Dieses Video wurde am 06.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Knapp drei Stunden saßen die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml gegenüber – und verließen Moskau ohne greifbare Ergebnisse. Die Unterredung am 6. September 2026 war Teil der jüngsten amerikanischen Diplomatie im Ukraine-Krieg, die auf einen Waffenstillstand und eine Friedenslösung abzielt. Doch während nette Worte ausgetauscht wurden, ließ Russland kurz vor dem Treffen noch einmal Raketen sprechen – ein klares Signal an alle Beteiligten.
Raketenangriff als Auftakt der Diplomatie
Nur Stunden vor der Ankunft der US-Gesandten in Moskau feuerte Russland Raketen auf die Flughäfen Kiew und Boryspil. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kommentierte den Angriff auf X scharf und kündigte an, die ukrainischen Operationen im russischen Luftraum in der folgenden Woche entsprechend anzupassen.
Putin hatte zuvor vorgeschlagen, während der Gespräche die Angriffe auf die Hauptstädte beider Kriegsparteien auszusetzen. Der Raketenangriff kurz davor unterstrich jedoch, wie wenig Vertrauen in dieses Versprechen gesetzt werden kann. Selenskyj bezeichnete den russisch-iranischen Drohnen- und Raketenangriff als direkte Antwort auf die amerikanische Diplomatie.
Die Botschaft war unmissverständlich: Russland verhandelt, ohne seine militärische Eskalation zurückzufahren.
Friedensgespräche im Kreml – viele Worte, wenig Substanz
Das Treffen dauerte 3 Stunden und 10 Minuten und fand in den repräsentativen Räumlichkeiten des Kremls statt. Im Anschluss lobte Putin US-Präsident Donald Trump öffentlichkeitswirksam für dessen Bemühungen um Frieden in der Ukraine – ein kalkulierter diplomatischer Schachzug ohne inhaltliche Zugeständnisse.
Putins Berater Uschakow fasste die Gespräche als „inhaltlich fundiert, konstruktiv, äußerst offen und vertraulich” zusammen. Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass substanzielle Fortschritte ausblieben:
- Putin hob die „spürbaren Fortschritte” der russischen Armee hervor.
- Er bekräftigte seine Zuversicht, dass Russlands festgelegte Kriegsziele erreicht werden.
- Die US-Gesandten brachten angeblich konkrete Ideen zur Konfliktlösung mit – deren Inhalt blieb jedoch völlig unklar.
- Eine Änderung der russischen Kriegsziele wurde weder angekündigt noch angedeutet.
Was die amerikanische Seite genau vorschlug, erfuhr die Öffentlichkeit ausschließlich durch die russische Darstellung – eine Informationslage, die kaum unabhängige Bewertungen zulässt.
USA unter Druck: Knickt Washington vor Moskau ein?
Die Reise von Witkoff und Kushner nach Moskau wird in westlichen Hauptstädten kritisch beobachtet. Beide Gesandten gelten als enge Vertraute Trumps und haben keinen klassischen außenpolitischen Hintergrund. Ihr Besuch im Kreml nährt die Sorge, dass Washington Russland entgegenkommt, ohne ausreichende Gegenleistungen zu fordern.
Besonders brisant: Die mörderischen Angriffe auf Kiew wurden lediglich kurz unterbrochen – von einer dauerhaften Feuerpause ist keine Rede. Russland nutzt die Gesprächsbereitschaft der USA offenbar, um diplomatisch Zeit zu gewinnen, während die Offensive militärisch weitergeht.
Kritiker sehen in Trumps Diplomatie eine einseitige Annäherung an Moskau, die die Ukraine unter Druck setzt, Kompromisse einzugehen, die ihrer Souveränität schaden könnten.
Nächster Halt: Kiew
Nach dem Moskauer Treffen reisten Witkoff und Kushner weiter in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Dort dürften sie mit Selenskyj und dessen Team über die russischen Gesprächsinhalte und mögliche nächste Schritte beraten. Die ukrainische Seite wird die Ergebnisse des Kreml-Treffens mit großer Skepsis aufnehmen – schließlich hat Russland zuletzt durch Taten, nicht durch Worte kommuniziert.
Die diplomatische Initiative Trumps steht vor einer grundlegenden Herausforderung: Solange Russland seine Kriegsziele nicht anpasst und die Angriffe auf die Ukraine unvermindert fortsetzt, bleibt jede Gesprächsrunde im Kern ein Propagandaerfolg für den Kreml. Ob die US-Vermittlung zu einem echten Durchbruch führt oder lediglich Putins Spielraum erweitert, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.
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