, Pharmahersteller)
- Finanz- und Versicherungswesen
- Informationstechnik und Telekommunikation
- Verkehr (Straße, Schiene, Luft, See)
- Medien und Kultur
- Staat und Verwaltung
- Abfallentsorgung
Die Breite dieser Liste zeigt: Der Schutzauftrag reicht weit über klassische Sicherheitsinfrastruktur hinaus und betrifft das tägliche Leben aller Bürgerinnen und Bürger.
Gesundheit und Wirtschaft als besonders sensible Bereiche
Im Gesundheitssektor zählen neben Krankenhäusern auch Labore und Hersteller lebenswichtiger Medikamente zur kritischen Infrastruktur. Fällt auch nur ein Glied dieser Versorgungskette aus, kann die Patientenversorgung gefährdet werden – wie Engpässe bei Medikamenten in der jüngeren Vergangenheit gezeigt haben.
Eng damit verknüpft ist das Finanz- und Versicherungswesen. Banken, Zahlungssysteme und Versicherungen sind das Rückgrat der Wirtschaft. Ein koordinierter Angriff auf diese Systeme könnte Lieferketten lahmlegen und Vertrauen in staatliche Institutionen erschüttern.
Bedrohungslage: Cyberangriffe und Sabotage nehmen zu
Die Bedrohungen für KRITIS wachsen auf zwei Ebenen. Zum einen digital: Das Bundeskriminalamt erfasste zuletzt rund 335.000 Cyberangriffe auf Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen in einem Jahr. Ein erheblicher Teil dieser Attacken stammt aus dem Ausland und richtet sich gezielt gegen sensible Systeme.
Zum anderen nehmen physische Bedrohungen zu. Rund 320 Verdachtsfälle von Sabotage wurden registriert – darunter Versuche, Bahnanlagen oder Umspannwerke außer Betrieb zu setzen. Derartige Sabotageakte können mit vergleichsweise einfachen Mitteln großflächige Ausfälle auslösen.
Die Kombination aus digitalen und physischen Angriffen stellt Behörden vor besondere Herausforderungen, da beide Bedrohungsformen oft schwer voneinander zu trennen sind und koordiniert eingesetzt werden können.
Schutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die schiere Zahl der schützenswerten Sektoren macht deutlich: KRITIS-Schutz ist keine reine Behördenaufgabe. Unternehmen, Betreiber öffentlicher Einrichtungen und die Politik müssen gemeinsam Resilienz aufbauen – durch technische Absicherung, Notfallpläne und internationale Kooperation.
Angesichts steigender Angriffszahlen und einer zunehmend angespannten geopolitischen Lage rückt der Schutz kritischer Infrastruktur weiter in den Mittelpunkt der Sicherheitspolitik. Ob neue gesetzliche Anforderungen, verstärkte Investitionen oder engere Zusammenarbeit mit EU-Partnern – der Handlungsdruck wächst auf allen Ebenen.
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