Dieses Video wurde am 23.08.2026 von NIUS auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Rund die Hälfte aller Bundeswehr-Regierungsflüge ist im ersten Halbjahr 2026 ohne Passagiere geflogen. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervor. Von insgesamt rund 600 Teilstrecken entfielen 308 auf Dienstreisen mit Regierungsmitgliedern und 305 auf sogenannte Bereitstellungsflüge — also Flüge ganz ohne politische Passagiere an Bord. Die Zahlen werfen Fragen zur Effizienz und zu den Kosten der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf.
Leerflüge durch Standort in Köln
Ein zentrales strukturelles Problem ist die geografische Lage der Flugbereitschaft: Die Regierungsflieger sind am Flughafen Köln/Bonn stationiert, während der Regierungssitz und damit der überwiegende Bedarf an Transportkapazitäten in Berlin liegt. Das führt zwangsläufig dazu, dass Maschinen zunächst leer von Köln nach Berlin fliegen müssen, um dort Regierungsmitglieder aufzunehmen — und anschließend wieder leer zurückkehren.
Dieses Muster wiederholt sich bei nahezu jeder Dienstreise und erklärt den hohen Anteil an Bereitstellungsflügen. Der strukturelle Nachteil ist seit Jahren bekannt, eine rasche Lösung ist jedoch nicht in Sicht.
Bartsch spricht von „Bruchlandung”
Dietmar Bartsch, der die Anfrage im Bundestag initiiert hatte, reagierte mit scharfer Kritik. Er bezeichnete die Situation als „Bruchlandung” — sowohl organisatorisch als auch mit Blick auf die Ressourcenverschwendung. Angesichts der öffentlichen Debatten über Sparmaßnahmen und Haushaltsdisziplin sei es schwer vermittelbar, dass der Staat in großem Umfang Flugzeuge durch die Gegend schickt, ohne dass sich ein einziger Passagier an Bord befindet.
Die Kritik trifft die Bundesregierung zu einem Zeitpunkt, an dem die Verteidigungsausgaben und die Effizienz staatlicher Strukturen besonders intensiv diskutiert werden.
Verteidigungsministerium verweist auf Ausbildungsflüge
Das Verteidigungsministerium wies die Kritik teilweise zurück. Es betonte, dass ein Teil der Leerflüge gezielt als Lehr- und Ausbildungsflüge genutzt werde, um Piloten und Besatzungen der Flugbereitschaft fortzubilden. Diese Flüge seien daher nicht schlicht als Verschwendung zu werten, sondern hätten einen eigenständigen operativen Zweck.
Dennoch bleibt die Frage offen, wie groß der Anteil der reinen Ausbildungsflüge an den 305 Bereitstellungsflügen tatsächlich ist und ob eine effizientere Planung möglich wäre. Transparente Aufschlüsselungen dazu legte das Ministerium bislang nicht vor.
Verlegung nach Berlin erst in den 2030er Jahren
Eine grundlegende Lösung des Problems — der Umzug der Flugbereitschaft nach Berlin — ist zwar geplant, aber frühestens in den 2030er Jahren vorgesehen. Bis dahin bleibt die strukturelle Ineffizienz bestehen. Kritiker fordern, die Planungen zu beschleunigen oder zumindest die Flugplanung kurzfristig besser zu koordinieren, um unnötige Leerflüge zu reduzieren.
Die wichtigsten Fakten im Überblick:
- Rund 600 Teilstrecken wurden im ersten Halbjahr 2026 geflogen
- 308 Flüge waren Dienstreisen mit Regierungsmitgliedern
- 305 Flüge waren reine Bereitstellungs- oder Leerflüge
- Die Flugbereitschaft ist in Köln stationiert, der Regierungssitz liegt in Berlin
- Ein Umzug nach Berlin ist erst in den 2030er Jahren geplant
Der Fall zeigt exemplarisch, wie historisch gewachsene Verwaltungsstrukturen im deutschen Regierungsapparat zu dauerhaften Ineffizienzen führen können. Solange die Flugbereitschaft in Köln verbleibt und kein deutlich verbessertes Planungskonzept entwickelt wird, dürften die Leerflüge ein wiederkehrendes Thema in der politischen Debatte bleiben.
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