Dieses Video wurde am 01.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Ölpreisschock im Zuge des Irankriegs treibt die Verbraucherpreise im Euroraum in die Höhe und setzt die Europäische Zentralbank (EZB) unter erheblichen Handlungsdruck. Laut vorläufigen Daten des EU-Statistikamts stiegen die Verbraucherpreise im August 2026 um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – nach 2,9 Prozent im Juli. Insbesondere Energie erwies sich als entscheidender Preistreiber: Sie verteuerte sich im August um 14,3 Prozent zum Vorjahresmonat. Damit liegt die Gesamtinflation deutlich über dem EZB-Zielwert von 2 Prozent.
EZB-Zinsentscheid: Erhöhung auf 2,5 Prozent erwartet
Auf ihrer nächsten Sitzung am 10. September in Berlin dürfte die EZB die Leitzinsen von 2,25 auf 2,5 Prozent anheben. Marktbeobachter wie der Kapitalmarktstratege Robert Halver werten diesen Schritt als folgerichtig, aber nicht als ausreichend entschlossen. Die EZB laufe der Inflation hinterher, anstatt sie konsequent zu bekämpfen. Real – also nach Abzug der Inflation – blieben die Zinsen weiterhin negativ, was keine klare Inflationsbekämpfungspolitik darstelle.
Trotz der angespannten Lage hält Halver die Gefahr für die Aktienmärkte für begrenzt. Notenbanken seien strukturell nicht in der Lage, wirklich restriktiv vorzugehen, solange die Staatsverschuldung weltweit auf hohem Niveau verharrt.
Fed signalisiert Zinserhöhung – US-Schulden als Bremse
Auch die US-Notenbank Fed bereitet sich auf eine Zinserhöhung vor. Fed-Chef Kevin Worch hatte beim jährlichen Notenbankertreffen in Jackson Hole die Tür für einen solchen Schritt weit geöffnet und sich als Verfechter geldpolitischer Stabilität und Glaubwürdigkeit positioniert.
Allerdings wirft die schiere Größe der US-Staatsverschuldung von über 40 Billionen US-Dollar grundlegende Fragen auf. Eine deutlich restriktivere Geldpolitik würde die Refinanzierung des amerikanischen Staates erheblich verteuern. Erwartet wird daher eine moderate Anhebung – ohne massiven wirtschaftlichen Schaden anzurichten.
Steigende Anleiherenditen belasten DAX und Märkte weltweit
Die steigenden Anleiherenditen sorgen weltweit für Unruhe. In Japan kletterte die zehnjährige Rendite auf den höchsten Stand seit 30 Jahren. In Deutschland erreichte die zehnjährige Bundesanleihe ein neues 15-Jahres-Hoch. Analysten warnen vor den Vorboten einer globalen Schuldenkrise.
An den Aktienmärkten drückte das Zusammenspiel aus Inflationssorgen, steigenden Renditen und Ölpreisanstieg den DAX zeitweise unter die Marke von 26.000 Punkten. Für den September – historisch als schwacher Börsenmonat bekannt – warnt Halver jedoch vor übertriebener Risikoscheu:
- Zwischen Kalendermonat und Börsenentwicklung besteht laut Experten kein systematischer Zusammenhang.
- Börsenregeln wie die „Sell-in-May”-Strategie hätten 2026 nicht funktioniert.
- Anleger sollten auf Substanz- und Valuewerte setzen und Panikverkäufe vermeiden.
- Globales Wirtschaftswachstum und die implizite Bereitschaft der Notenbanken zu stützenden Maßnahmen wirken stabilisierend.
Einzelhandel und DAX-Werte unter Druck
Neben dem makroökonomischen Umfeld belastet auch die schwache Binnennachfrage die Wirtschaft. Der deutsche Einzelhandel verzeichnete im Juli einen inflationsbereinigten Umsatzrückgang von 3,4 Prozent gegenüber dem Vormonat – der stärkste Einbruch seit fünf Jahren. Als Ursachen nennen Ökonomen die anhaltend schlechte Konsumstimmung sowie die Hitzewelle im Sommer.
Im DAX litt der hochverschuldete Immobilienkonzern Vonovia besonders stark unter den steigenden Anleiherenditen; Morgan Stanley kürzte das Kursziel von 30 auf 25 Euro. Positiver Ausreißer war Symrise, dessen Kursziel das Analysehaus Jefferies von 80 auf 110 Euro anhob.
Die nächsten Wochen dürften entscheidend sein: Mit den Zinssitzungen von EZB und Fed sowie der weiteren Entwicklung des Ölpreises stehen gleich mehrere marktbewegende Ereignisse an. Ob der Inflationsdruck mittelfristig nachlässt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die geopolitische Lage rund um den Irankonflikt entwickelt.
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