Dieses Video wurde am 30.04.2026 von ARTEde auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein einsames Tier in der Wüstennacht, eine verlassene Diamantenmine im Hintergrund: Das Siegerfoto des Wildlife Photographer of the Year 2025 zeigt eine Schabrackenhyäne vor der Geisterstadt Kolmanskuppe im Süden Namibias. Das Bild des Fotografen Wim van den Heever setzte sich gegen 60.636 Einsendungen aus 113 Ländern durch – Rekord in der 60-jährigen Geschichte des Wettbewerbs. Dahinter stecken zehn Jahre Geduld, präzise Technik und eine tiefere Botschaft über den Zustand unserer Natur.
Die Geisterstadt Kolmanskuppe als Kulisse
Das kleine Dorf Kolmanskuppe in der namibischen Wüste war bis in die 1960er Jahre eine wohlhabende Siedlung, deren Reichtum auf Diamantenminen gründete. Als die Vorkommen erschöpft waren, verließen die Menschen den Ort – und die Natur kehrte zurück. Verwittertes Holz, zerschlagene Fensterscheiben und vom Geröll überwucherte Eingänge prägen heute das Bild der verlassenen Gebäude.
Genau in dieser Kulisse gelang van den Heever seine historische Aufnahme. Die Schabrackenhyäne steht reglos auf felsigem Untergrund, die Ohren aufgestellt, eine Vorderpfote angehoben – sichtlich überrascht. Links leuchtet ein imposantes altes Gebäude in warmem Gelbton, dessen Wirkung durch die Froschperspektive noch verstärkt wird. Die Komposition erzählt von Vergänglichkeit, Rückkehr der Wildnis und dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier.
Zehn Jahre Arbeit für ein einziges Foto
Van den Heever besuchte Kolmanskuppe über ein Jahrzehnt hinweg regelmäßig. Schnell wurde ihm klar, dass Schabrackenhyänen äußerst scheu sind: Sie wittern und hören den Menschen und nähern sich bewohnten oder ehemals besiedelten Orten kaum. Klassische Tierfotografie mit Teleobjektiv schied daher aus – nur eine Fotofalle kam infrage.
Der Fotograf platzierte eine Nikon D810 auf einem Bodenstativ, eineinhalb Meter vom erwarteten Pfad des Tieres entfernt, ergänzt durch zwei SB800-Blitze und einen Fernauslöser. Das Ziel war eine ausgewogene Komposition: Die Hyäne sollte von rechts ins Bild kommen, das Haus prominent im Hintergrund bleiben.
- Erste Aufnahme der Nacht: leer
- Zweite Aufnahme: ebenfalls leer
- Dritte Aufnahme: das Traumbild – perfekt komponiert, scharf, stimmungsvoll
Das Ergebnis brachte van den Heever 10.000 Pfund Preisgeld, eine Nachbildung der Hyäne sowie internationale Aufmerksamkeit in Mainstream-Medien, Fachzeitschriften und sozialen Netzwerken.
Kritik an der Fotofalle – und die Antwort darauf
Nicht alle Reaktionen waren positiv. Einzelne Stimmen bemängelten, eine Fotofalle sei ein zu einfaches Mittel – man stelle die Kamera auf und warte im Bett auf das Tier. Van den Heever widerspricht klar: „Von allen meinen Arbeitsmethoden war die Fotofalle bisher die schwierigste.” Planung, Standortwahl, Kenntnisse über Tierpfade und exakte Kalkulation der Lichtverhältnisse seien unerlässlich. Der Fotograf arbeitet daneben mit Drohnen, Unterwasserkameras, Makroobjektiven und Teleobjektiven – und gibt sein Wissen auf Fotosafaris weltweit weiter.
Im Oktober 2025 reagierte der Wettbewerb auf Diskussionen um ethische Standards: Baiting – der Einsatz von Ködern, um Tiere vor die Kamera zu locken – wurde künftig streng verboten. Die Regel unterstreicht den Anspruch des Natural History Museum London, das den Wettbewerb seit 1965 ausrichtet, auf authentische Wildtieraufnahmen.
Naturfotografie als Spiegel des Umweltbewusstseins
Der Boom der Wildtierfotografie ist kein Zufall. Mit der Öffnung großer Tierreservate für den Tourismus in den 1930er Jahren und der Entkolonialisierung in den 1960ern wuchs das Interesse stetig. Sinkende Ausrüstungskosten, technischer Fortschritt und die Reichweite sozialer Netzwerke haben die Disziplin in den vergangenen Jahrzehnten weiter demokratisiert.
Experten sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der Popularität der Naturfotografie und dem gestiegenen Umweltbewusstsein der Öffentlichkeit. Themen wie Artenschutz und Biodiversität, die im 19. Jahrhundert kaum eine Rolle spielten, sind heute zentral – und spiegeln sich in der wachsenden thematischen Bandbreite von Wettbewerben wie dem Wildlife Photographer of the Year wider. Inzwischen werden nicht nur Säugetiere, sondern auch Insekten, Pflanzen und Gesteine als Motive prämiert.
Die Schabrackenhyäne, deren weltweite Population auf weniger als 100.000 Tiere geschätzt wird und die damit als beinahe bedroht gilt, steht exemplarisch für diese Entwicklung: Ein seltenes Tier, ein vergessener Ort, ein Foto – und plötzlich interessiert sich die Welt für beides. Der Wildlife Photographer of the Year zeigt, wie Bilder Bewusstsein schaffen können, wo Worte allein oft nicht ausreichen.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

