Dieses Video wurde am 04.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Fast eine Stunde lang stellte sich US-Vizepräsident JD Vance im Weißen Haus den Fragen der Presse. Die Pressekonferenz lieferte skurrile Momente – von öffentlichen Liebesbekundungen an seine Ehefrau bis zu Fragen über seinen Körper. Doch im Mittelpunkt stand das drängendste außenpolitische Thema der aktuellen US-Regierung: der Krieg mit dem Iran. Klare Antworten blieb Vance dabei weitgehend schuldig.
Vance weicht beim Iran-Konflikt aus
Trotz anhaltender militärischer Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran will Vance den Begriff „Krieg” nicht gelten lassen. „Ich würde es gerade keinen Krieg nennen. Es gibt keine aktiven Kampfhandlungen”, sagte der Vizepräsident – obwohl die USA und der Iran sich laut Berichten von Sonntag bis Dienstag drei Tage in Folge gegenseitig beschossen hatten. Echte Kampfhandlungen habe es lediglich rund sechs Wochen gegeben, so Vance weiter.
Diese Einschätzung steht in deutlichem Widerspruch zur Faktenlage und zur Berichterstattung der vergangenen Wochen. Kritiker werten Vance’ Formulierungen als Versuch, den Ernst der Lage herunterzuspielen.
Kein Zeitplan, keine Verhandlungen
Auf die Frage, wann der Konflikt enden werde, antwortete Vance ausweichend: „Das ist, als würden Sie mich fragen, wann die Iraner aufhören, auf Schiffe zu schießen. Die Antwort darauf kenne ich nicht.” Auf die Nachfrage, ob damit allein der Iran über das Ende des Krieges entscheide, erklärte er, die USA würden keine „künstliche Deadline” setzen – weder nach drei Tagen noch nach drei Monaten.
Gleichzeitig schloss Vance Verhandlungen mit dem Iran kategorisch aus:
- Die USA sprechen derzeit nicht mit dem Iran.
- Gespräche sind laut Vance erst möglich, wenn der Iran aufhört, auf kommerzielle Schiffe zu schießen.
- Eine konkrete Strategie oder ein diplomatischer Fahrplan wurden nicht vorgestellt.
- Trumps frühere Versprechen eines schnellen Kriegsendes wurden nicht erklärt.
Trumps wechselnde Deadlines
US-Präsident Donald Trump hatte in der Vergangenheit wiederholt angekündigt, der Konflikt mit dem Iran werde in „wenigen Tagen oder Wochen” beendet sein. Tatsächlich wurden diese selbst gesetzten Deadlines jedoch immer wieder verschoben, ohne dass ein Ende des Konflikts absehbar wurde. Vance äußerte sich auf der Pressekonferenz nicht dazu, wie diese Ankündigungen mit der aktuellen Lage zu vereinbaren seien.
Die Diskrepanz zwischen den öffentlichen Versprechen der Regierung und der tatsächlichen Entwicklung des Konflikts wirft Fragen über die Glaubwürdigkeit der US-Iranpolitik auf.
Zwischen Liebesgrüßen und Figurkommentaren
Abseits der Außenpolitik sorgte die Pressekonferenz auch für ungewöhnliche Momente. Vance richtete während des Auftritts öffentlich Liebesbekundungen an seine Ehefrau Usha Vance: „Ich liebe dich. Ich bin sehr stolz auf dich, wie du alles zusammenhältst, trotz des Chaos und der Verrücktheit.” Zudem wurde der Vizepräsident von einem Journalisten gefragt, wie viel Gewicht er abgenommen habe – eine Frage, die in einer Pressekonferenz im Weißen Haus ungewöhnlich ist und für Aufsehen sorgte.
Insgesamt hinterließ der fast einstündige Auftritt von JD Vance den Eindruck einer US-Regierung ohne klare Strategie im Umgang mit dem Iran. Solange Teheran keine Verhaltensänderung zeigt und Washington Verhandlungen ablehnt, dürfte der Konflikt weiter schwelen – ohne absehbares Ende.
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