Dieses Video wurde am 09.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Krypto-Steuer kommt – zumindest plant das Bundesfinanzministerium einen weitreichenden Systemwechsel für Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte. Ein Referentenentwurf sieht vor, das bisherige Steuerprivileg für langfristig gehaltene Kryptowährungen abzuschaffen. Wer bislang darauf setzte, Gewinne nach zwölf Monaten Haltefrist steuerfrei einzustreichen, muss sich auf eine neue Realität einstellen. Die wichtigsten Details, Ausnahmen und Handlungsoptionen im Überblick.
Das Ende des Krypto-Steuerprivilegs
Bislang gilt in Deutschland: Wer Bitcoin, Ether oder andere Kryptowährungen länger als zwölf Monate hält, kann Kursgewinne steuerfrei realisieren. Dieses Privileg wurde steuerlich ähnlich wie Gold behandelt – und hat nicht wenige Anleger erst in die Anlageklasse gelockt.
Dem neuen Referentenentwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil zufolge soll sich das grundlegend ändern. Künftig würden Gewinne aus Kryptowährungen wie klassische Kapitalerträge besteuert – analog zu Aktien, Fonds oder Anleihen. Die Haltedauer spielt dann keine Rolle mehr: ob drei Monate oder zehn Jahre, der Fiskus greift in jedem Fall zu.
Als Begründung führt das Ministerium an, Kryptowährungen seien mittlerweile eine etablierte Kapitalanlage mit hoher Liquidität und stark spekulativem Charakter. Zudem sei es ungerecht, dass Aktienanleger Steuern zahlen, Kryptoinvestoren bisher jedoch nicht.
Bestandsschutz: Wer ist noch auf der sicheren Seite?
Trotz der geplanten Verschärfung enthält der Entwurf einen entscheidenden Passus, der viele Anleger beruhigen dürfte: einen umfassenden Bestandsschutz. Die neuen Regeln sollen demnach nur für Kryptowerte gelten, die nach dem 31. Dezember 2026 angeschafft oder zugeflossen sind.
Wer bereits heute Bitcoin oder Ether besitzt, bleibt nach aktuellem Stand im alten System. Das bedeutet: Nach Ablauf der Zwölfmonatsfrist könnten diese Bestände weiterhin steuerfrei veräußert werden – dauerhaft.
Darüber hinaus plant die Bundesregierung eine systematischere Besteuerung von Lending und Staking. Erträge, die entstehen, wenn Coins verliehen oder zur Netzwerkabsicherung eingesetzt werden, sollen künftig ähnlich wie Zinsen oder Dividenden behandelt werden.
Ausdrücklich ausgenommen vom neuen Regime sind laut Entwurf:
- Non-Fungible Token (NFTs)
- Security Token
- Kryptowerte, die einen realen Wert vermitteln sollen
- Bestimmte Arten von Stablecoins
Für diese Kategorien gelten weiterhin die bisherigen Besteuerungsregeln.
Steuereinnahmen und politischer Kontext
Das Finanzministerium rechnet trotz der Ausnahmen mit deutlich höheren Einnahmen. Für das Jahr 2028 werden 160 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen prognostiziert. Bis 2031 soll der Betrag auf rund 350 Millionen Euro pro Jahr anwachsen.
Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen: Angesichts der ausgeprägten Zyklik im Kryptomarkt dürfte eine verlässliche Prognose kaum möglich sein. Die Marktentwicklung kann solche Schätzungen schnell obsolet machen.
Der politische Hintergrund ist ebenfalls relevant: Der neue Bundeshaushalt sieht inklusive Sondervermögen eine Neuverschuldung von 200 Milliarden Euro vor. Der Zugriff auf neue Steuerquellen – auch im Kryptobereich – ist daher kein Zufall, sondern Teil einer breiteren fiskalischen Strategie.
Was Anleger jetzt konkret tun sollten
Der Referentenentwurf ist noch kein verabschiedetes Gesetz. Details können sich im parlamentarischen Verfahren ändern. Dennoch lohnt es sich, schon jetzt einige Überlegungen anzustellen:
- Ruhe bewahren: Es handelt sich um ein frühes Planungsstadium – keine voreiligen Entscheidungen treffen.
- Bestandsschutz prüfen: Wer bereits Kryptobestände hält, genießt nach aktuellem Stand langfristigen Schutz.
- Timing der Neuinvestitionen überdenken: Käufe vor Ende 2026 könnten steuerlich attraktiver sein als spätere.
- Fundamentales nicht vergessen: Die Steuer ist nur ein Faktor – die eigene Überzeugung von der Anlageklasse bleibt entscheidend.
Vergleichbare Situationen gab es bereits: Als 2008 das Steuerprivileg für Aktien wegfiel, reagierten viele Anleger mit vorgezogenen Käufen. Ähnliches könnte sich nun im Kryptosektor wiederholen. Wer langfristig in digitale Vermögenswerte investieren möchte, sollte die politischen Entwicklungen bis Jahresende besonders genau verfolgen – und gegebenenfalls einen Steuerberater hinzuziehen.
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