Dieses Video wurde am 03.09.2026 von Handelsblatt auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Beim Treffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens im sogenannten Weimarer Dreieck hat Bundesaußenminister Johann Wadephul die Entscheidung Russlands kritisiert, die Niederlassungen des Goethe-Instituts in Russland zu schließen. Gleichzeitig stand der Russland zugeschriebene versuchte Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig im Mittelpunkt der Gespräche. Das Treffen fand in Weimar statt – dem symbolischen Gründungsort des trilateralen Gesprächsformats aus dem Jahr 1991.
Wadephul: Goethe-Institut war wichtige Kulturbrücke
Wadephul äußerte sein Bedauern über die Schließung der deutschen Kulturbotschaft in Russland deutlich. Das Goethe-Institut habe auch dort eine wichtige Funktion als Kulturbrücke zwischen den Menschen beider Länder übernommen, betonte er. Deutschland wäre bereit gewesen, diese Arbeit fortzusetzen.
„Wir hatten zwischen den Menschen in Russland und in Deutschland grundsätzlich immer ein gutes und freundschaftliches Verhältnis”, so Wadephul. Das eigentliche Problem sei die russische Führung in der aktuellen Situation – nicht die Bevölkerung. Die Schließung des Instituts sendet damit aus Berliner Sicht ein falsches Signal gegenüber der russischen Zivilgesellschaft.
Drohnenanschlag auf Leipzig: Hybride Bedrohungen im Fokus
Ein weiteres zentrales Thema des Treffens war der Russland zugeschriebene versuchte Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig. Der Vorfall verdeutliche, dass Russlands Aggression nicht vor nationalen Grenzen haltmache, erklärte Wadephul auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen.
Neben Wadephul nahmen der französische Außenminister Jean-Noël Barrot und der polnische Außenminister Radosław Sikorski an der Veranstaltung teil. Hybride Bedrohungen – darunter Sabotageakte und Cyberangriffe – stehen seit Monaten verstärkt auf der Agenda europäischer Sicherheitspolitiker.
Starke Solidarität in Europa – Deutschland zeigt sich dankbar
Wadephul hob die breite europäische Unterstützung für die deutsche Position im Umgang mit Russland hervor. Das Gesamtbild in Europa – und darüber hinaus – sei eines der Solidarität, das auch in Moskau nicht ohne Wirkung geblieben sei, betonte er.
- Deutschland, Frankreich und Polen stimmen sich in allen wichtigen politischen Fragen ab.
- Das Weimarer Dreieck wurde 1991 als Gesprächsformat begründet.
- Hybride Bedrohungen durch Russland stehen oben auf der europäischen Sicherheitsagenda.
- Die Schließung des Goethe-Instituts wird als kulturpolitischer Rückschritt gewertet.
Für die gemeinsame Solidarität zeigte sich Wadephul ausdrücklich dankbar – auch im Namen Deutschlands als Ganzes.
Weimarer Dreieck: Weitere Themen auf der Agenda
Das Treffen in Weimar umfasste neben der Russland-Politik weitere bedeutende außenpolitische Dossiers. Diskutiert wurden die Lage im Nahen und Mittleren Osten, Fragen der EU-Erweiterung sowie mögliche Reformen der europäischen Außenpolitik.
Das Weimarer Dreieck gilt als eines der wichtigsten informellen Abstimmungsformate innerhalb der EU. Seit seiner Gründung 1991 haben sich die drei Länder zu einem engen Konsultationsmechanismus entwickelt, der bei geopolitischen Krisen regelmäßig aktiviert wird. Angesichts der anhaltenden Spannungen mit Russland gewinnt das Format weiter an Bedeutung.
Die Schließung des Goethe-Instituts in Russland markiert einen weiteren Einschnitt in den ohnehin stark belasteten deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Ob und wann eine Wiederannäherung möglich ist, hängt nach Einschätzung Berlins maßgeblich vom Kurs der russischen Führung ab.
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