Dieses Video wurde am 26.08.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
CIA-Direktor John Ratcliffe ist zu einem Geheimtreffen nach Moskau gereist – ein außergewöhnlicher Schritt mitten im Ukraine-Krieg. Der Kreml bestätigte den Besuch offiziell, ließ jedoch offen, mit wem Ratcliffe gesprochen hat. Washington schwieg ebenfalls. Nach wenigen Stunden reiste der CIA-Chef wieder aus Russland ab und landete am Abend in Riga. Vor dem Besuch sollen die Ukraine und die USA Russland gebeten haben, während des Aufenthalts auf Angriffe gegen Moskau und andere russische Städte zu verzichten.
Mit wem traf sich der CIA-Chef in Moskau?
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Ratcliffe sei zu „Geheimdienstkontakten” in Moskau gewesen – ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin habe es nicht gegeben. Ob diese Aussage der Wahrheit entspricht, bleibt unklar.
Als wahrscheinlichster Gesprächspartner gilt Sergej Narishkin, der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR. Allerdings gilt der mächtigste russische Geheimdienstchef als Alexander Bortnikow, der Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB – jener Behörde, die auch über umfangreiche Auslandsabteilungen verfügt und als größter Geheimdienst Russlands gilt. Ob auch Bortnikow an den Gesprächen beteiligt war, ist nicht bekannt.
Eskalationswarnung an die NATO-Grenze?
Über den Inhalt der Gespräche gibt es bislang nur Spekulationen. Eine der meistdiskutierten Theorien: Die USA könnten Russland vor einer weiteren militärischen Eskalation gewarnt haben.
Ukrainische Militärexperten sowie polnische und baltische Geheimdienste äußerten den Verdacht, Russland könnte einen gezielten Stresstest gegen die NATO geplant haben – etwa einen Übergriff auf ein NATO-Mitgliedsland, um die Entschlossenheit des Bündnisses zu prüfen. Der Besuch des CIA-Chefs könnte dem Zweck gedient haben, Moskau unmissverständlich zu signalisieren, dass die USA und ihre Verbündeten auf einen solchen Schritt entschlossen reagieren würden.
Auch ein Gespräch über den Iran – einen wichtigen russischen Verbündeten – wird als mögliches Thema gehandelt. Für wahrscheinlicher gilt jedoch, dass der Ukraine-Krieg und die Frage einer NATO-Eskalation im Mittelpunkt standen. Wegen des Irans allein reist kein CIA-Direktor nach Moskau.
Russlands Wirtschaftskrieg gegen die Ukraine
Parallel zu den Spekulationen um das Geheimtreffen erhob Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Präsidialamtes und früherer Leiter des Militärgeheimdienstes GUR, schwere Vorwürfe gegen Russland. Er wirft Moskau vor, einen systematischen Wirtschaftskrieg gegen die Ukraine zu führen.
Im Mittelpunkt stehen gezielte Angriffe auf ukrainische Infrastruktur:
- Attacken auf Hafenanlagen in und um Odessa sowie an der Donau (Ismail, Reni)
- Zerstörung von Grenzübergängen zwischen Moldau und der Ukraine, um den Landhandel zu unterbinden
- Beeinträchtigung ukrainischer Stahlexporte und anderer Güter, was dem Staatshaushalt erheblich schadet
Durch diese Angriffe wachsen die Finanzierungsprobleme der Ukraine. Das Land ist zunehmend außerstande, seinen Haushalt aus eigenen Mitteln zu decken.
Russlands Kalkül: Die EU zermürben
Hinter der russischen Strategie steckt nach Einschätzung von Beobachtern ein klares politisches Ziel: Den Preis für die Europäische Union als größten Unterstützer der Ukraine so weit in die Höhe zu treiben, dass der politische Wille zur weiteren Unterstützung schwindet. Wenn der wirtschaftliche und humanitäre Druck auf die Ukraine immer größer wird, könnte die EU irgendwann dazu gebracht werden, auf einen Waffenstillstand zu drängen – selbst zu russischen Bedingungen.
Der CIA-Besuch in Moskau und Russlands gleichzeitig eskalierender Wirtschaftskrieg zeigen: Der Konflikt wird auf mehreren Ebenen gleichzeitig geführt. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die diplomatischen Signale aus Washington in Moskau Wirkung zeigen – oder ob die Eskalationsspirale sich weiter dreht.
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