Dieses Video wurde am 04.09.2026 von ntv Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat die Europäische Union die Vergabe russischer Touristenvisa für den Schengenraum schrittweise verschärft. Dennoch reisen weiterhin Hunderttausende russische Staatsbürger in die EU ein – wenn auch deutlich weniger als noch vor dem Krieg. Die Zahlen sind seit 2019 um fast 85 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig gehen die EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich mit Visaanträgen russischer Bürger um, was zu erheblichen Ungleichgewichten innerhalb des Schengenraums führt.
Visavergabe: Strenger, teurer, langsamer
Seit September 2022 gelten für russische Staatsangehörige verschärfte Einreiseregeln in die EU. Anträge auf ein Schengenvisum werden seitdem strenger und länger geprüft. Die Antragsgebühr wurde von 35 auf 80 Euro mehr als verdoppelt.
Hinzu kommt, dass der Luftraum gegenseitig gesperrt ist: Russische Flugzeuge dürfen keine EU-Länder anfliegen, und EU-Airlines sind aus dem russischen Luftraum ausgesperrt. Direkte Flugverbindungen zwischen Russland und der EU existieren damit faktisch nicht mehr.
Im Jahr 2025 trat eine weitere Verschärfung in Kraft: Seitdem werden russischen Staatsangehörigen keine Mehrfachvisa mehr ausgestellt. Für jede einzelne Reise ist ein neuer Antrag erforderlich, was den Aufwand für Antragsteller und Behörden erheblich erhöht.
Dramatischer Rückgang: Von 4 Millionen auf 620.000
Die Auswirkungen der restriktiveren Politik sind in den Statistiken klar ablesbar. Im Jahr 2019 – also vor dem Angriff auf die Ukraine – wurden rund 4 Millionen Schengen-Visa an russische Bürger ausgestellt. Im vergangenen Jahr lag die Zahl nur noch bei knapp 620.000 Dokumenten.
Das entspricht einem Rückgang von fast 85 Prozent innerhalb weniger Jahre. Trotz dieser Entwicklung stellt die verbliebene Zahl noch immer ein erhebliches Volumen dar – und sorgt politisch für Diskussionen innerhalb der EU.
- 2019: rund 4 Millionen Schengen-Visa für Russen
- Vergangenes Jahr: knapp 620.000 Visa – ein Minus von fast 85 Prozent
- Kein gegenseitiger Direktflugverkehr zwischen Russland und der EU
- Keine Mehrfachvisa mehr seit 2025
- Antragsgebühr: 80 Euro statt vormals 35 Euro
Große Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten
Innerhalb der EU gehen die Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich mit Visaanträgen russischer Staatsbürger um. Polen, die baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen) sowie Finnland stellen russischen Bürgern grundsätzlich keine Visa mehr aus.
Ganz anders verhalten sich beliebte Urlaubsländer im Süden und Westen Europas. Allein Italien, Frankreich und Spanien stellten im vergangenen Jahr zusammen rund 440.000 Visa aus – und sind damit für den Großteil der verbleibenden Einreisedokumente verantwortlich.
Deutschland dagegen stellte lediglich rund 20.000 Visa aus. Die Bundesregierung fordert daher eine konsequentere Einhaltung der verschärften Visaregeln durch alle EU-Partner – auch um sicherzustellen, dass ausschließlich Personen einreisen, von denen keine Sicherheitsgefahr ausgeht.
Einreiseverbot für russische Soldaten geplant
Ein weiterer Schritt zeichnet sich auf EU-Ebene ab: Aktive und ehemalige Soldaten der russischen Armee sollen künftig generell von der Einreise in den Schengenraum ausgeschlossen werden. Die rechtliche Grundlage dafür hat die EU bereits beschlossen.
Wann das entsprechende Visumsverbot konkret in Kraft tritt und wie es in der Praxis kontrolliert werden soll, ist jedoch noch offen. Die Umsetzung gilt als technisch und administrativ anspruchsvoll, da der Militärstatus von Antragstellern schwer zu verifizieren ist.
Die Debatte um Schengen-Visa für russische Staatsbürger bleibt damit ein politisch sensibles Thema – zwischen dem Interesse an Sicherheit und Sanktionsdurchsetzung auf der einen und humanitären sowie diplomatischen Erwägungen auf der anderen Seite. Eine vollständige EU-weite Harmonisierung der Visapolitik gegenüber Russland ist bislang nicht in Sicht.
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