Dieses Video wurde am 24.04.2026 von WirtschaftsWoche auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Spaghetti Bolognese stehen bei Apetito ganz oben auf der Beliebtheitsskala – und das quer durch alle Altersgruppen. Jan Philipp Laabs, Chef des größten deutschen Cateringunternehmens, verantwortet die Mahlzeiten von Hunderttausenden Menschen täglich: in Seniorenheimen, Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern. Mit rund 12.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von deutlich über einer Milliarde Euro ist Apetito Catering eine systemrelevante Größe in der deutschen Gemeinschaftsverpflegung. Laabs erklärt, wie das Geschäftsmodell funktioniert, warum der Fachkräftemangel bei Köchen das Unternehmen wachsen lässt – und weshalb seine Lieferanten für viele Senioren der einzige Sozialkontakt sind.
Das Geschäftsmodell: Tiefkühlkost auf Profiniveau
Im Kern liefert Apetito kein fertiges Essen, sondern ein vollständiges System. Vom zentralen Produktionsstandort im westfälischen Rheine wird das Essen vorgekocht, schockgefrostet und bundesweit ausgeliefert. Vor Ort – ob im Altenheim oder in der Schulkantine – wird es regeneriert, also auf den richtigen Garpunkt erwärmt.
Das Besondere: Apetito bringt auf Wunsch auch die gesamte Küchentechnik, Speisepläne und Schulungen für angelerntes Personal mit. So können Einrichtungen ihren Küchenbetrieb ohne ausgebildete Köche aufrechterhalten – ein entscheidender Vorteil angesichts des akuten Köchemangels.
- 17 regionale Servicecenter in ganz Deutschland
- Vollcatering-Option mit eigenem Personal vor Ort
- Speziell angepasste Menüs für Senioren, Kinder und Kranke
- Berücksichtigung von Schluckstörungen (Dysphagie) und Zahnprothesen
- Nutzung von IT und KI zur Optimierung von Speiseplänen und Lebensmittelverschwendung
Für Senioren bedeutet das beispielsweise: Fleisch muss mit dem Löffel teilbar sein, Reis wird wegen Prothesenproblematiken möglichst vermieden. Nudeln al dente, räumt Laabs schmunzelnd ein, seien im Seniorenheim eher nicht das Ziel.
Sozialkontakt durch den Lieferdienst
Apetito betreibt neben dem institutionellen Geschäft auch einen Heimlieferdienst für Senioren – ein Segment, das Laabs besonders am Herzen liegt. Die Fahrer klingeln persönlich, bringen die Menüs bis in den Tiefkühlschrank und nehmen sich Zeit für ein Gespräch.
„Für viele Senioren sind wir tatsächlich fast der einzige Sozialkontakt“, sagt Laabs. „Wenn wir vorbeikommen, freut man sich. Man kennt sich, man kann sich anrufen.” Diese menschliche Komponente unterscheide Apetito bewusst von Wettbewerbern, die Mahlzeiten lediglich vor der Haustür abstellten.
Dieses Modell trägt Apetito inzwischen auch ins Ausland. In Kanada ist das Unternehmen mit über 20 Franchisenehmer flächendeckend aktiv. In den USA startete Apetito in Boston und expandiert derzeit nach Chicago – mit dem Ziel, bis Jahresende zehn Franchisenehmer zu haben. Der US-Umsatz soll 2025 auf 12 Millionen Dollar steigen, nachdem er vor vier Jahren noch bei einer Million lag.
Wachstumstreiber: Demografie und Köchemangel
Die Wachstumsstory von Apetito basiert auf handfesten gesellschaftlichen Trends. Die Bevölkerung altert, chronische Erkrankungen nehmen zu, und gleichzeitig sinkt die Zahl der Auszubildenden im Kochberuf dramatisch. Laabs beschreibt das als strukturellen Rückenwind für sein Unternehmen.
Auch der Markt selbst ist bei Weitem nicht gesättigt: Im stärksten Segment hält Apetito nach eigenen Angaben lediglich 8 bis 20 Prozent Marktanteil. „Selbst in unserem stärksten Segment sind noch 80 Prozent übrig”, so Laabs.
Rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen auf Deutschland. Daneben ist Apetito in mehreren europäischen Ländern sowie Nordamerika aktiv. Der Fischbereich unter der Marke Costa gilt dagegen als Randgeschäft aus einer älteren Strategie und steht nicht mehr im Mittelpunkt der Wachstumspläne.
Vom Banker zum Lebensmittelunternehmer
Laabs selbst kam über einen ungewöhnlichen Weg in die Branche. Nach dem BWL-Studium arbeitete er zunächst als Unternehmensberater und dann bei der Deutschen Bank. Was ihm fehlte: ein emotionales Produkt. „Die meisten Kunden haben gesagt, ich muss zu dir – nicht, ich möchte zu dir”, erinnert er sich.
Die Entscheidung für Lebensmittel fiel bewusst: „Essen hat eine kulturelle Dimension – von der Steinzeit bis heute.” Den Schritt zur Apetito-Führung beschreibt er als glückliche Fügung: Seine Frau stupste ihn auf der Autobahn an und fragte, warum er nicht für das Unternehmen arbeitete, an dem sie vorbeifuhren. Am nächsten Tag kam der Anruf.
Heute ist Laabs auch ehrenamtlicher Feuerwehrmann – ein Hobby seit Kindheitstagen, das er als Schule für Teamarbeit und Problemlösung versteht. Bei Apetito selbst sind von rund 2.000 Mitarbeitern am Standort Rheine mehr als 500 ehrenamtlich tätig – eine Unternehmenskultur, die Laabs aktiv fördert.
Apetito steht vor der Herausforderung, internationale Expansion, Zollrisiken in Nordamerika und den strukturellen Wandel in der Gemeinschaftsverpflegung gleichzeitig zu managen. Laabs setzt dabei auf organisches Wachstum – einen Schritt nach dem anderen, wie er betont. Der nächste große Markt: Spanien und die Kanarischen Inseln, wo viele spanische Senioren ihren Lebensabend verbringen.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

