Dieses Video wurde am 23.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Krieg in der Ukraine spitzt sich nach Einschätzung von Militärexperten weiter zu. General a. D. Roland Kater zeichnet ein düsteres Bild der Lage: Russland intensiviert seine strategischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern, während der Ukraine entscheidende Flugabwehrsysteme fehlen. Ohne rasche Lieferung von Patriot-Systemen könnte die Situation für das Land dramatisch werden – und das ausgerechnet vor einem weiteren harten Winter.
Russischer Raketenangriff als politisches Signal an den Westen?
Ein jüngster russischer Angriff auf ein Ziel in der Ukraine, in dessen Nähe sich der deutsche Außenminister aufhielt, hat international Aufmerksamkeit erregt. Kater hält es für möglich, dass Moskau damit bewusst ein Zeichen an Deutschland und den Westen setzen wollte.
Es könne sich aber auch um die Fortsetzung der üblichen strategischen Kriegsführung gehandelt haben. Deutlich sei jedoch: Russlands Präsident Wladimir Putin signalisiere zunehmend, dass ihm die Anwesenheit hochrangiger westlicher Politiker in Kiew gleichgültig sei.
An der Front selbst bewege sich wenig. Kater beschreibt die Lage dort als „fürchterlichen Abnutzungskampf mit vielen Verlusten auf beiden Seiten”, ohne dass eine Seite entscheidende Geländegewinne erziele.
Strategische Kriegsführung mit Drohnen und Raketen zeigt Wirkung
Während die Frontlinie weitgehend erstarrt ist, hat die strategische Dimension des Krieges an Intensität gewonnen. Die Ukraine ist mittlerweile in der Lage, jeden Punkt im russischen Kernland mit Drohnen zu erreichen. Putin selbst hat eingeräumt, dass diese Angriffe erhebliche Schäden verursachen und die russische Bevölkerung spürt, dass der Krieg das eigene Land erreicht hat.
Umgekehrt sieht Kater in der russischen Fähigkeit zur Intensivierung des Raketen- und Drohnenkrieges die größte Gefahr für die Ukraine:
- Russland produziert nach Einschätzung des Generals ausreichend ballistische Raketen, Marschflugkörper und Hybridraketen, um den Krieg eskalieren zu können.
- Eine mögliche Generalmobilmachung in Russland – diskutiert für den Herbst nach der Duma-Debatte – könnte Moskau schlagartig weitere Zehntausende Soldaten verschaffen.
- Menschenleben scheinen für Putin nach Katerns Einschätzung kein entscheidendes Kalkül zu sein.
Putins jüngstes Interview im russischen Staatsfernsehen untermauert diesen Eindruck: Der Kremlchef sprach ausführlich über den Krieg, das Wort „Frieden” fiel dabei kein einziges Mal.
Patriot-Lücke: Westliche Lieferungen reichen nicht aus
Der gravierendste Mangel der Ukraine liegt laut Kater im Bereich der Flugabwehr gegen ballistische Raketen. Das einzig wirksame System dagegen ist das Patriot-Raketensystem – doch genau hier klafft eine kritische Lücke.
Die USA liefern derzeit keine weiteren Systeme. Andere NATO-Verbündete verfügen selbst über zu geringe Bestände. Als Beispiel nennt Kater Spanien, das lediglich fünf Patriot-Raketen liefern wolle – eine symbolische Geste, die militärisch kaum ins Gewicht falle.
„Wenn die Ukraine nicht zügig Flugabwehrwaffen in die Hände bekommt, sieht die Lage für die Ukraine düster aus”, warnt der Ex-General unmissverständlich. Eine Lösung sei derzeit nicht in Sicht.
Kritische Energielage: Droht ein noch härterer Winter?
Besonders besorgniserregend ist die Lage der ukrainischen Energieinfrastruktur. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat selbst eingeräumt, dass rund 80 Prozent der Energieanlagen, die die Bevölkerung mit Wärme versorgen, zerstört oder stark beschädigt sind.
Das bedeutet: Der kommende Winter könnte für die ukrainische Zivilbevölkerung noch weitaus härter werden als der vergangene. Millionen Menschen drohen erneut mit minimaler Heizung und eingeschränkter Stromversorgung auszukommen – unter Bedingungen, die durch anhaltende Raketenangriffe auf das Energienetz weiter verschlechtert werden könnten.
Die Gesamtlage bleibt nach Einschätzung von Experten wie General a. D. Kater äußerst ernst. Ohne substanzielle westliche Unterstützung bei der Flugabwehr und einer gesicherten Energieversorgung steht die Ukraine vor einer der schwierigsten Phasen seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Wie der Konflikt ausgehen soll, könne derzeit niemand sagen.
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