Dieses Video wurde am 08.04.2026 von t3n Magazin auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt – und mit ihm eine Flut an Werbebotschaften in sozialen Netzwerken. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat diesen Markt systematisch untersucht und dabei massenhaft Werbeversprechen von Influencerinnen und Influencern gefunden, die wissenschaftlich nicht belegt sind und im schlimmsten Fall sogar die Gesundheit gefährden können. Das Alarmierende: Obwohl solche Aussagen nach EU-Recht klar verboten sind, greifen die zuständigen Behörden kaum ein.
Unwissenschaftliche Versprechen auf Knopfdruck
Ein besonders drastisches Beispiel liefert Rebecca Siegmann von Foodwatch: Der Wirkstoff Kreatin – eigentlich bekannt als Supplement im Kraft- und Ausdauersport – wird in sozialen Medien mitunter als Mittel gegen Krebs und Depressionen beworben. Solche Aussagen sind nicht nur wissenschaftlich haltlos, sie können auch realen Schaden anrichten.
Menschen, die solchen Versprechen Glauben schenken, könnten dazu verleitet werden, notwendige medizinische Behandlungen aufzuschieben oder ganz zu vermeiden – in der Hoffnung, ein frei verkäufliches Supplement löse ihr Problem. Die Konsequenzen können gravierend sein.
Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Gesundheitsbezogene Angaben zu Nahrungsergänzungsmitteln sind in der Europäischen Union streng reguliert. Nur Aussagen, die auf einer wissenschaftlichen Grundlage basieren und offiziell zugelassen wurden, dürfen gemacht werden. Was Influencer in ihren Posts und Stories verbreiten, bewegt sich jedoch häufig weit jenseits dieser Grenzen.
Behörden überfordert und ohne Zugang zu Social Media
Wer die Einhaltung dieser Vorschriften kontrollieren soll, stößt schnell an seine Grenzen. Die zuständigen Kontrollbehörden sind nach Einschätzung von Foodwatch mit der Überwachung digitaler Werbekanäle schlicht überfordert. Siegmann berichtet von einem besonders bezeichnenden Vorfall: Auf eine Beschwerde hin bekam sie die Rückmeldung, dass die betreffende Behörde schlichtweg keinen Zugang zu sozialen Medien habe.
Das zeigt, wie groß die strukturelle Lücke zwischen der Realität der digitalen Kommunikation und den Kapazitäten staatlicher Aufsicht tatsächlich ist. Während Millionen von Nutzerinnen und Nutzern täglich mit Supplement-Werbung konfrontiert werden, fehlen den Behörden oft die technischen Mittel, das Personal und die rechtlichen Werkzeuge, um effektiv gegenzusteuern.
Instagram Stories: Das rechtliche Graufeld
Besonders problematisch ist das Format der Instagram Stories. Inhalte, die dort veröffentlicht werden, verschwinden nach 24 Stunden automatisch – und hinterlassen kaum verwertbare Spuren für eine rechtliche Verfolgung. Für Influencer, die Nahrungsergänzungsmittel bewerben, ist das ein praktischer Vorteil: Die Werbebotschaft erreicht zehntausende Follower, ist aber für Behörden kaum dokumentierbar und daher nur schwer zu ahnden.
Die wichtigsten Probleme im Überblick:
- Gesundheitsversprechen ohne wissenschaftliche Grundlage werden millionenfach verbreitet
- Behörden haben keinen ausreichenden Zugang zu digitalen Plattformen
- Flüchtige Formate wie Instagram Stories entziehen sich der Kontrolle
- Verbraucherinnen und Verbraucher können durch falsche Heilsversprechen von echter Behandlung abgehalten werden
- Inhaltsstoffe in Supplements unterliegen keiner strengen Zulassungspflicht wie Arzneimittel
Was Foodwatch jetzt fordert
Foodwatch drängt auf eine konsequentere Regulierung von Supplement-Werbung in sozialen Medien. Konkret geht es darum, die bestehenden EU-Vorschriften endlich auch im digitalen Raum wirksam durchzusetzen. Dafür brauchen Behörden bessere technische Ausstattung, geschultes Personal und klare Zuständigkeiten im Umgang mit Online-Plattformen.
Darüber hinaus steht die Frage im Raum, ob die Plattformen selbst stärker in die Pflicht genommen werden müssen – etwa durch automatisierte Erkennungssysteme für unzulässige Gesundheitsversprechen oder durch strengere Werberichtlinien für den Bereich Nahrungsergänzung.
Der Supplement-Markt wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Ohne entschlossenes Handeln von Gesetzgebern, Behörden und Plattformbetreibern dürfte die Grauzone, in der sich ein Großteil des Influencer-Marketings im Bereich Supplements bewegt, noch größer werden – auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

