Dieses Video wurde am 14.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Ölpreis klettert infolge der Nahost-Eskalation auf über 107 US-Dollar pro Barrel – ein Anstieg von rund 2,6 Prozent an einem einzigen Handelstag. Ausgelöst wurde die neue Preiswelle durch Drohnenangriffe auf die saudi-arabische Ostwest-Pipeline sowie durch wachsende Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus und das Rote Meer. Gleichzeitig belasten Warnungen führender KI-Unternehmer die Technologieaktien weltweit – eine Kombination, die den DAX und andere Leitindizes unter Druck setzt.
Angriffe auf Saudi-Arabiens Pipeline lassen Ölpreis steigen
Saudi-Arabien hat die Ostwest-Pipeline nach Drohnenangriffen vorsorglich stillgelegt. Betroffen waren Abschnitte in den Regionen Riad und Medina. Das saudische Außenministerium bestätigte Schäden an der Infrastruktur sowie mehrere Verletzte. Die Angriffe sollen aus dem Irak gestartet worden sein; der Iran weist entsprechende Vorwürfe zurück und verweist seinerseits auf die Eskalation im Jemen.
Die Pipeline galt bislang als wichtige Ausweichroute, nachdem die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zunehmend unsicherer geworden war. Nun sind auch Lieferwege über das Rote Meer und den Golf von Aden gefährdet. Ein für Oman geplantes Treffen der Golfstaaten-Außenminister zur Lage an der Straße von Hormus wurde kurzfristig verschoben.
Marktanalyst Jochen Stanzel von der Consorsbank fasst die Lage zusammen: „Der Geist ist aus der Flasche, was die Kontrolle der Meerengen angeht – und niemand weiß, wie er wieder hineingebracht werden soll.” Die Nordseeölsorte Brent, die für Europa besonders relevant ist, notiert sogar etwas höher als die US-Referenzsorte WTI.
Inflationsdruck und Fed-Entscheidung rücken in den Fokus
Der steigende Ölpreis verschärft den Inflationsdruck in Europa und den USA. Die US-Notenbank Federal Reserve steht am Mittwoch vor einer schwierigen Entscheidung: Angesichts eines überraschend starken Arbeitsmarkts – im vergangenen Monat wurden dreimal so viele Stellen geschaffen wie erwartet – und einer hartnäckig hohen Inflation dürfte die Fed die Leitzinsen erneut anheben.
Politischer Druck aus dem Weißen Haus erschwert die Lage zusätzlich. US-Präsident Trump hat erneut mit einem Handelstopp gegenüber bestimmten Ländern gedroht und fordert eine Lockerung der Geldpolitik. Das US-Finanzministerium kauft bereits im großen Stil langlaufende Staatsanleihen, um die gestiegenen Renditen am langen Ende einzufangen – während die Gesamtverschuldung der USA die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten hat.
- US-Arbeitsmarkt: Dreifache Jobschaffung gegenüber den Erwartungen im Vormonat
- Gesamtverschuldung der USA: über 40 Billionen US-Dollar
- Brent-Ölpreis: über 107 US-Dollar pro Barrel (+2,6 %)
- DAX-Rückgang: rund 0,3 Prozent
KI-Warnungen belasten Technologieaktien weltweit
Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic, warnte öffentlich davor, dass ein autonomer KI-Schwarm innerhalb von sechs bis zwölf Monaten das gesamte Internet übernehmen und Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar verursachen könnte. Er rief die Branche auf, die Entwicklung der leistungsfähigsten Modelle zu verlangsamen.
Rückendeckung erhielt er von Elon Musk sowie von OpenAI-Chef Sam Altman. OpenAI will aufgrund der laufenden Sicherheitsdebatte in diesem Jahr nicht mehr an die Börse gehen. Die Reaktion der Märkte war spürbar: In Seoul verloren die Aktien von SK Hynix und Samsung deutlich, und auch im DAX gerieten Werte mit KI-Bezug wie Infineon, Siemens Energy und Hochtief unter Druck.
Marktanalyst Stanzel ordnet die Warnungen jedoch kritisch ein: Kurz nach vergleichbaren Sicherheitsappellen hatten sowohl Anthropic als auch OpenAI jeweils neue, noch leistungsfähigere Modelle vorgestellt. Die Investitionsbudgets der Branche würden weiter ausgeweitet, nicht gekürzt. „Das ist vor allem Marketing”, urteilt Stanzel – die Warnungen sollten Aufmerksamkeit auf neue Modelle lenken, nicht die Entwicklung wirklich bremsen. Auch Nvidia und chinesische Technologiekonzerne zeigen keinerlei Bereitschaft, das Tempo zu drosseln.
Ausblick: Weitere Marktbelastungen wahrscheinlich
Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit im Nahen Osten, steigendem Ölpreis und einer bevorstehenden Fed-Entscheidung dürfte die Märkte in den kommenden Tagen weiter belasten. Sollte die Lage an den kritischen Seehandelsrouten eskalieren, könnten die Energiepreise noch weiter steigen und den Inflationsdruck in Europa und den USA zusätzlich verstärken. Entscheidend wird sein, wie die US-Notenbank am Mittwoch kommuniziert – nicht nur die Zinsentscheidung selbst, sondern vor allem der Ausblick auf das restliche Jahr 2026 und 2027 dürfte die Stimmung an den Börsen maßgeblich prägen.
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