Dieses Video wurde am 14.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Krise rund um die Straße von Hormus verschärft sich weiter: Ein für den 14. September geplantes Vermittlungstreffen zwischen dem Iran und dem Oman wurde kurzfristig verschoben. Dabei wollten beide Länder eine Einigung präsentieren, die auch von den Golfstaaten mitgetragen wird. Als direkte Folge stieg der Ölpreis erneut an. Gleichzeitig gerät die Ostwestpipeline Saudi-Arabiens unter Beschuss – von Huti-Rebellen und weiteren vom Iran finanzierten Gruppen. Für Deutschland schlägt sich das unmittelbar an der Zapfsäule nieder und bringt erste Politiker dazu, einen Spritpreisdeckel zu fordern.
Iran und Oman: Einigung in der Straße von Hormus in weiter Ferne
Die Vermittlungsbemühungen zwischen Teheran und Maskat gelten als bisher aussichtsreichster Ansatz zur Deeskalation in der Straße von Hormus. Sicherheitsexperte Nico Lange bewertet den Vorstoß grundsätzlich positiv, sieht aber eine entscheidende Unbekannte: die Haltung der USA.
Lange betont, dass die Golfstaaten die angestrebte Einigung dem Vernehmen nach unterstützen. Die zentrale Frage sei jedoch, wie Donald Trump auf eine solche Lösung reagieren werde. „Wenn er klug wäre, würde er sagen, das ist jetzt die Einigung und weiter geht’s”, so Lange – lässt aber offen, ob der US-Präsident diesen Schritt tatsächlich gehen wird. Ohne eine konstruktive Haltung Washingtons droht die fragile Annäherung zu scheitern, bevor sie überhaupt formalisiert werden konnte.
Huti-Rebellen als zusätzlicher Stressfaktor für den Ölmarkt
Neben der Blockade in der Straße von Hormus sorgen die Huti-Rebellen im Roten Meer für weiteren Druck auf die globalen Energiemärkte. Ihr jüngster Vorstoß an der Küste des Roten Meers kam überraschend und wird aktuell durch Luftangriffe zurückgedrängt.
Die Konsequenzen für Saudi-Arabien sind dennoch gravierend:
- Die Ostwestpipeline wird wiederholt angegriffen und kann nicht ohne Weiteres genutzt werden.
- Selbst wenn die Pipeline auf saudischem Gebiet repariert wird, bleibt der Export blockiert, solange Schiffe die Huti-kontrollierten Meerengen nicht passieren können.
- Das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab sind strategische Nadelöhre, deren Sperrung den weltweiten Ölhandel empfindlich trifft.
Lange macht deutlich, dass die Huti zwar vom Iran mit Waffen und Geheimdienstinformationen unterstützt werden, aber keineswegs vollständig unter dessen Kontrolle stehen. Ihre eigene Agenda richtet sich vor allem gegen Saudi-Arabien.
Irans Strategie: Druck auf die USA über Energieversorgung
Hinter den Eskalationsschritten steckt nach Einschätzung von Lange eine klare iranische Strategie: Teheran nutzt die Kontrolle über die Straße von Hormus sowie die Meerenge Bab al-Mandab als Druckmittel gegenüber Washington in laufenden Verhandlungen. Dabei nimmt der Iran bewusst in Kauf, dass auch Europa und andere Drittstaaten unter den steigenden Energiepreisen leiden.
Kritisch fällt Langes Einschätzung zur europäischen Rolle aus: Europa sei in dieser Krise kein Akteur. Weder in der Straße von Hormus noch im Roten Meer bringe sich der Westen als gestaltende Kraft ein – obwohl die wirtschaftlichen Folgen unmittelbar spürbar seien. „Wir beschäftigen uns mit den Spritpreisen bei uns, aber bei der Problemlösung haben wir überhaupt keine Rolle”, so der Experte.
Trump, Selenski und der Ukrainekrieg: Ablenkung statt Lösung
US-Präsident Trump macht Wolodymyr Selenski für den Rekordanstieg der Dieselpreise in den USA verantwortlich – wegen ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien. Die Nahostkrise erwähnt er dabei mit keinem Wort. Für Lange ist das ein Zeichen politischer Verzweiflung: Trump habe sich in einen Krieg hineingezogen, aus dem er keinen Ausweg findet, und versuche nun, die Schuld auf andere zu schieben.
Symptomatisch sei auch ein Video, das Jared Kushner auf einer Konferenz in Kiew abspielen ließ, in dem er Wladimir Putin als verhandlungsbereit und friedenswillig darstellte. Die Reaktion im Saal: Gelächter. Lange zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: Europa und die Ukraine können nicht darauf bauen, dass Washington in ihrem Sinne handelt. Stattdessen müssten die Ukraine und die europäischen Partner so gestärkt werden, dass sie ihre Interessen selbst durchsetzen können – unabhängig von Trumps Kurs gegenüber Moskau.
Die Lage in der Straße von Hormus bleibt damit vorerst ungelöst. Ob die Iran-Oman-Initiative wiederbelebt werden kann und ob Washington einen konstruktiven Beitrag leistet, wird in den kommenden Wochen über die weitere Entwicklung der globalen Energiepreise – und damit auch über die Kosten an deutschen Tankstellen – mitentscheiden.
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