Dieses Video wurde am 08.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht die AfD vor einem kniffligen Rechenrätsel: Die Partei hat 39 Sitze errungen, benötigt für die absolute Mehrheit jedoch 42 Sitze. Drei Mandate fehlen, um ohne Kompromisse regieren zu können. Für AfD-Spitzenkandidat Siegmund stellt sich damit unmittelbar die Frage, wie er diese Lücke schließen kann – und welche Optionen dabei überhaupt realistisch sind.
Die Ausgangslage im Landtag
Das Kräfteverhältnis im neuen Landtag ist klar verteilt: Die AfD ist mit Abstand stärkste Kraft, verfehlt die magische Grenze von 42 Sitzen aber denkbar knapp. Die übrigen Fraktionen verteilen sich wie folgt:
- CDU: 15 Sitze
- SPD und Grüne: je 8 Sitze
- Die Linke: 8 Sitze
- BSW: 5 Sitze
Eine klassische Koalition mit einer dieser Parteien scheidet aus ideologischen wie politischen Gründen weitgehend aus. Damit rücken unkonventionelle Wege in den Fokus.
Option eins: Abwerben von Parlamentariern
Die intern diskutierte Hauptstrategie besteht darin, mindestens drei Abgeordnete aus anderen Fraktionen – vorrangig aus der Union – zur AfD herüberzuziehen. Gelingt dies, käme die Partei eigenständig auf die nötige Mehrheit und könnte dauerhaft und geschlossen regieren, ohne auf themenspezifische Mehrheiten angewiesen zu sein.
Für potenzielle Überläufer ist die Rechnung jedoch kompliziert. Auf der Negativseite stehen ein erheblicher Karriereknick, die Ächtung durch die eigene Partei und der drohende Verlust des Wählervertrauens – schließlich haben die Wähler jemanden für eine bestimmte Partei gewählt. Auf der positiven Seite könnten konkrete Anreize locken: ein Ministeramt, ein Ausschussvorsitz oder ein gut dotierter Staatssekretärsposten. Besonders Abgeordnete am Ende ihrer politischen Karriere könnten für solche Angebote empfänglich sein.
Welche Ministerposten kämen infrage?
In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit acht Ministerämter, deren Zuschnitt eine neue Regierung verändern kann. Das Innenministerium dürfte die AfD kaum aus der Hand geben – das Thema Remigration war das zentrale Wahlversprechen und soll in eigenen Händen bleiben.
Realistischer als Lockmittel für mögliche Überläufer aus der CDU gelten das Finanzministerium und das Wirtschaftsministerium. Beide Ressorts sind prestigeträchtig, erfordern wirtschaftspolitische Kompetenz und böten inhaltlich weniger Konfliktpotenzial zwischen AfD-Wählerschaft und einem ehemaligen Unionspolitiker. Aus Wählersicht wäre der Schaden dort vergleichsweise überschaubar.
Option zwei: Tolerierung durch das BSW
Als zweite Möglichkeit steht eine Minderheitsregierung im Raum, die sich von einer anderen Fraktion – etwa dem BSW – tolerieren lässt. Der Nachteil dabei ist strukturell: Die AfD hätte dann keine dauerhafte Mehrheit, sondern müsste für jedes Gesetzesvorhaben einzeln Mehrheiten organisieren. Politische Verlässlichkeit und Gestaltungskraft wären damit erheblich eingeschränkt.
Entscheidend für den weiteren Verlauf ist, ob unter den 15 CDU-Abgeordneten, die tatsächlich in den Landtag eingezogen sind, überhaupt Personen vorhanden sind, mit denen die AfD bereits Vorgespräche geführt hat. Sollen potenzielle Wechselkandidaten den Einzug in den Landtag verfehlt haben, müsste die Partei bei der Suche nach Unterstützern komplett von vorne beginnen. Die kommenden Wochen der Koalitionsverhandlungen dürften zeigen, welcher Weg am Ende gangbar ist.
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