Dieses Video wurde am 28.04.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein Landstrich an der Donau, rund 75 Fußballfelder groß, zwischen Kroatien und Serbien: Hier hat der Australier Daniel Jackson im Jahr 2023 die Freie Republik Werdes ausgerufen. Mit gerade einmal 21 Jahren führt Jackson seinen selbst gegründeten Zwergstaat – allerdings aus dem Exil in Großbritannien, denn die Einreise nach Kroatien ist ihm dauerhaft verboten. Rund 400 Menschen haben mittlerweile die wärdische Staatsbürgerschaft beantragt. Was wie eine romantische Utopie klingt, stößt in der Realität schnell an völkerrechtliche Grenzen.
Idee eines neutralen Staates als humanitärer Knotenpunkt
Daniel Jackson träumte bereits mit 14 Jahren davon, einen eigenen Staat zu gründen. Mit 18 Jahren machte er Ernst: Gemeinsam mit Freunden, von denen viele in der humanitären Hilfe für die Ukraine aktiv waren, suchte er nach einem sogenannten Niemandsland – einem Gebiet, das von keinem Staat beansprucht wird.
Fündig wurden sie an der Donau, wo der ungelöste Grenzstreit zwischen Kroatien und Serbien kleine Gebiete entstehen lässt, die keiner der beiden Seiten vollständig zugeordnet sind. Ziel war es, einen neutralen Staat zu schaffen, der als Knotenpunkt für NGOs und internationale Vermittler dient – größer gedacht als bloße Nothilfe für ein einzelnes Land.
Die Flagge der neuen Republik orientiert sich an der Flagge der kroatischen Stadt Vukovar: Blau-Weiß-Blau, wobei das untere Blau für die Donau steht, das Weiß für Frieden und Einheit, das obere Blau für den klaren Himmel. Als Staatswappen wählte man den Weißstorch, einen in der Region heimischen Vogel, der für Widerstandsfähigkeit und Frieden steht.
Kroatische Behörden zerstören die Siedlung
Im Oktober 2023 begannen Jackson und seine Mitstreiter, am Donaufer eine Siedlung zu errichten. Der Traum endete abrupt: Wenige Tage nach dem Aufbau rückte die kroatische Polizei an, verhaftete alle Siedler und zerstörte die Anlage.
Die Folgen waren einschneidend:
- Die meisten Siedler erhielten ein dreimonatiges Einreiseverbot für Kroatien.
- Daniel Jackson wurde mit einem dauerhaften Einreiseverbot belegt.
- Auch von serbischer Seite wurde er durch kroatische Behörden verjagt.
- Eine eigene Siedlung auf dem beanspruchten Gebiet ist seither unmöglich.
Das kroatische Innenministerium stellte klar: Werdes sei kein herrenloses Gebiet, sondern Teil eines ungelösten Grenzstreits und stehe daher nicht zur freien Besetzung offen.
Der Grenzstreit zwischen Kroatien und Serbien
Der Grund für die komplizierte Lage liegt in der Geschichte: Beide Länder gehörten einst zu Jugoslawien, das in den 1990er-Jahren zerfiel. Die gemeinsame Grenze ist 217 Kilometer lang, davon verlaufen 137 Kilometer durch die Donau. Genau dieser Flussabschnitt ist bis heute nicht eindeutig demarkiert.
Das Konzept des Niemandslandes existiert im Völkerrecht nicht. Ein souveräner Staat benötigt ein anerkanntes Territorium, ein Staatsvolk und eine Staatsgewalt – sowie die Anerkennung durch andere Staaten. All das fehlt Werdes. Serbien zeigt sich zwar weniger aggressiv als Kroatien, doch auch Belgrad erkennt die Mikronation nicht an.
400 Staatsbürger und Pläne für die Zukunft
Trotz aller Rückschläge gibt Daniel Jackson seinen Traum nicht auf. Die Übergangsregierung unter seiner Führung arbeitet an einer Verfassung, plant Wahlen und will bald eine Vertretung in der Europäischen Union eröffnen. Büros in Serbien und Großbritannien wurden bereits eingerichtet.
Wer Staatsbürger von Werdes werden möchte, kann sich online registrieren. Voraussetzungen sind:
- Ein einwandfreies Führungszeugnis
- Das Bestehen eines Eignungstests
- Kenntnisse in einer der drei Amtssprachen: Englisch, Kroatisch oder Serbisch
Langfristig sollen wärdische Pässe praktischen Nutzen erlangen, und Unternehmen sollen sich digital in Werdes registrieren können. Jackson verweist dabei auf ein prominentes Vorbild: Liberland, 2015 ebenfalls an der Donau gegründet vom tschechischen Aktivisten Vít Jedlička – 14 Mal größer als Werdes, aber ebenso wenig international anerkannt.
Die Chancen, dass Werdes jemals ein vollwertiger Staat wird, gelten als verschwindend gering. Doch das Projekt zeigt, wie ungeklärte Grenzverläufe und völkerrechtliche Graubereiche immer wieder Raum für politische Experimente bieten – und wie schnell solche Träume an der staatlichen Realität scheitern.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

