Dieses Video wurde am 10.04.2026 von WirtschaftsWoche auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Clarity Act ist derzeit das meistdiskutierte Gesetzesvorhaben im US-amerikanischen Kryptomarkt. Während zwei der drei großen Krypto-Regulierungsvorhaben der Trump-Regierung – die Bitcoin Reserve und der Genius Act zur Regulierung von Stablecoins – bereits umgesetzt wurden, hängt der Clarity Act weiterhin in der Warteschleife. Dabei könnte er die Spielregeln für den gesamten Altcoin-Markt grundlegend verändern und erstmals echten institutionellen Kapitalzufluss ermöglichen.
Was der Clarity Act regelt und warum er so wichtig ist
Im Kern beantwortet der Clarity Act eine scheinbar technische, aber weitreichende Frage: Welche Behörde ist für die Regulierung von Altcoins zuständig – die Wertpapieraufsicht SEC oder die Rohstoffaufsicht CFTC?
Die Unterscheidung hat massive Folgen für die Branche. Die SEC gilt als deutlich strengere Behörde und hat unter dem früheren Vorsitzenden Gary Gensler den Kryptomarkt aktiv bekämpft. Die CFTC hingegen ist im Umgang mit digitalen Assets deutlich offener. Welche Behörde die Zuständigkeit erhält, entscheidet darüber, wie investierbar Altcoins für institutionelle Anleger künftig sein werden.
Exemplarisch zeigt der Fall Ripple (XRP), welche Macht eine Behördenentscheidung hat: Als die SEC den Token als nicht zugelassenes Wertpapier einstufte, brach der Kurs massiv ein und erholte sich erst Jahre später – zeitgleich mit dem politischen Klimawechsel unter Trump und der Ernennung des kryptofreundlicheren SEC-Chefs Paul Atkins.
Institutionelle Investoren warten auf grünes Licht
Für institutionelle Anleger wie Vermögensverwalter und Fonds ist die Rechtslage entscheidend. Viele gut etablierte Altcoin-Projekte mit echtem Geschäftsbetrieb sind für diese Investorengruppe aktuell schlicht nicht investierbar – weil die regulatorische Grundlage fehlt.
Mit dem Clarity Act würde sich das schlagartig ändern. Als Vergleich dient der erfolgreiche Launch der Bitcoin-ETFs im Januar 2024: Institutionelle Anleger, die seitdem Erfahrungen mit Bitcoin- und Ethereum-ETFs gesammelt haben, warten bereits auf Möglichkeiten zur weiteren Diversifikation.
- Altcoins wie Solana, Chainlink und Ethereum-basierte Projekte könnten direkt profitieren
- Typische Allokationen könnten 2–3 % Bitcoin und den Rest in Altcoins aufteilen
- Ähnlich erfolgreiche ETF-Launches wie bei Bitcoin sind im Altcoin-Segment denkbar
- Langfristig würde das Gesetz das Vertrauen in die gesamte Assetklasse stärken
Für Bitcoin selbst dürfte der direkte Effekt geringer ausfallen, da dort ETFs bereits zugelassen sind. Indirekt profitiert jedoch auch Bitcoin, wenn der Gesamtmarkt durch neue institutionelle Zuflüsse an Fahrt gewinnt.
Blockierer: Bankenlobby und Parteistreit verzögern das Gesetz
Trotz breiter Unterstützung innerhalb der Kryptobranche stockt der Gesetzgebungsprozess seit Monaten. Ein zentraler Konfliktpunkt ist die Frage, ob Stablecoin-Anbieter künftig Zinsen auf ihre Token zahlen dürfen. Für Nutzer wäre das attraktiv – für Banken eine direkte Bedrohung ihres Einlagengeschäfts.
Die Bankenlobby sieht in marktnahen Zinszahlungen auf Stablecoins ein reales Risiko: Geld, das bisher unverzinst auf Bankkonten liegt, könnte massenhaft in digitale Wallets abwandern. Auch innerparteiliche Spannungen bei den Republikanern sowie die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Demokraten haben den Prozess verlangsamt.
Hinzu kommt: Branchenriesen wie der Coinbase-CEO haben eigene Interessen in das Verfahren eingebracht, was zu weiteren Verzögerungen führte. Trotzdem haben SEC und CFTC intern bereits mehrere gemeinsame Positionspapiere veröffentlicht – die Behörden selbst scheinen sich einig zu sein. Politisch fehlt noch der finale Schritt.
Zeitdruck durch Zwischenwahlen wächst
Der politische Kalender erhöht den Druck. Die US-Zwischenwahlen im November 2025 rücken näher, und erfahrungsgemäß werden Gesetzgebungsvorhaben in Wahlkampfzeiten kaum noch vorangetrieben. Alles, was in die Sommerpause fällt, dürfte liegen bleiben.
Republikanische Senatorin Cynthia Lummis, eine der stärksten Krypto-Befürworterinnen im US-Kongress, zeigt sich optimistisch und spricht von 99 % Zustimmungswahrscheinlichkeit. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht: Käme die Unterzeichnung in einer Phase geopolitischer Eskalation – etwa durch eine Verschärfung der Lage im Nahen Osten –, würde der Marktimpuls deutlich schwächer ausfallen.
Mittel- und langfristig gilt der Clarity Act dennoch als echter Gamechanger: Er öffnet die Tore für institutionelles Kapital, schafft Rechtssicherheit für bestehende Projekte und signalisiert, dass die USA den Kryptomarkt als ernstzunehmenden Bestandteil des Finanzsystems anerkennen. Das Zeitfenster für eine Verabschiedung noch in diesem Jahr ist eng – aber noch offen.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

