Dieses Video wurde am 25.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die AfD bedient sich zunehmend der politischen Spielbücher von Donald Trump – so lautet die These des deutsch-amerikanischen Journalisten Erik Kirschbaum. Von der Migrations-Rhetorik über systematische Medienkritik bis hin zu Vorwürfen der Wahlmanipulation: Die Parallelen zwischen der amerikanischen MAGA-Bewegung und der deutschen Rechtspartei werden nach seiner Einschätzung immer deutlicher. Dabei stellt Kirschbaum fest, dass die AfD diese Anleihen kaum offen kommuniziert – wohl weil Trump in Deutschland nach wie vor wenig populär ist.
AfD-Trump-Strategie: Migration, Medienkritik, Wahlzweifel
Kirschbaum identifiziert drei zentrale Bereiche, in denen die AfD die Trump-Strategie direkt übernimmt. Erstens das Thema Migration: Trump hat es in den USA als eines seiner stärksten Wahlkampfthemen etabliert und damit auch Wähler jenseits seiner Kernanhängerschaft erreicht. Die AfD setzt seit Jahren auf denselben Ansatz – und war damit nach Kirschbaums Einschätzung sogar früher am Thema als Trump selbst.
Zweitens betreibt die AfD eine systematische Kampagne gegen Medien, insbesondere gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Auch das ist ein klassisches Element aus Trumps politischem Werkzeugkasten, mit dem er die Glaubwürdigkeit kritischer Berichterstattung untergräbt.
Drittens – und das ist laut Kirschbaum die jüngste Entwicklung – erhebt die AfD nun Zweifel an der Sicherheit von Briefwahlen und spricht von möglicher Wahlmanipulation. Trump hat genau diese Behauptungen in den USA seit Jahren genutzt, um Wahlergebnisse zu delegitimieren. Kirschbaum sieht darin eine direkte Übernahme – ohne Quellenangabe oder Copyright.
Polarisierte Medienlandschaft: Kampagne oder Journalismus?
Kirschbaum warnt davor, Deutschland auf dem Weg in eine ähnlich gespaltene Medienlandschaft wie die USA zu sehen. Dort existieren de facto zwei voneinander getrennte Informationswelten – eine rechte und eine linke. Er plädiert stattdessen für eine einheitliche Medienlandschaft, in der Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden können, was glaubwürdig ist.
Dabei kritisiert er zwei Fehlentwicklungen gleichermaßen:
- Berichte über problematische Vorfälle – etwa ein Berliner Veranstaltungsort, der nur schwarze Menschen einlassen wollte – werden reflexartig als „rechte Kampagne” abgetan, obwohl es sich schlicht um legitime journalistische Berichterstattung handelt.
- Umgekehrt gibt es Titel großer Medien wie den Spiegel, die mit reißerischen Formulierungen wie „der gefährlichste Mann Europas” aufmachen, ohne im Text belastbare Belege zu liefern – das sei schlechter Journalismus, keine Kampagne.
- Berichte über Migrationsprobleme werden pauschal als politisch motiviert eingestuft, obwohl das Publikum ein berechtigtes Informationsinteresse hat.
Für Kirschbaum gilt: Es gibt guten und schlechten Journalismus – aber der Vorwurf der Kampagne hilft in beiden Fällen nicht weiter.
Trumps Königsmacher-Status bröckelt in South Carolina
Parallel zur deutschen Innenpolitik wirft Kirschbaum einen Blick auf die USA: In South Carolina findet eine wichtige Nachwahl statt. Der langjährige Senator Lindsey Graham war verstorben, seine Schwester Darlene wurde als Nachfolgerin installiert. Sie verfehlte im ersten Wahlgang die nötige Mehrheit und muss nun in eine Stichwahl.
Trump hat seinen gesamten Einfluss als politischer Machtfaktor in diesen Wahlkampf eingebracht – er war persönlich vor Ort und erklärte öffentlich, die Wahl sei eine Abstimmung über ihn persönlich. Das Problem: In den vergangenen Monaten haben rund die Hälfte seiner Kandidatenempfehlungen verloren. Gewinnt Darlene Graham die Stichwahl nicht, könnte das nach Kirschbaums Analyse der Beginn vom Ende des Trump-Effekts als Wahlkampfverstärker sein – und das kurz vor den Vorwahlen im November.
Bundesliga: Mehr Konkurrenz für Bayern München gefordert
Am Ende des Gesprächs wechselt Kirschbaum das Thema zur neuen Bundesliga-Saison. Seit 2013 dominiert Bayern München die Liga nahezu ununterbrochen – eine Entwicklung, die er als schädlich für den gesamten deutschen Fußball wertet. Zuletzt betrug Bayerns Vorsprung am Saisonende 18 Punkte.
Kirschbaum ist überzeugt: Erst wenn Klubs wie Borussia Dortmund, VfB Stuttgart und RB Leipzig echte Titelkandidaten werden, profitiert auch Bayern – durch mehr Wettkampfhärte und bessere Vorbereitung auf die Champions League. Zudem würde ein ausgeglicheneres Ligafeld der deutschen Nationalmannschaft zugutekommen, da mehr Spieler regelmäßigem Konkurrenzdruck ausgesetzt wären. Sein Fazit: „Konkurrenz belebt das Geschäft – auch im Fußball.”
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