Dieses Video wurde am 24.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
AfD-Bundessprecherin Alice Weidel hat im ZDF-Sommerinterview für Aufsehen gesorgt: Die Oppositionsführerin bezeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil gleich zweimal als „Flachzangen” – ein Begriff, der laut Duden abwertend jemanden beschreibt, dessen Kenntnisse oder Fähigkeiten für eine gestellte Aufgabe unzureichend sind. Moderator Wolf Schmiese vom ZDF wies den Begriff als respektlos zurück, woraufhin Weidel ihn bewusst wiederholte und damit eine breite Debatte über politische Rhetorik und Interviewführung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auslöste.
Weidel verteidigt Flachzangen-Vorwurf gegen die Bundesregierung
Im Gespräch mit ZDF-Journalist Wolf Schmiese erklärte Weidel, sie habe „die Nase voll” davon, von der Regierung angelogen zu werden. Sie warf Merz und Klingbeil vor, Versprechungen zu machen und das genaue Gegenteil umzusetzen. „Entweder sie können es nicht oder es ist Vorsatz”, sagte Weidel – und ließ keinen Zweifel daran, dass sie Ersteres für wahrscheinlicher hält.
Schmiese unterbrach Weidel mehrfach und hielt ihr vor, dass der Begriff für viele Menschen respektlos wirke. Weidel konterte, sie finde das Verhalten der Regierung gegenüber dem Land weitaus problematischer als ein einzelnes Wort. Den Vorwurf der Respektlosigkeit wies sie zurück und verwies darauf, dass sie und ihre Fraktion im Bundestag regelmäßig weit schärfer angegangen würden.
Innerparteilicher Streit: „Alice Merkel”-Affäre in der AfD NRW
Schmiese konfrontierte Weidel auch mit einem innerparteilichen Ordnungsverfahren: Ein einfacher AfD-Landtagsabgeordneter aus NRW namens Christian Loser hatte Weidel öffentlich als „Alice Merkel” bezeichnet. Der Antrag im Parteiordnungsverfahren spricht von einem „Angriff auf die persönliche Ehre der Bundessprecherin”.
Weidel reagierte gelassen und erklärte, sie sei „richtig fröhlich” und das Verfahren interessiere sie kaum. Wichtiger seien den Menschen im Land sichere Straßen, sichere Arbeitsplätze und bezahlbare Renten. Die Ironie, dass diejenige, die andere als Flachzangen bezeichnet, ein Ordnungsverfahren wegen eines Spitznamens anstrengt, blieb im Gespräch nicht unbemerkt.
Fragwürdige Interviewfragen: China-Autos und Malermeister-Hitze
Neben dem Flachzangen-Streit sorgten zwei Interviewfragen aus den Sommerinterviews für Diskussionen:
- Schmiese fragte Weidel, wie sie als Kanzlerin dafür sorgen wolle, dass der Verbrennungsmotor wieder ein Verkaufserfolg in China werde.
- Im ARD-Sommerinterview wurde AfD-Co-Chef Tino Chrupalla, von Beruf Malermeister, gefragt, wie Handwerker bei über 30 Grad noch Farbe auftragen könnten – als implizite Kritik an der Klimapolitik der AfD.
- Weidel antwortete mit dem Verweis auf Markt- und Technologieoffenheit als wirtschaftspolitisches Grundrezept der AfD.
- Chrupalla verwies auf südeuropäische Länder wie Italien und Spanien, wo Handwerker seit Jahrzehnten mit Hitze umgingen, indem sie ihre Arbeitszeiten anpassen.
Kritiker bemängelten, beide Fragen seien konstruiert und zielten darauf ab, die AfD wirtschaftspolitisch in die Defensive zu drängen, ohne die eigentlich relevanten Schwachstellen des Parteiprogramms anzusprechen.
AfD auf Siegeskurs? Weidels selbstbewusste Machtansage
Auffällig war das ausgeprägte Selbstbewusstsein, mit dem Weidel die politische Zukunft der AfD beschrieb. Sie erklärte mehrfach, die AfD befinde sich auf der „Siegerstraße”: In Sachsen-Anhalt werde man die Regierung stellen, in weiteren Bundesländern folgen – und die CDU werde „niemals wieder eine Bundestagswahl gewinnen”.
Diese Rhetorik markiert eine neue Phase im Auftreten der AfD: Nicht mehr bloße Oppositionspartei, sondern selbstbewusste Regierungsanwärterin. Politisch bedeutsam ist dabei, dass die Kritik an der AfD in der medialen Debatte offenbar eine neue Stufe erreicht hat: Statt des Vorwurfs des Rechtsextremismus – dessen rechtliche Grundlage durch das laufende Verfassungsschutz-Verfahren ins Wanken geraten ist – rückt nun der Vorwurf in den Vordergrund, die Partei könne ihre Versprechen im Regierungsfall nicht einhalten. Ob diese argumentative Verschiebung geeignet ist, den Aufstieg der AfD in den Umfragen zu stoppen, wird sich spätestens bei den nächsten Landtagswahlen zeigen.
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