Dieses Video wurde am 15.09.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der DAX präsentiert sich Mitte September unter erheblichem Druck: Steigende Anleiherenditen in Deutschland und den USA sowie ein fester Ölpreis trüben die Stimmung an den deutschen Aktienmärkten spürbar. Der Leitindex notiert bei rund 25.400 Punkten und kämpft charttechnisch um wichtige Unterstützungszonen. Dieser DAX-Check beleuchtet die wichtigsten Einzelwerte und Marktentwicklungen des Tages.
DAX-Charttechnik: Aufwärtstrend gebrochen
Charttechnisch hat der DAX seinen Aufwärtstrend gebrochen – ein Thema, das bereits seit mehreren Sitzungen im Fokus steht. Nach einem neuen Verlaufstief erholte sich der Index im Tagesverlauf und konnte zeitweise die Marke von 25.500 Punkten zurückerobern.
Als zentrale Unterstützungszone gilt das Ende Juli entstandene Kurslücke (Gap) zwischen 25.100 und 25.300 Punkten, ergänzt durch die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke. Darunter bietet die 200-Tage-Linie bei rund 24.760 bis 24.770 Punkten eine weitere Auffanglinie. Auf der Oberseite wäre die Rückeroberung der 50-Tage-Linie ein positives Signal – angesichts der bevorstehenden Fed-Entscheidung sind jedoch größere Kaufimpulse vorerst nicht zu erwarten.
Steigende Renditen als Belastungsfaktor
Ein wesentlicher Gegenwind für Aktien sind die weltweit steigenden Anleiherenditen. Deutsche Bundesanleihen rentieren mittlerweile bei 3,55 Prozent, US-Staatsanleihen haben die Marke von 5 Prozent überschritten. Auch in Japan notieren die Renditen über 3 Prozent – Niveaus, die dort lange nicht mehr zu beobachten waren.
- Deutsche Bundesanleihe: über 3,55 % Rendite
- US-Treasuries: erstmals wieder über 5 %
- Japan: Renditen über der 3-%-Schwelle
- Steigende Renditen schmälern die relative Attraktivität von Aktien
- Fed-Entscheidung am Folgetag als zentraler Kurstreiber
Das Zinsumfeld bleibt damit der dominierende Belastungsfaktor. Besonders Wachstumswerte mit hohem Finanzierungsbedarf geraten dadurch unter Druck.
Einzelwerte im Fokus: Aixtron, CEWE, Deutz und Schott Pharma
Aixtron war am Vortag mit einem Minus von rund 11 Prozent stärkster Verlierer im DAX. Die Aktie übertrieb zuvor auf der Oberseite bis in den Bereich von 60 Euro und korrigiert nun deutlich. Ein weiterer Rückgang bis in die Region von 30 Euro ist möglich, gilt langfristig jedoch als interessante Einstiegsgelegenheit. Ruhe bewahren lautet die Devise.
CEWE plant einen Aktienrückkauf von bis zu 150.000 Aktien im Volumen von bis zu 18 Millionen Euro – das entspricht knapp 2 Prozent des Grundkapitals. Die Aktie bewegt sich seit 2023 in einer Handelsspanne zwischen 90 und 110 Euro seitwärts. Die Übernahme von Kodak Moments und der Fokus auf margenstarke Geschäftsbereiche machen CEWE zu einem interessanten Kandidaten für einen möglichen Ausbruch nach oben.
Deutz hat eine Kapitalerhöhung durchgeführt und rund 15,3 Millionen neue Aktien zu einem Platzierungspreis von 11,70 Euro ausgegeben – ein Erlös von rund 180 Millionen Euro. Marktbeobachter spekulieren auf eine bevorstehende Übernahme im Energiebereich, nachdem das Unternehmen bereits seinen Defense-Bereich ausgebaut hat. Der Kurs gab nach der Platzierung erwartungsgemäß nach; der Bereich um 11 Euro gilt als langfristig interessante Einstiegszone.
Bei Schott Pharma nahm JP Morgan die Abdeckung mit der Empfehlung „Overweight” auf. Die Aktie stieg daraufhin um rund 4,7 Prozent auf 27,10 Euro und nähert sich erneut dem hartnäckigen Widerstandsbereich um 23,70 Euro. Ein nachhaltiger Ausbruch könnte das Kursziel von 27 Euro in greifbare Nähe rücken.
DHL Group und Vonovia: Stabilität vs. Talfahrt
Die DHL Group erhält Rückenwind von der Deutschen Bank, die das Kaufrating bestätigt und das Kursziel auf 62 Euro anhebt. Die EBIT-Prognose für das laufende Geschäftsjahr wurde auf 7,2 Milliarden Euro erhöht. Treiber ist vor allem das Expressgeschäft, beflügelt durch knappe Luftfrachtkapazitäten und schwere Industriesendungen. Die Aktie hält sich stabil über der 50-Tage-Linie bei rund 55 Euro – für defensive Anleger ein solides Depotpapier.
Vonovia hingegen setzt seine Talfahrt fort. Von einstigen Hochs um 35 bis 40 Euro ist die Aktie auf rund 17,80 Euro gefallen und nähert sich damit den Tiefs von 2023. Neben steigenden Zinsen belasten politische Debatten um Enteignungen in Berlin das Image der Immobilienbranche zusätzlich. Solange die Zinsen nicht drehen, bleibt der Gegenwind strukturell. Langfristig spricht die anhaltend hohe Wohnungsnachfrage – in Deutschland fehlt nach wie vor rund eine Million Wohnungen – für den Sektor. Geduld ist hier jedoch zwingend geboten.
Insgesamt bleibt das Marktumfeld für Aktien kurzfristig herausfordernd. Die Kombination aus steigenden Renditen, Zinsunsicherheit und politischen Risiken setzt breite Teile des deutschen Aktienmarkts unter Druck. Anleger behalten die Fed-Entscheidung sowie die weiteren Konjunkturdaten – darunter ZEW-Konjunkturerwartungen und den Empire State Index – als nächste Wegmarken im Blick.
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