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Mit rund 43 Prozent in aktuellen Umfragen erzielt die AfD in Sachsen-Anhalt einen Rekordwert, der weit über ihren bundesweiten Werten liegt. Laut Janina Mütze vom Meinungsforschungsinstitut Civey ist die Partei damit kein Randphänomen mehr: „Die AfD ist ein Phänomen der Mitte in Sachsen-Anhalt.” Doch hinter dem Gesamtwert verbergen sich deutliche Unterschiede – nach Geschlecht, nach Thema und nach Mediennutzung. Die Landtagswahl am 6. September wird zeigen, ob sich diese Umfragewerte in tatsächliche Stimmen übersetzen.
Starkes Geschlechtergefälle unter AfD-Wählern
Ein zentraler Befund der Civey-Analyse ist der ausgeprägte Männerüberschuss bei der AfD-Wählerschaft. Rund 49 Prozent der männlichen Befragten geben an, die AfD wählen zu wollen, während es bei den Frauen lediglich 37 Prozent sind. Besonders stark vertreten sind dabei Männer im mittleren Alter.
Das Bild kehrt sich bei der CDU um: Nur 15 Prozent der Männer planen, die Union zu wählen, aber immerhin 27 Prozent der Frauen. Die konservative Stammwählerschaft zeigt damit ein umgekehrtes Geschlechterprofil gegenüber der AfD.
Dieses Muster ist politisch bedeutsam, weil es zeigt, dass der AfD-Erfolg nicht allein durch ein diffuses Protestmilieu erklärt werden kann, sondern spezifische demografische Gruppen besonders stark anspricht.
Wahlthemen: Gesundheit schlägt Migration
Entgegen der landläufigen Erwartung steht Gesundheitsversorgung mit 41 Prozent an erster Stelle der wichtigsten Wahlthemen in Sachsen-Anhalt – noch vor Migration. Die vollständige Rangfolge laut Civey-Befragung:
- Gesundheitsversorgung: 41 %
- Innere Sicherheit: 37 %
- Wirtschaft und Arbeit: 32 %
- Integration und Migration: 28 %
- Bildung und Schule: 25 %
Der hohe Stellenwert der Gesundheitsversorgung erklärt sich durch zwei strukturelle Faktoren: Sachsen-Anhalt ist mit einem Durchschnittsalter von 48,3 Jahren das älteste Bundesland Deutschlands, und als Flächenland leidet es unter einer dünnen Versorgungsdichte mit Ärzten und medizinischen Einrichtungen.
Beim Thema innere Sicherheit zeigt sich ein interessantes Muster: Sachsen-Anhalter fühlen sich in ihrer eigenen Nachbarschaft überwiegend sicher, projizieren Unsicherheitsgefühle jedoch auf das Gesamtland. Mütze führt dies auf ein „kollektives Gedächtnis” zurück, das durch bundesweite Ereignisse der vergangenen Jahre geprägt wurde.
AfD wird breite Problemlösungskompetenz zugetraut
Dass die AfD trotz des viertplatzierten Migrationsthemas mit Abstand stärkste Kraft bleibt, erklärt Mütze mit einem veränderten Kompetenzprofil der Partei. Wählerinnen und Wähler trauen der AfD mittlerweile zu, Probleme in vielen Themengebieten zu lösen – nicht nur in der Migrationspolitik, sondern auch bei Wirtschaft und innerer Sicherheit.
„Die AfD ist eben nicht mehr nur noch eine Protestpartei oder nur noch die Migrationspartei”, so die Civey-Expertin. Dieser Vertrauensgewinn setzt besonders die CDU unter Druck, die traditionell als Kompetenzpartei in diesen Bereichen galt. Hinzu kommt, dass innere Sicherheit und Migration in der Wahrnehmung vieler Bürger eng miteinander verknüpft sind – was der AfD indirekt zugutekommen dürfte.
Dabei betont Mütze: Die AfD musste ihre Problemlösungskompetenz bislang nie unter Beweis stellen. Der wachsende Vertrauensvorschuss basiert auf Wahrnehmung, nicht auf Regierungserfahrung.
Social Media: Reichweite, aber kein dominanter Meinungskanal
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gilt als einer der erfolgreichsten Politiker Deutschlands auf sozialen Medien. Doch diese digitale Präsenz schlägt sich nur begrenzt in Umfragewerten nieder: Bei der Direktwahlfrage liegt Siegmund nahezu gleichauf mit CDU-Kandidat Sven Schulze.
Der Grund liegt in der Mediennutzung der Sachsen-Anhalter. Die wichtigsten Informationsquellen für politische Meinungsbildung sind laut Civey:
- Fernsehen: 32 %
- Online-Nachrichten: 19 %
- Print: 9 %
- Soziale Medien: 9 %
Soziale Medien teilen sich den letzten Platz mit Printmedien. Im deutschlandweiten Vergleich zeigt sich zwar ein leichtes Ost-West-Gefälle – in Sachsen-Anhalt informieren sich rund 12 bis 13 Prozent über Social Media, in Hessen sind es 9 Prozent –, doch die Unterschiede sind gering. Auch das private Umfeld, also Gespräche im Alltag, spielt weiterhin eine relevante Rolle bei der politischen Meinungsbildung.
Am 6. September wird sich zeigen, ob der breite Themenmix und das gestiegene Kompetenzvertrauen der AfD in Sachsen-Anhalt tatsächlich zu einem historischen Wahlergebnis führen – oder ob traditionelle Wählerblöcke gegensteuern. Klar ist schon jetzt: Die politische Landschaft des Bundeslandes hat sich grundlegend verändert.
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