Dieses Video wurde am 07.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Russland AfD-Erfolg bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt hat in Moskau unverhohlen positive Reaktionen ausgelöst. Hochrangige Kreml-nahe Stimmen feiern das Ergebnis als Schwächung der deutschen Bundesregierung und als Signal für einen möglichen Kurswechsel der Berliner Politik gegenüber Russland. Gleichzeitig hat Außenminister Sergej Lawrow die Rhetorik gegenüber Deutschland auf ein neues Eskalationsniveau gehoben.
Dmitriev demütigt Merz – und deutet Rücktritt an
Kirill Dmitriev, Sonderbeauftragter des russischen Präsidenten für die USA, ist eine der einflussreichsten Figuren in Moskaus Außenpolitik. Er war am Wochenende an Gesprächen mit amerikanischen Vertretern beteiligt und gilt als direktes Sprachrohr des Kremls.
Dmitriev bezeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem Wahlergebnis öffentlich als „gedemütigt” und zog einen pikanten Vergleich: Merz sei „zum Starmer geworden” – eine Anspielung auf den ehemaligen britischen Premierminister Keir Starmer, der Anfang des Jahres von seiner eigenen Partei zum Rücktritt gedrängt worden war. Damit deutet Dmitriev implizit an, auch Merz könne sich einem ähnlichen Schicksal nähern.
Solche Aussagen aus dem direkten Umfeld des Kremls sind kein Zufall, sondern Teil einer gezielten Informationsstrategie, die innenpolitische Verwerfungen in Deutschland für russische Zwecke instrumentalisiert.
Russische Medien: Ostdeutsche wollen Allianz mit Russland
Neben Dmitrievs Kommentaren verbreiteten russische Staatsmedien und kremlnahe Kommentatoren eine weitere Deutung des Wahlergebnisses: Eine Mehrheit der Ostdeutschen habe sich angeblich für eine engere Allianz mit Russland ausgesprochen. Diese Lesart ist politisch konstruiert, spiegelt aber wider, wie Moskau die Wahlergebnisse propagandistisch nutzt.
Dmitriev legte zudem nach und erklärte, die AfD bringe Deutschland und die gesamte EU „auf den richtigen Kurs zurück”, indem sie den seiner Meinung nach „migrationsfreundlichen und kriegstreibenden Kurs” der bisherigen Regierung beende. Die Aussagen zeigen deutlich:
- Russland setzt strategisch auf einen politischen Aufstieg der AfD in Deutschland.
- Kreml-nahe Stimmen interpretieren den AfD-Erfolg als Legitimitätsverlust für Merz.
- Moskau versucht, ostdeutsche Wählerstimmen als pro-russisches Signal umzudeuten.
- Die russische Propaganda verknüpft Migrationspolitik und Ukraine-Kurs gezielt miteinander.
Lawrow: Deutschland habe Russland den Krieg erklärt
Parallel zu den Reaktionen auf die Landtagswahl hat Außenminister Sergej Lawrow seinen Ton gegenüber Deutschland drastisch verschärft. Seine Aussage, Deutschland habe Russland „faktisch den Krieg erklärt“, stellt eine neue Qualität in der russischen Rhetorik dar.
Zwar ist aus Moskau seit Längerem die Erzählung zu hören, der Westen befinde sich im Krieg mit Russland – doch das explizite Wort „Kriegserklärung” in Bezug auf ein einzelnes Land ist neu. Beobachter werten dies als Teil einer gezielten Konfrontationsstrategie des Kremls gegenüber der EU und der Ukraine.
Belegt wird diese Einschätzung nicht nur durch Lawrows Wortwahl, sondern auch durch die militärische Realität: Der verstärkte russische Luftkrieg gegen die Ukraine zeigt, dass die Eskalation über die verbale Ebene hinausgeht.
Einordnung: Moskau auf Konfrontationskurs
Die Kombination aus innenpolitischer Einmischung – durch das Befeuern von AfD-Narrativen und das öffentliche Angreifen von Merz – und außenpolitischer Drohgebärde durch Lawrow zeichnet ein klares Bild: Russland fährt gegenüber Deutschland und der EU einen umfassenden Konfrontationskurs. Ob verbal, propagandistisch oder militärisch – die Signale aus Moskau zeigen eine Verschärfung auf allen Ebenen. Für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik bedeutet das, dass der Druck aus dem Osten in den kommenden Monaten weiter zunehmen dürfte.
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