Liebe heute: Wie Dating, Gefühl und Beziehung gelingen

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Dieses Video wurde am 28.04.2026 von ARTEde auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Liebe heute – kaum ein Thema beschäftigt Menschen so sehr und doch so ratlos. Dating Apps versprechen das perfekte Match auf Knopfdruck, Filme und Songs suggerieren, die große Liebe komme von selbst. Doch Philosoph Alain de Botton, Comickünstlerin Jean Kiv, Sängerin Arlo Parks und Fotografin Hanna Mattes zeichnen ein differenzierteres Bild: Liebe ist weniger Gefühlsrausch als bewusste Entscheidung – und vor allem harte Arbeit.

Liebe ist eine Fähigkeit, kein Schicksal

Der britisch-schweizerische Philosoph und Bestsellerautor Alain de Botton beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Geheimnissen der Liebe. Sein erstes Werk Versuch über die Liebe schrieb er mit 23 Jahren – angetrieben von persönlichem Schmerz, nicht von akademischer Neugier.

Seine zentrale These: Liebe ist keine passive Empfindung, sondern eine erlernbare Kompetenz. „Es klingt seltsam, aber vielleicht müssen wir Liebe üben”, sagt de Botton. Wer glaubt, das Verlieben passiere einfach von selbst, übersieht, wie viel Wissen und Kommunikation nötig sind, um eine Beziehung dauerhaft zu gestalten.

Entscheidend sei dabei auch das Verstehen der eigenen Prägung. Wie wir als Erwachsene lieben, hängt stark davon ab, wie wir Zuneigung als Kinder erlebt haben. Wer einen distanzierten Elternteil hatte, fühlt sich oft zu ähnlich schwer erreichbaren Partnern hingezogen – und versucht unbewusst, eine alte Geschichte zu einem besseren Ende zu führen.

Das Paradox der Dating Apps

Dating Apps haben die Partnersuche grundlegend verändert – aber nicht unbedingt verbessert. De Botton formuliert es pointiert: „Wir glauben, unsere Chancen hätten sich vergrößert. In Wirklichkeit haben wir nur unsere Möglichkeiten verbessert, genau die Menschen zu übersehen, die uns glücklich machen könnten.”

Die Pariser Comickünstlerin Jean Kiv, die ihre eigenen Datingerfahrungen zur Graphic Novel Love Machine verarbeitet hat, sieht Apps als Shopping Malls der Liebe: romantische Sehnsucht trifft auf kalte Kommerzialisierung. Profile werden nach Äußerlichkeiten bewertet, Persönlichkeit bleibt unsichtbar.

  • Apps maximieren die Auswahl, fördern aber häufig oberflächliche Urteile nach Fotos und kurzen Texten.
  • Das Paradox der Wahl lähmt: Je mehr Optionen, desto schwerer fällt eine echte Entscheidung.
  • Studien deuten darauf hin, dass junge Menschen heute seltener feste Paarbeziehungen eingehen als frühere Generationen.
  • Apps sind auf Engagement ausgelegt, nicht auf erfolgreiche Partnervermittlung – ihr Geschäftsmodell lebt vom Swipen, nicht vom Finden.
  • Dauerhaftes Nutzen kann zum sogenannten Dating Burnout führen.

Jean Kiv plädiert dennoch nicht für einen kompletten Verzicht, sondern für einen bewussten Umgang: „Liebe bedeutet für mich, sich für eine Person bewusst zu entscheiden.”

Echte Begegnungen und mehrdeutiges Verlangen

Die Londoner Sängerin Arlo Parks, eine der markantesten Stimmen der Generation Z, hat Dating Apps für sich abgelehnt. „Ich verlasse mich eher auf glückliche Begegnungen draußen in der Welt”, sagt sie. Nach Jahren auf Tour und einer bewussten Auszeit tauchte sie in die Clubkultur ein – Körperlichkeit, Tanz und echte Nähe statt digitalem Swipen.

Ihr neues Album Ambiguous Desire kreist um die schwer fassbaren Zwischenräume des Begehrens: Chemie, Zufall, Sehnsucht. Parks versteht Liebe als beständige Entscheidung – nicht als einmaliges Ereignis, sondern als täglich erneuertes Versprechen der Fürsorge.

Die Berliner Fotografin Hanna Mattes, Tochter von Regisseur Werner Herzog, geht noch einen Schritt weiter. Als Beziehungsanarchistin lehnt sie starre Hierarchien zwischen romantischer Liebe, Freundschaft und Familie ab. Jede Beziehung werde individuell ausgehandelt – offen, ehrlich, gleichwertig. Ihr Fotobuch Love zeigt diese Vielfalt der Liebesformen in Doppelportraits, bei denen bewusst offenbleibt, wer wen wie liebt.

Weniger Perfektionsanspruch, mehr Realismus

Was alle Perspektiven vereint: ein Plädoyer für weniger Illusion. De Botton empfiehlt eine Art „Handbuch der eigenen Schwächen” bereits beim ersten Date – radikale Ehrlichkeit statt aufpolierter Selbstinszenierung. „Keiner braucht einen perfekten Partner, den gibt es eh nicht. Was wir brauchen, ist jemand, der ein Gefühl für seine eigene Unzulänglichkeit hat.”

Paradoxerweise, so de Botton, führe ein realistischer, ja leicht pessimistischer Blick auf Beziehungen oft zu mehr Zufriedenheit als blinder Optimismus. Wer akzeptiert, dass Liebe Arbeit bedeutet, ist besser gerüstet als jemand, der auf ein Wunder wartet.

Liebe heute ist kein einfaches Versprechen, das Algorithmen einlösen können. Sie entsteht in echten Begegnungen, wächst durch Kommunikation und Selbstreflexion – und verlangt vor allem die Bereitschaft, sich trotz aller Ungewissheit immer wieder neu zu entscheiden.

Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

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