Geiseldrama Gladbeck: Das tragische Ende

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Dieses Video wurde am 02.05.2026 von DER SPIEGEL auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Das Geiseldrama Gladbeck von 1988 gilt als eines der folgenreichsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Was als Bankraub begann, eskalierte innerhalb von drei Tagen zu einer beispiellosen Odyssee durch mehrere Städte – mit drei Todesopfern, einem kollektiven Versagen von Polizei und Medien und einem Täter, dessen Aussagen bis heute nachwirken. Ein Exklusivinterview, das Journalistin Katrin Klocke 1991 mit Haupttäter Hansjürgen Rösner im Gefängnis führte, liefert erschreckend intime Einblicke in die Gedankenwelt eines Mannes, der seine Taten bis heute nur teilweise bereut.

Planlosigkeit als roter Faden: Von Bremen nach Köln

Die Route der Geiselnehmer folgte keinem durchdachten Fluchtplan, sondern einer Abfolge spontaner Impulse. Nach dem Busüberfall mit 32 Insassen und dem tödlichen Schuss auf den 14-jährigen Emanuele De Giorgi an der Raststätte Grundbergsee steuerten Rösner und sein Komplize Dieter Degowski den Fluchtwagen Richtung Köln – unter anderem, weil Rösner den Kölner Dom sehen wollte, den er bis dahin nur vom Knasttransporter aus kannte. Forensischer Psychiater Professor Haller beschreibt dieses Verhalten als Ausdruck kindlicher Wünsche, die neben einer kriminellen Identität bestehen können.

In Köln angekommen, umringte eine Meute von Journalisten und Schaulustigen das Fahrzeug. Kameraleute reckten die Köpfe durch die Fenster, manche gaben den Tätern sogar Regieanweisungen, um bessere Bilder zu bekommen. Die Polizei konnte nicht eingreifen – die Menschenmasse verhinderte jeden Zugriff. Journalist Udo Röbel lotste die Geiselnehmer schließlich aus der Stadt heraus.

Das Medienversagen und seine Folgen

Das Geiseldrama Gladbeck markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Journalismus. Reporterinnen und Reporter übernahmen faktisch die Kommunikation zwischen Tätern und Polizei, führten Interviews während laufender Geiselnahme und behinderten damit Sicherheitsbehörden erheblich.

  • Journalisten vermittelten Botschaften zwischen Rösner und der Polizei, weil kein direkter Draht bestand.
  • Kamerateams umzingelten das Fluchtfahrzeug in der Kölner Innenstadt und blockierten so einen möglichen Polizeizugriff.
  • Ein Fotograf bat Degowski, die Waffe an den Kopf einer Geisel zu halten, um ein besseres Bild zu erhalten.
  • Journalist Peter Meyer ließ sich als menschliches Schutzschild in den Bus tauschen.
  • Udo Röbel navigierte die Geiselnehmer als eine Art Stadtführer aus Köln heraus.

Als direkte Konsequenz wurde der Pressekodex in Deutschland geändert: Es ist Journalistinnen und Journalisten seither verboten, Täter während einer laufenden Tat zu interviewen oder aktiv in das Geschehen einzugreifen.

Das tragische Ende auf der Autobahn

Auf dem Rasthof Siegburg wurde Journalist Röbel wie versprochen freigelassen – Rösner hielt damit erneut ein gegebenes Versprechen. Kurz zuvor hatte er der Geisel Silke Bischoff versichert, sie noch am selben Abend freizulassen. Doch zur Einlösung dieses Versprechens kam es nicht mehr.

Auf der Autobahn rammte ein Spezialfahrzeug des SEK den Fluchtwagen. In dem folgenden Schusswechsel, bei dem laut Untersuchungsbericht 37 Kugeln auf das Auto abgefeuert wurden, starb die 18-jährige Silke Bischoff. Der Untersuchungsbericht kommt zu dem Schluss, dass die tödliche Kugel aus Rösners Waffe stammte – etwas, das dieser bis heute bestreitet. Bereits zuvor war der 14-jährige Emanuele De Giorgi an seinem Schussverletzungen verstorben, nachdem ein Krankenwagen wegen einer gesperrten Autobahn zu spät eingetroffen war. Ein Polizeibeamter kam ebenfalls ums Leben.

Verurteilung, Reue und ein gebrochenes Täter-Duo

Rösner wurde zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, Degowski wegen Mordes. Während Degowski 2018 nach fast 30 Jahren Haft mit neuer Identität entlassen wurde, sitzt Rösner weiterhin in Haft. Im Interview von 1991 bereute Rösner den Tod der beiden Geiseln, nicht jedoch seine kriminelle Laufbahn als solche.

Psychiater Professor Haller erklärt Rösners Leugnen der Schussabgabe auf Silke Bischoff mit dem Mechanismus der Verdrängung: Weil Rösner ihr versprochen hatte, sie freizulassen, und er einem persönlichen Ehrenkodex verpflichtet war, könnte die Realität des Schusses für ihn psychisch unerträglich sein. Degowskis Läuterung durch Glauben und Ehe wertet Rösner dagegen als Heuchelei – das Zerwürfnis der beiden entstand nicht durch gegenseitige Schuldzuweisungen vor Gericht, sondern aus grundverschiedenen Arten, mit Schuld und Emotionalität umzugehen.

Das Geiseldrama Gladbeck bleibt ein vielschichtiger Lehrfall: für Ermittlungsbehörden im Umgang mit Geiselnahmen, für Medien in Fragen journalistischer Ethik und für die Gesellschaft als Mahnung, wie aus einer Kette von Zufällen, Fehlern und Eskalationen ein irreversibles Desaster entstehen kann.

Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

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