Dieses Video wurde am 13.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Im Ukraine-Krieg zeichnen sich nordwestlich von Lyman in der Provinz Donezk stille ukrainische Geländegewinne ab. Kiew berichtet kaum darüber – weder offizielle Stellen noch Kriegsblogger. Analysten gehen davon aus, dass die Ukraine eine strategische Nachrichtensperre verhängt hat, um kurz vor den russischen Parlamentswahlen am 18. und 19. September eine gezielte „Informationsbombe” platzen zu lassen und Moskau politisch maximal zu schaden.
Ukrainische Vorstöße bei Lyman: Bewusstes Schweigen als Taktik
Die ukrainischen Streitkräfte drängen russische Einheiten im Raum Lyman schrittweise zurück. Was militärisch nach einem bescheidenen Teilerfolg klingt, ist kommunikationspolitisch ein kalkulierter Schachzug. Die Führung in Kiew verzichtet bewusst auf Siegesmeldungen, um den Zeitpunkt der Veröffentlichung selbst zu bestimmen.
Das Ziel ist klar: Die Bekanntgabe der russischen Gebietsverluste soll unmittelbar vor den Duma-Wahlen erfolgen. So sollen russische Wählerinnen und Wähler in letzter Minute mit Negativnachrichten für Kremlchef Wladimir Putin konfrontiert werden – und davon abgehalten werden, Jedinaja Rossija, Putins Regierungspartei, ihre Stimme zu geben.
Selenski schlägt Treffen in Miami vor – Moskau lehnt ab
Parallel zur Lage an der Front sucht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski weiter nach einem diplomatischen Gesprächskanal. Er schlug ein persönliches Treffen mit Putin am Rande des G20-Gipfels in Miami am 14. und 15. Dezember vor.
Die Antwort aus Moskau kam prompt: Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, ein Treffen in Miami werde es nicht geben. Putin empfange Selenski jederzeit – aber in Moskau. Genau das wird der ukrainische Präsident ablehnen, denn ein Besuch in der russischen Hauptstadt würde international als Zeichen der Schwäche gewertet werden. An der diplomatischen Front bleibt damit vorerst alles unverändert.
Russlands Winterstrategie: Energie und Wirtschaft im Visier
Während die Diplomatie stagniert, bereitet Russland nach Einschätzung von Militärexperten eine verschärfte Winteroffensive gegen die ukrainische Zivilinfrastruktur vor. Moskau setzt dabei auf zwei zentrale Waffentypen:
- Ballistische Kurzstreckenraketen vom Typ Iskander-M gegen Kraftwerke, Umspannwerke und andere Energieanlagen
- Reaktive Jet-Drohnen mit Düsenantrieb gegen Lagerhallen, Fabriken und Tankstellen
- Kombination beider Systeme zur Überlastung ukrainischer Luftabwehr
- Wirtschaftliche Erschöpfung der ukrainischen Bevölkerung als strategisches Ziel
Die Ukraine verfügt derzeit über kein zuverlässiges Abwehrmittel gegen die neuen Jet-Drohnen und die ballistischen Kurzstreckenraketen. Beide Systeme stellen die ukrainische Luftverteidigung vor erhebliche Herausforderungen, da sie schwer abzufangen sind und in rascher Folge eingesetzt werden können.
Dumawahlen als Wendepunkt – Information als Waffe
Die russischen Parlamentswahlen am 18. und 19. September gelten als nächster symbolisch bedeutsamer Termin im Informationskrieg. Zwar sind freie Wahlen in Russland unter den aktuellen politischen Bedingungen stark eingeschränkt, dennoch versucht Kiew, durch die strategische Platzierung schlechter Nachrichten für den Kreml politischen Druck aufzubauen.
Eine breite Berichterstattung über ukrainische Geländegewinne bei Lyman könnte Risse im Narrativ der russischen Staatsmedien erzeugen, die den Krieg als kontrollierten „Sonderoperation” darstellen. Ob die kalkulierte Informationsstrategie der Ukraine die erhoffte Wirkung entfaltet, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Fest steht: Information und militärische Aktion sind im modernen Krieg längst untrennbar miteinander verknüpft.
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