Dieses Video wurde am 22.08.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Joshua Krebs ist Panzerkommandant im Panzerbataillon 203 und unter dem Namen „Cinematic Sergeant” einer der bekanntesten Bundeswehr-Influencer Deutschlands. Als die Bundeswehr intern nach Freiwilligen für die Brigade Litauen suchte, meldete er sich als einer der Ersten. Im Interview spricht er über seine Beweggründe, die Reaktionen seiner Kameraden und den Umgang mit der Gefahr an der NATO-Ostflanke.
Freiwillige Meldung für die NATO-Ostflanke
Den Anstoß gab ein bundeswehrInternes Rundschreiben, das nach dem Start des Projekts an die Soldaten verschickt wurde. Verteidigungsminister Pistorius hatte die dauerhafte Stationierung einer deutschen Brigade in Litauen als „Leuchtturmprojekt” bezeichnet. Für Krebs war die Entscheidung eine Frage persönlicher Konsequenz.
„Es ist immer einfach, von der Couch aus zu sagen, wir müssen unsere Bündnisgrenzen stärken”, erklärt der Panzerkommandant. Er wollte nicht nur kommentieren, sondern selbst handeln – und meldete sich freiwillig. Stationiert in Augustdorf, bereitet er sich nun auf die Verlegung nach Litauen vor.
Vorbereitung und Familienleben unter neuen Bedingungen
Bis zur tatsächlichen Verlegung verging anderthalb bis zwei Jahre Vorlaufzeit. In dieser Phase stieg die Übungsintensität erheblich an, verschiedene Truppenteile und Truppengattungen mussten sich aufeinander einspielen. Die Bundeswehr hat in Litauen bereits erheblich in Infrastruktur investiert, sodass Soldaten ihre Familien mitnehmen können.
Für Krebs kommt Pendeln nicht in Frage – seine Familie zieht mit. Er betont, dass die Entscheidung sehr individuell ist und von der persönlichen Lebenssituation abhängt:
- Familiäre Verpflichtungen im Heimatland können gegen eine Verlegung sprechen
- Wer gerade ein Haus gebaut hat, steht vor besonders schwierigen Abwägungen
- Familien mit Kindern müssen Schul- und Betreuungsfragen klären
- Manche Partner sind bereit, das Abenteuer gemeinsam anzugehen
- Andere Soldaten entscheiden sich bewusst gegen einen dreijährigen Auslandsaufenthalt
„Man gibt sehr, sehr viel auf in Deutschland – deswegen kann ich absolut nachvollziehen, wenn nicht jeder dazu bereit ist”, sagt Krebs.
Sicherheitslage und das Konzept der Stärke
Die Frage nach der Gefahr an der NATO-Ostflanke beantwortet Krebs nüchtern: Ohne eine reale Bedrohungslage würde die Brigade nicht existieren. Hybride Vorfälle – darunter Seedrohnen im Schwarzen Meer und wiederholte Verletzungen des NATO-Luftraums – zeigen, dass die Sicherheitslage in Europa angespannt bleibt.
Seine strategische Überzeugung: „Jemand, der stark wirkt und vor allem auch stark ist, der wird nicht angegriffen.” Abschreckung durch Präsenz und Fähigkeit ist für ihn das Kernargument für die Brigade Litauen. Auch seiner Familie gegenüber vertritt er diese Haltung – sie haben die Entscheidung gemeinsam getragen und akzeptieren das damit verbundene Risiko.
Militärische Anreize: Modernste Ausrüstung und internationale Zusammenarbeit
Jenseits des sicherheitspolitischen Auftrags sieht Krebs in der Stationierung auch eine militärisch-fachliche Chance. In Litauen wird die Bundeswehr ihr modernste Material einsetzen – darunter das Flugabwehrsystem Skyranger sowie weitere neue Fähigkeiten, die die Streitkräfte künftig erhalten sollen.
Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Der Austausch mit Soldaten anderer NATO-Nationen, das Kennenlernen fremder Kulturen und Sprachen sowie das gegenseitige Lernen voneinander sind für den erfahrenen Panzerkommandanten wichtige Argumente. Gezweifelt hat er an seiner Entscheidung bislang nicht – im Gegenteil: Seine Vorfreude sei „sehr, sehr groß”.
Das Beispiel Joshua Krebs zeigt, wie die Bundeswehr auf Freiwillige setzt, um ihr bislang ambitioniertestes Stationierungsprojekt in der Geschichte der Allianz zu realisieren. Ob genug Soldaten diesem Beispiel folgen, wird entscheidend für den Erfolg der dauerhaften deutschen Präsenz an der NATO-Ostflanke sein.
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