Dieses Video wurde am 08.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Acht griechische Unternehmen werden am 21. September in den Stoxx Europe 600 aufgenommen – und das schafft für Anleger eine ungewöhnliche Konstellation. Der Griechenland ETF von Amundi hat in diesem Jahr bereits rund 33 Prozent zugelegt. Gleichzeitig bleibt das Land bis Mai des kommenden Jahres in den MSCI-Schwellenländerindizes gelistet. Analysten sprechen von einem sogenannten Sweet Spot: acht Monate, in denen griechische Aktien Aufmerksamkeit aus zwei Anlagewelten auf sich ziehen.
Griechenlands Comeback an der Börse
Wer sich an die griechische Schuldenkrise erinnert, reibt sich heute die Augen. Stand das Land 2011 noch kurz vor dem Staatsbankrott, wächst seine Wirtschaft inzwischen stärker als der Eurozonendurchschnitt. Die Schuldenquote sank von 209 Prozent des BIP im Jahr 2020 auf rund 146 Prozent – ein deutlicher Rückgang, auch wenn das Vorkrisenniveau des Bruttoinlandsprodukts noch nicht vollständig erreicht ist.
Griechenland hat seinen Investment-Grade-Status zurückgewonnen und zahlt zeitweise sogar niedrigere Zinsen als Frankreich. Der Athener Leitindex ATHEX hat sich in drei Jahren mehr als verdoppelt, liegt mit rund 2.700 Punkten aber noch weit unter seinem Höchststand von über 5.000 Punkten aus dem Jahr 2007.
Der Sweet Spot: Stoxx-Aufnahme trifft Schwellenländerstatus
Das besondere Timing der Stoxx-600-Aufnahme erzeugt einen Sondereffekt, der an den Märkten selten zu beobachten ist. Für etwa acht Monate sind griechische Aktien gleichzeitig in europäischen Standardindizes und in MSCI-Schwellenländerindizes vertreten.
Das bedeutet: Paneuropäische institutionelle Investoren, die den Stoxx Europe 600 nachbilden, müssen die Titel kaufen – ohne dass die bisherige Schwellenländernachfrage sofort wegfällt. JP Morgan erwartet dadurch Mittelzuflüsse von rund einer Milliarde Euro. Gemessen an der gemeinsamen Marktkapitalisierung der acht Aufsteiger von etwa 66 Milliarden Euro ist das ein spürbarer Nachfrageimpuls.
Die acht Aufsteiger im Überblick
Die neu aufgenommenen Unternehmen stammen aus unterschiedlichen Sektoren. Auffällig ist der hohe Bankanteil – vier der acht Werte sind Finanzinstitute:
- National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus Bank, Alpha Bank – Wetten auf sinkende Kreditrisiken und die weitere wirtschaftliche Normalisierung
- Public Power Corporation – der wichtigste börsennotierte Versorger des Landes
- Metlen Energy & Metals – Energie- und Metallkonzern
- GEK Terna – aktiv in Infrastruktur und Bau
- Motor Oil Hellas – Raffinerie- und Energietitel
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Amundi MSCI Greece ETF als bequeme Alternative
Wer nicht in Einzelwerte investieren möchte, kann auf den Amundi MSCI Greece ETF zurückgreifen. Das Fondsvolumen liegt bei rund 463 Millionen Euro. Die bisherige Performance ist bemerkenswert: In diesem Jahr legte der ETF rund 33 Prozent zu, über drei Jahre sogar knapp 138 Prozent.
Bemerkenswert ist auch die Zusammensetzung: Der ETF enthält ausdrücklich Coca-Cola HBC, den in Griechenland ansässigen Großabfüller, obwohl dessen Aktie primär in London gehandelt wird. Eine 35-Prozent-Regel begrenzt die Dominanz einzelner Schwergewichte – kein Titel darf mehr als 35 Prozent, jede weitere Position nicht mehr als 20 Prozent des Portfolios ausmachen.
Klar ist: Ein vollständig unentdeckter Turnaround ist Griechenland nicht mehr. Ein großer Teil der Erholung liegt bereits hinter uns. Doch die Stoxx-Aufnahme schafft einen zeitlich begrenzten Sondereffekt, der in dieser Form kaum wiederkehrt. Für Anleger, die auf eine Fortsetzung der Erholung setzen wollen, bietet das Zeitfenster bis Mai 2026 eine strukturell begründete Einstiegschance.
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