Dieses Video wurde am 10.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Nach dem starken Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt spitzt sich die politische Lage in Deutschland weiter zu. Die maximale Konfrontation zwischen der AfD und den anderen Parteien prägt nicht nur die Generaldebatte im Bundestag, sondern wirft auch grundlegende demokratische Fragen auf. Politikwissenschaftler Philip Tomck ordnete die Entwicklungen in einem Interview ein und analysierte, was der Machpoker der Parteien für die kommenden Landtagswahlen bedeutet.
Ausgrenzung der AfD – demokratisch legitim?
Innenminister mehrerer Bundesländer planen offenbar, die AfD von bestimmten Informationen auszugrenzen. Tomck sieht diesen Schritt als folgerichtig: Wenn der Verfassungsschutz die AfD als rechtsextremistisch einstuft, stelle sie eine Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung dar, und ein Handeln der Innenministerkonferenz sei in diesem Kontext nachvollziehbar.
Kritischer bewertet er hingegen Änderungen an Landesverfassungen, die darauf abzielen, die AfD von bestimmten parlamentarischen Ämtern fernzuhalten – etwa der Rolle des Alterspräsidenten. Ähnliche Maßnahmen wurden bereits im Bundestag ergriffen, als das Regelwerk angepasst wurde, um Alexander Gauland als Alterspräsidenten zu verhindern.
Formal demokratisch seien solche Änderungen, wenn entsprechende Mehrheiten dafür existierten, so Tomck. Politisch klug seien sie unmittelbar nach einer Wahl jedoch kaum – die Motive seien für alle zu offensichtlich.
Alice Weidels Auftritt: Neue Tonlage, alte Fronten
In der Generaldebatte des Bundestages trat AfD-Vorsitzende Alice Weidel mit veränderter Stimmlage und ruhigerer Intonation auf – Beobachter attestierten ihr zeitweise einen fast staatsmännischen Stil. Tomck sieht darin jedoch keinen Rückgang der Polarisierung, sondern das Gegenteil.
Auch Friedrich Merz schlug in der Debatte scharf zurück. Das eigentliche Problem, so Tomck, sei, dass beide Seiten nicht abrüsten, sondern aufrüsten. Eine Zusammenarbeit zwischen der AfD und anderen Parteien – einschließlich der CDU – erscheine unter dieser Rhetorik vollständig ausgeschlossen.
Wahlkampfstrategie: Konfrontation als Kalkül
Der Hintergrund der eskalierenden Tonlage ist klar: Mit zwei weiteren Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin steht der politische Wettbewerb noch nicht still. Tomck zufolge verfolgt die CDU mit der Strategie der maximalen Konfrontation das Ziel, in diesen Wahlen besser abzuschneiden – ob diese Rechnung aufgeht, werde sich zeigen.
- Die CDU setzt auf scharfe Abgrenzung zur AfD als Wahlkampfmittel
- Die AfD hat ihr Ziel einer absoluten Mehrheit in Sachsen-Anhalt verfehlt
- Nach dem Wahlergebnis schlug die AfD versöhnlichere Töne an – ohne Erfolg
- Das BSW gilt als einzige Partei, die eine punktuelle Zusammenarbeit mit der AfD nicht ausschließt
- Die politische Stimmung ist laut Tomck durch den Wahlkampf „extrem vergiftet”
Auch in Sachsen-Anhalt zeigen sich die Folgen: Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte eine Alleinregierung versprochen, ist nun aber auf Koalitionspartner angewiesen – in einem politischen Klima, das von gegenseitiger Feindschaft geprägt ist.
BSW als Joker – aber kein Ausweg aus der Blockade
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bringt eine neue Variable in die festgefahrene Lage: Als einzige Partei schließt es Gespräche und eine punktuelle Kooperation mit der AfD nicht kategorisch aus. Das lockert das politische Lagerdenken zumindest theoretisch auf.
In der Praxis löst das jedoch kaum die strukturelle Blockade. Die AfD hat jahrelang die anderen Parteien als Feinde bezeichnet – ein Imagewandel über Nacht ist nicht glaubwürdig und wird von den anderen Parteien entsprechend skeptisch aufgenommen. Für stabile Regierungsbildungen bleibt die Lage angespannt. Solange die Brandmauer gegenüber der AfD hält und zugleich die politische Sprache immer schärfer wird, dürfte sich an der Pattsituation in absehbarer Zeit wenig ändern.
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