Dieses Video wurde am 13.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein mit Sprengstoff beladener Quadrocopter, eine ukrainische Frachtmaschine im Visier und eine Detonation, die knapp ausblieb: Der Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig-Halle vom 4. August hätte eine Katastrophe auslösen können. Neue Ermittlungsakten, die der Welt am Sonntag exklusiv vorliegen, zeigen nun, wie nah Deutschland an einer folgenschweren Explosion war – und liefern erstmals konkrete Hinweise auf die Verantwortlichen hinter dem Anschlag.
Drohne trifft Antonov-Tragfläche – Detonation bleibt aus
Gegen 7:30 Uhr abends am 4. August steuerte eine mit Sprengstoff beladene Drohne direkt auf eine ukrainische Antonov-Frachtmaschine zu, die auf dem Flughafen Leipzig-Halle stand. Das Fluggerät schlug gegen die Tragfläche des Flugzeugs – detonierte jedoch nicht. Nur dieser Zufall verhinderte nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden eine schwere Explosion mit möglicherweise verheerenden Folgen für Mensch und Infrastruktur.
Bereits in den ersten Stunden nach dem Vorfall rückte eine mögliche russische Beteiligung in den Fokus der Ermittlungen. Polizeiliche Untersuchungen, das Tatmuster sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse wurden zusammengeführt und belegen nach Behördenangaben eine russische Verantwortung für den versuchten Anschlag. Die beteiligten Personen sollen demnach im Auftrag russischer staatlicher Stellen gehandelt haben.
GRU im Verdacht: Wer sind die beiden Verdächtigen?
Nach Exklusivinformationen der Welt am Sonntag haben die Ermittler zwei Verdächtige identifiziert, die in direktem Zusammenhang mit der Drohnenattacke stehen.
- Oleg L., russischer Staatsangehöriger, gilt als mutmaßlicher Kopf der Operation. Er soll die Attacke vorbereitet, die Logistik organisiert und die Abläufe koordiniert haben. Deutsche Sicherheitsbehörden ordnen ihn dem russischen Militärgeheimdienst GRU zu.
- Andrej K., belarussischer Staatsbürger mit zusätzlicher russischer Staatsangehörigkeit, wird von Ermittlern als sogenannter „Lowlevel-Agent” eingestuft – kurzfristig angeworben, für einzelne Aufgaben eingesetzt und mit wenig Einblick in die Gesamtoperation.
Auf beide Männer stießen die Ermittler unter anderem durch DNA-Spuren, die an einer Drohne, am Sprengstoffbehälter sowie an einer Antennenkonstruktion gesichert wurden. Die biologischen Beweise gelten als zentrales Element der Beweisführung.
Bekannte Verbindung zum GRU – trotzdem keine Observation
Besonders brisant: Als Oleg L. über die Türkei nach Deutschland einreiste, sollen seine Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst den deutschen Behörden bereits bekannt gewesen sein. Dennoch wurde er offenbar nicht observiert.
Nach dem Drohnenvorfall reiste Oleg L. über den Berliner Flughafen BER in Richtung Serbien aus. Inzwischen soll er sich erneut in Russland aufhalten und ist damit für deutsche Strafverfolgungsbehörden vorerst nicht greifbar. Dieser Umstand wirft Fragen über mögliche Versäumnisse im Informationsaustausch zwischen den deutschen Sicherheitsdiensten auf.
Russland weist jede Verantwortung zurück
Moskau reagierte auf die Enthüllungen mit einer kategorischen Ablehnung jeglicher Beteiligung. Die russische Botschaft bezeichnete den Vorfall als „hastig zusammengezimmerte Provokation” und behauptete, der Anschlag spiele vor allem der Ukraine in die Hände – eine Darstellung, die von deutschen Sicherheitsbehörden zurückgewiesen wird.
Der Drohnenangriff auf Leipzig-Halle reiht sich in eine Serie mutmaßlich russisch gesteuerter Sabotageakte in Europa ein, die seit Beginn des Krieges in der Ukraine zunehmen. Ob und wann die Verdächtigen zur Rechenschaft gezogen werden können, hängt maßgeblich von der weiteren internationalen Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden ab. Der Fall dürfte die Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland weiter anheizen.
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