Dieses Video wurde am 28.04.2026 von Weltspiegel auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
In einem kleinen Dorf nahe der nordthailändischen Millionenstadt Chiang Mai leben rund zehn demenzkranke Seniorinnen und Senioren aus Deutschland und der Schweiz – mitten unter einheimischen Nachbarn, betreut rund um die Uhr, weit entfernt von ihrer Heimat. Das Demenzdorf Thailand, gegründet vom Schweizer Martin Wundli, wirft eine grundlegende Frage auf: Ist das verantwortungsvolles Pflegen – oder das Abschieben kranker Eltern ans andere Ende der Welt?
Ein Schweizer gründet ein Demenzdorf in Chiang Mai
Vor über 20 Jahren wanderte Martin Wundli mit seiner demenzkranken Mutter nach Thailand aus. Aus dieser persönlichen Erfahrung entstand ein ganzes Wohnprojekt: acht Häuser, verteilt in einem Dorf nahe Chiang Mai, bewohnt von demenzkranken Gästen – so nennt Wundli sie bewusst.
Für je zehn Bewohnerinnen und Bewohner beschäftigt er 30 ausgebildete Pflegekräfte, die sich in Schichten abwechseln. Nachts legen einige Betreuerinnen eine Matratze neben das Bett ihrer Schutzbefohlenen – in Thailand eine ganz normale Praxis. Die Vollbetreuung kostet 3.300 Euro pro Monat, deutlich weniger als vergleichbare Heimplätze in Westeuropa.
Kern des Konzepts ist bewusste Vertrautheit: ein nachgebautes Logo eines Schweizer Supermarkts, europäische Lebensmittel, Tomatensauce und Basilikum aus der Küche – all das soll Erinnerungen wecken, die auch bei Demenz tief verankert bleiben.
Alltag zwischen Poolparty und vertrauten Geschmäckern
Der nachgebaute Supermarkt im Ortskern ist Treffpunkt und Therapie zugleich. Einkaufen, sagt Wundli, sei etwas, das Menschen ihr ganzes Leben lang getan hätten – und genau deshalb funktioniere es auch bei Demenzkranken als Anker.
Zu den Bewohnern gehören Gerda, 88 Jahre alt, aus Berlin, die täglich drei Kilometer mit ihrer Betreuerin Peng spaziert, und der 78-jährige Schweizer Eddie, der klassische Musik hört und am Pool entspannt. Die Betreuerinnen sprechen meist nur wenige Brocken Deutsch oder Englisch – und dennoch, so zeigt der Alltag, entsteht eine tiefe menschliche Verbindung.
- Rund-um-die-Uhr-Betreuung, nachts mit Matratze neben dem Bett
- Vertraute europäische Küche und bekannte Markenlogos als Gedächtnisstütze
- Integration ins Dorfleben mit thailändischen Nachbarn
- Regelmäßige Ausflüge in Restaurants und die Stadt
- Kein Einsatz von Beruhigungsmedikamenten zur Ruhigstellung
Wundli betont: Jeder Gast soll seinem eigenen Rhythmus folgen können. Individualität stehe über dem Gruppenalltag.
Die Betreuerin Peng: Brücke zwischen zwei Welten
Peng arbeitet seit 19 Jahren für Martin Wundli. Sie lebt mit ihrer Familie eine halbe Stunde entfernt, ihre Schwiegermutter wohnt im selben Haushalt – ein in Thailand übliches Familienmodell. Für Peng ist das Prinzip klar: Erst kümmern sich die Eltern um die Kinder, später geben die Kinder es zurück.
Diese kulturelle Selbstverständlichkeit des Pflegens prägt auch den Umgang mit den demenzkranken Gästen. Peng hält bei Ausflügen engen Körperkontakt zu Gerda, bleibt stets freundlich – auch wenn es mal ruckelt. Ihr Mann Tam fährt als Taxifahrer gelegentlich für das Projekt und organisiert gemeinsame Ausflüge für Gerda und Eddie.
Diese persönliche, familiäre Atmosphäre, so sagt Wundli, sei der eigentliche Schlüssel des Konzepts: „Die Beziehung verbindet – und ermöglicht Austausch, auch wenn die Sprache nicht dieselbe ist.”
Abschieben oder die beste Lösung? Familien unter Druck
Tochter Sarah, die aus der Schweiz anreist, kennt den Vorwurf gut: „Wie, du schiebst einen Elternteil ab – weit weg, nach Thailand, hast nichts mehr damit zu tun?” Ihre Antwort ist pragmatisch: Mit drei Betreuungspersonen rund um die Uhr sei das Demenzdorf für ihren Vater Eddie die einzig realistische Lösung gewesen.
Nicks Ehefrau, die jede Woche aus der Schweiz anruft, schildert die Alternative: Ihr Bruder sei in einem Schweizer Heim mit Medikamenten ruhiggestellt worden – für sie unerträglich. Der Kontrast zum lachenden, plätschernden Poolnachmittag in Chiang Mai könnte kaum größer sein.
Das Demenzdorf in Thailand ist kein billiges Abschieben, sondern ein durchdachtes, kostspieliges Pflegemodell, das auf Vertrautheit, individuelle Betreuung und menschliche Nähe setzt. Ob es sich als Vorbild für die wachsende Zahl demenzkranker Menschen in Europa eignet oder ein Nischenangebot für Gutsituierte bleibt – diese Diskussion dürfte angesichts des demografischen Wandels erst am Anfang stehen.
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