Dieses Video wurde am 02.05.2026 von FinanzFluss auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Sorge vor einer KI-Blase bewegt zunehmend Privatanleger dazu, ihre Depots grundlegend umzuschichten. Ausgangspunkt der Debatte ist ein viral gegangenes Video des britischen Investors Mark Tilbury, der seine Strategie nach Jahren der S&P-500-Investitionen überdenkt – und damit Millionen Zuschauer erreicht. Im Kern lautet seine These: Die größten Unternehmen im S&P 500 sind zu stark auf Künstliche Intelligenz konzentriert, das Klumpenrisiko ist erheblich, und eine Diversifikation in Equal-Weight-Indizes, Small Caps und Gold könnte sinnvoll sein. Doch wie stichhaltig sind diese Argumente wirklich?
Das KI-Klumpenrisiko im S&P 500
Der S&P 500 ist nach Marktkapitalisierung gewichtet – das bedeutet: Je wertvoller ein Unternehmen wird, desto größer sein Anteil am Index. Aktuell entfallen rund 40 Prozent des Index auf die Top-10-Werte, darunter Apple, Alphabet, Amazon, Meta, Tesla und Nvidia. Allein Nvidia macht inzwischen etwa sieben Cent von jedem investierten Dollar aus.
Was viele dieser Unternehmen verbindet: Sie alle haben massives KI-Exposure. Die milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur gelten als treibender Faktor ihrer Bewertungen. Laut Daten der Deutschen Bank wäre die US-Wirtschaft ohne diese KI-Ausgaben möglicherweise bereits in einer Rezession.
Das Risiko liegt auf der Hand: Sollte sich die KI-Euphorie als übertrieben erweisen, könnten diese Schwergewichte überproportional stark fallen – und den gesamten Index mit sich reißen. Wer ausschließlich in einen marktkapitalisierten S&P 500 investiert, setzt also implizit auf den Fortbestand des KI-Booms.
Equal Weight und Small Caps als Alternative
Als Reaktion auf dieses Klumpenrisiko propagiert Tilbury zwei Alternativen: den S&P 500 Equal Weight ETF sowie Small- und Mid-Cap-Unternehmen. Im Equal-Weight-Index hat jedes der 500 Unternehmen dasselbe Gewicht von rund 0,2 Prozent – unabhängig davon, wie groß es ist.
Das klingt zunächst verlockend, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Der Ansatz widerspricht dem sogenannten Momentum-Faktor. Unternehmen, die stark steigen, werden beim Rebalancing wieder verkauft; schwächere Werte werden nachgekauft. Man schneidet den Gewinnern systematisch die Flügel. Der Vergleich zeigt: Seit Auflegung des Equal-Weight-ETF (ca. 2014) hat der klassische S&P 500 deutlich besser abgeschnitten. Zudem entstehen höhere Rebalancing-Kosten, da bei jedem Ausgleich bis zu 500 Positionen angepasst werden müssen.
Bei Small Caps lautet die These: Diese Unternehmen müssen das KI-Wettrüsten nicht gewinnen – sie müssen KI nur klug anwenden. Tatsächlich zeigt sich in der Startup- und Mittelstandsszene ein Trend: Viele Softwareanbieter lassen Nutzer zwischen verschiedenen KI-Modellen wählen (Claude, ChatGPT, Gemini). Wenn Modelle zur Commodity werden, fließt der Mehrwert nicht mehr zu den Entwicklern, sondern zu den Anwendern.
KI als Commodity – ein reales Szenario?
Eine der spannendsten Fragen der aktuellen Technologiedebatte ist, ob KI-Modelle mittelfristig austauschbar werden. Das Argument: Die Spitzenmodelle werden immer teurer zu entwickeln, aber die Modelle dahinter werden immer günstiger – weil sie kopiert und nachgebaut werden können.
- China kopiert westliche KI-Modelle und bietet günstige Alternativen an
- Nutzer wählen zunehmend nach Preis statt nach marginalen Qualitätsunterschieden
- Wenn alle Modelle „gut genug” sind, entscheidet der Preis – wie beim Benzin
- Der Wert verschiebt sich von den Modellentwicklern hin zu cleveren Anwendern
- Trotzdem: Große Tech-Konzerne wie Meta oder Google haben weiterhin stabile Werbeeinnahmen als Fundament
Die in die Aktien eingepreisten Billionen-Dollar-Umsatzerwartungen könnten sich als unrealistisch erweisen, wenn KI-Dienste zur Massenware werden. Das ist kein sicheres Szenario – aber ein ernst zu nehmendes Risiko.
Gold, Cash und die Frage der US-Dominanz
Tilbury ergänzt seine Strategie um zwei weitere Elemente: Gold und erhöhte Cashreserven. Beim Gold verweist er auf regulatorische Änderungen (Basel III), die Gold für Banken als vollwertige Tier-1-Reserveanlage einstufen, sowie auf Chinas stark gestiegene Goldkäufe seit 2023. Beides zusammen habe den Goldpreis maßgeblich getrieben.
Warren Buffetts wachsender Cashberg von rund 347 Milliarden US-Dollar wird als weiteres Indiz für Vorsicht gewertet. Allerdings gilt: Cash erzeugt Opportunitätskosten. Wer auf einen Crash wartet und zu früh aussteigt, verpasst möglicherweise erhebliche Kursgewinne.
Besonders interessant ist die historische Perspektive auf die globale Marktkapitalisierung: Großbritannien stellte 1900 noch 24 Prozent des Weltaktienmarkts, heute sind es nur noch 4 Prozent. Deutschland fiel von 13 auf 2 Prozent. Japan erlebte seinen Höhepunkt in den 1980er Jahren. Die US-Dominanz ist historisch also keineswegs selbstverständlich – auch wenn der Vorsprung der USA heute gewaltig ist.
Unterm Strich ist Tilburys Strategie eine „Auf-alles-ein-bisschen”-Lösung: S&P 500 bleibt der Kern, wird aber ergänzt durch Equal Weight, globale Märkte, Small Caps, Gold und Cash. Das ist kein Optimum für ein einzelnes Szenario, aber eine breitere Absicherung gegen verschiedene Risiken. Für Anleger, die ihr Depot auf Konzentration im KI-Bereich überprüfen wollen, liefert der Ansatz jedenfalls sinnvolle Denkanstöße.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

