Hochwasser in Europa: Leben mit der Flut

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Dieses Video wurde am 03.05.2026 von DER SPIEGEL auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Hochwasser und Sturmfluten treffen Europa immer häufiger und mit größerer Zerstörungskraft. Ob an der Hamburger Elbe, der Ostseeküste Schleswig-Holsteins oder in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen – Gemeinden, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger müssen sich zunehmend auf ein Leben mit der Flut einrichten. Welche Strategien funktionieren, welche Schäden bleiben und was der Klimawandel mit der Häufigkeit extremer Wetterereignisse zu tun hat, zeigt ein Blick auf drei sehr unterschiedliche Schauplätze.

Hamburger Elbstrand: Hochwasserschutz als Routine

Das Ausflugslokal Strandperle am Hamburger Elbstrand ist mehrmals im Jahr mit Hochwasser konfrontiert. Wenn der Pegel der Elbe auf über neun Meter steigt, steht der gesamte Außenbereich des Lokals unter Wasser. Manager Kevin Last ist seit sechs Jahren vor Ort und hat das Räumungskommando bereits rund 15 Mal angeführt.

Das Team baut dann innerhalb eines Tages die gesamte Außeneinrichtung ab: Heizstrahler, Windschutzwände, Möbel und elektrische Geräte werden gesichert. Massive Stahltüren mit Dichtungen schützen Küche und Lagerräume. Dicke Flutmauern sollen verhindern, dass das Wasser in den Innenbereich dringt.

Die Deutsche Bucht zählt laut dem Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie zu den am stärksten von Sturmfluten betroffenen Gebieten der Welt. Durch die Trichterform der Elbmündung drückt sich Hochwasser von der Nordsee mehr als 100 Kilometer weit bis nach Hamburg. Die Stadt investiert deshalb über einen Zeitraum von 30 Jahren mehr als 500 Millionen Euro in den Ausbau von Deichen und Küstenschutzanlagen. Nach dem Hochwasser zeigt sich: Die Strandperle trotzte der Flut mit nur minimalen Schäden.

Sturmflut 2023 an der Ostseeküste: Schäden und Wiederaufbau

Eine ungewöhnliche Wetterlage mit östlicher Windrichtung drückte im Herbst 2023 das Wasser mehr als zwei Meter höher als normal an die Ostseeküste – eine sogenannte Jahrhundertflut mit bis dahin kaum gekannter Zerstörungskraft. Deiche brachen, Häfen wurden zerstört, ganze Küstenabschnitte überflutet.

Wasserbauingenieur Philip Zülzdorf und sein Unternehmen Watter Kant sind seitdem mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Allein an der Schleimündung bei Damp wurde die Deichanlage auf mehr als einem Kilometer komplett weggespült. Der Wiederaufbau folgt einem mehrschichtigen Prinzip:

  • Eine wasserdichte Bodenschicht aus bindigem Material bildet den Kern des Deiches.
  • Darüber liegt ein Geotextil-Flies als Schutz vor Erosion.
  • Eine Schicht kleiner Steine sorgt für zusätzliche Stabilität.
  • Massive Decksteine – teilweise über vier Tonnen schwer – bilden den äußeren Schutzwall.
  • Da es in Schleswig-Holstein kaum Steinbrüche gibt, wird das Material aus Norwegen importiert.

Auf der Lotzeninsel an der Schleimündung engagieren sich Schülerinnen und Schüler der Ostseeschule beim Wiederaufbau der schwer beschädigten Anlage. Stiftungsleiter Jens Amsdorf räumt ein, dass er die Gefährdung der Landzunge ursprünglich unterschätzt hatte: „2050 wäre so ein zunächst angenommener Zeitpunkt – wir sind der Meinung, 2050 ist jetzt.”

Der Meeresspiegel steigt nach aktuellen Erkenntnissen um rund 0,6 Zentimeter pro Jahr – und der Anstieg beschleunigt sich exponentiell. Für Küstenregionen bedeutet das: Was einst als seltenes Extremereignis galt, könnte künftig zur Normalität werden.

Kopenhagen als Vorbild: Die Schwammstadt-Strategie

Ein heftiger Wolkenbruch im Jahr 2011 überflutete Kopenhagens Straßen bis zu einem Meter hoch. Innerhalb kürzester Zeit fiel rund 20 Prozent der jährlichen Regenmenge – der als „Regensturm des Jahrtausends” bezeichnete Schaden belief sich auf rund eine Milliarde Euro. Fast alle Keller der Stadt wurden überflutet, viele Geschäfte öffneten danach nie wieder.

Seitdem verfolgt Kopenhagen konsequent das Konzept der Schwammstadt: Parks, Spielplätze und öffentliche Räume werden so umgestaltet, dass sie bei Starkregen als temporäre Wasserspeicher fungieren. Klimaanpassungsdirektor Jan Rasmussen leitet das Projekt. Ein umgestalteter Park kann etwa 22.000 Kubikmeter Regenwasser aufnehmen; ein weiteres Becken fasst 3.000 Kubikmeter.

Hunderte Stauseen, Dämme und Tunnel sind miteinander vernetzt – ober- und unterirdisch. Die Gesamtkosten des Schwammstadtprogramms werden auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt. Entscheidend für den Erfolg ist dabei die Einbeziehung der Bevölkerung: Die Anlagen sollen wie Parks wirken, nicht wie Regenrückhaltebecken.

Kopenhagens Ansatz gilt weltweit als vorbildlich. Eine polnische Delegation der Wasserwirtschaftskammer besuchte die Stadt, um Konzepte für die eigene Hochwasservorsorge zu übernehmen – nach schweren Überschwemmungen in Polen im Jahr 2024 ist der Handlungsdruck auch dort gestiegen.

Ausblick: Klimaanpassung als gesamteuropäische Aufgabe

Die Beispiele aus Hamburg, der Ostseeküste und Kopenhagen zeigen: Hochwasserschutz ist keine einmalige Baumaßnahme, sondern eine dauerhafte gesellschaftliche Aufgabe. Kritische Wetterereignisse häufen sich europaweit – sowohl Sturmfluten an den Küsten als auch urbane Überflutungen durch Starkregen. Gemeinden, die frühzeitig und systematisch in Schutzmaßnahmen investieren, kommen glimpflicher davon. Diejenigen, die zögern, riskieren Schäden, die weit über die Kosten vorausschauender Investitionen hinausgehen. Mit steigendem Meeresspiegel und zunehmendem Extremwetter wird die Fähigkeit, mit der Flut zu leben, für immer mehr Regionen in Europa zur entscheidenden Frage.

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