Dieses Video wurde am 25.08.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Kurz vor den Landtagswahlen im Osten Deutschlands zeigt das aktuelle RTL/ntv-Trendbarometer alarmierende Werte für die Bundesregierung: Die AfD im Osten kommt auf einen Rekordwert von 43 Prozent, während Bundeskanzler Friedrich Merz mit einer Unzufriedenheitsrate von 85 Prozent seinen bisher schlechtesten Wert verzeichnet. Den Auftakt der ostdeutschen Landtagswahlen macht am 6. September Sachsen-Anhalt – und die Umfragelage lässt für die Regierungsparteien wenig Hoffnung.
AfD im Osten dominiert – Linke vor CDU
Im gesamtdeutschen Vergleich liegt die AfD laut politischer Stimmung bei 28 Prozent und damit auf ihrem bisher besten Wert. Mit großem Abstand folgt die Union mit 21 Prozent. Die Grünen kommen auf 16 Prozent, SPD und Linke liegen gleichauf bei jeweils 12 Prozent. Die FDP würde den Einzug ins Parlament verpassen.
Im ostdeutschen Gesamtbild ist das Bild noch deutlicher:
- AfD: 43 Prozent
- Linke: liegt vor der CDU
- CDU: 13 Prozent
- SPD und Grüne: jeweils 9 Prozent
- BSW: unterhalb der statistischen Fehlertoleranz, nicht einzeln ausweisbar
Die schwarz-rote Koalition schneidet im Osten damit noch deutlich schlechter ab als im Bundesdurchschnitt und ist weit von einer eigenen Mehrheit entfernt. AfD und Linke profitieren dagegen überproportional.
Merz nach Sommerpause auf Tiefstwert
Der Neustart nach der Sommerpause misslingt Kanzler Merz. 85 Prozent der Deutschen sind mit seiner Arbeit unzufrieden – ein historischer Negativrekord. Bemerkenswert: Selbst eine Mehrheit der eigenen Anhänger zweifelt an seiner Amtsführung.
Auch die Frage nach einer Trendwende fällt vernichtend aus. Ebenfalls 85 Prozent glauben nicht, dass dem Kanzler der wirtschaftliche und politische Turnaround gelingt – und das sind mehr als noch im Frühjahr.
Stern-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz sieht ein zentrales Problem in der Kommunikation des Kanzleramts. Die umstrittene Kabinettsumbildung und die öffentlich wahrgenommene Urlaubsabwesenheit von Merz hätten den Schaden verstärkt – besonders weil der Kanzler einerseits härtere Zeiten und mehr Anstrengung für die Bevölkerung fordere, andererseits jedoch keine überzeugende Begründung für seine lange Abwesenheit lieferte. Debatten über einen Kanzlertausch kursieren in der Union, können aber mangels klarer Alternativen – etwa Hendrik Wüst oder Markus Söder – nicht konkret werden.
Wirtschaftspessimismus wächst weiter
Die Stimmungslage zur wirtschaftlichen Entwicklung trübt das Bild zusätzlich. 67 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern wird. Obwohl die Wirtschaft im Frühjahr stärker als erwartet gewachsen ist, bremsen hohe Energiepreise, Lohnnebenkosten und Bürokratie das Vertrauen.
Merz hat Reformen bei Steuern, Rente und Digitalisierung zur Priorität erklärt. Doch 70 Prozent der Befragten trauen der Koalition nicht zu, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Lediglich Anhänger von Union und SPD glauben mehrheitlich noch an eine Wende – bei der SPD allerdings ohne überwältigende Zustimmung.
Schmitz bezweifelt, dass die für Anfang September erwartete Steuerreform den erhofften Befreiungsschlag bringen wird. Die Reform sei bereits in ihrer Reichweite umstritten und müsse in Teilen noch nachgebessert werden.
AfD-Forderung zu ausländischen Fachkräften stößt auf breite Ablehnung
Im Vorfeld der Sachsen-Anhalt-Wahl rückt auch das AfD-Wahlprogramm in den Fokus. Darin behauptet die Partei, ausländische Fachkräfte seien wegen sprachlicher und kultureller Unterschiede kaum geeignet, Patienten in der Pflege und im Gesundheitsbereich zu versorgen.
Das Trendbarometer zeigt: Nur 16 Prozent im Bund und 21 Prozent im Osten stimmen dieser Aussage zu. Selbst unter AfD-Anhängern teilt lediglich rund jeder Zweite diese Einschätzung. Schmitz ordnet das als aufschlussreiches Phänomen ein: Viele Wählerinnen und Wähler wählen die AfD trotz inhaltlicher Vorbehalte – aus emotionalen Gründen oder dem Wunsch, dem politischen Establishment einen Denkzettel zu verpassen. Sachliche Kritik an AfD-Forderungen erreiche die Menschen zwar, ändere ihr Wahlverhalten aber bislang kaum.
Für die kommenden Wochen bleibt die politische Lage angespannt. Die Landtagswahlen im Osten werden zeigen, ob der Höhenflug der AfD anhält und wie weit sich Union und SPD von ihrer einstigen Stärke in diesen Regionen entfernt haben. Für Kanzler Merz wird der Herbst zur Bewährungsprobe – politisch, wirtschaftlich und innerparteilich.
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