Dieses Video wurde am 17.04.2026 von WirtschaftsWoche auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Europa zahlt jedes Mal rund eine halbe Milliarde Euro an die Vereinigten Staaten, wenn ein europäischer Astronaut ins Weltall fliegt. Das will Hélène Huby, Gründerin und CEO der Exploration Company, ändern. Mit ihrem Unternehmen aus Bordeaux arbeitet sie am ersten privatwirtschaftlich entwickelten europäischen Raumschiff – und gilt damit als Europas Antwort auf SpaceX. Beim Deutschen Innovationspreis wurde sie als Innovator of the Year ausgezeichnet. Im Interview erklärt sie, warum Europa ein eigenes Raumschiff braucht, welche Technologien dahinterstecken und was Bergsteigen mit dem Bauen von Raumschiffen gemeinsam hat.
Warum Europa ein eigenes Raumschiff braucht
Das Argument ist so einfach wie überzeugend: Solange Europa keine eigene bemannte Raumfahrtkapsel besitzt, bleibt es technologisch und finanziell abhängig von den USA, China oder Russland. Huby nennt drei zentrale Gründe für den europäischen Sonderweg:
- Kosteneinsparung: Rund 500 Millionen Euro fließen pro Astronautenflug ins Ausland – Geld, das in Europa investiert werden könnte.
- Dual-Use-Technologie: Die für Raumkapseln entwickelten Technologien lassen sich auch für militärische und zivile Bedarfe nutzen.
- Inspiration der jungen Generation: Ein europäisches Raumschiff soll als Symbol stehen – für das, was der Kontinent gemeinsam leisten kann.
Huby ist überzeugt: Europa muss in die „Bundesliga” der Raumfahrt aufsteigen, in der bisher nur China, Russland und die USA spielen.
Von Airbus zur Exploration Company
Hélène Hubys Weg in die Raumfahrt begann eher zufällig. Sie folgte ihrem Mann nach Norddeutschland und bewarb sich bei Airbus – zunächst in Teilzeit, weil das Paar vier Kinder hat. Doch schon nach wenigen Wochen stand für sie fest: „Ich habe meine Leidenschaft gefunden.” Sie wechselte in Vollzeit und arbeitete rund zehn Jahre lang für Airbus und die Airbus-Gruppe.
Nach einem Jahrzehnt in der Konzernwelt entschied sie sich, das Gelernte in die Praxis umzusetzen und gründete die Exploration Company. Ihr Ansatz: Kollaboration über nationale Grenzen hinweg, Mut zu ambitionierten Zielen und ein Team, das sie täglich persönlich inspiriert. „Ich habe keine Angst, sehr ambitionierte Dinge zu machen”, sagt Huby. Wenn sie ein Problem als lösbar erkennt, handelt sie.
Technologie mit Augenmaß statt blindem Innovationsdrang
Überraschend pragmatisch ist Hubys Haltung zur technologischen Innovation: Die Exploration Company setzt nicht auf maximale Neuheit, sondern auf bewährte Technologien – bewusst. „Es ist immer ein Tradeoff zwischen Geschwindigkeit, Sicherheit und Innovation”, erklärt Huby. Ein Raumschiff zu bauen sei extrem komplex; Fehler können Menschenleben kosten.
Als Vorbild dient SpaceX: Auch Elon Musks Unternehmen startete mit wenig Innovation in der Raketentechnik und brachte Neuerungen erst schrittweise ein. Dieses Prinzip – erst Verlässlichkeit, dann Disruption – folgt die Exploration Company konsequent. Für echte Innovation brauche es laut Huby vor allem drei Dinge: Freiheit im Denken, klar definierte technische Constraints und eine ausgeprägte Zielorientierung.
Bergsteigen als Führungsschule
Privat tankt Huby Energie beim Bergsteigen – und zieht direkte Parallelen zu ihrer Arbeit. „Wenn jemand fällt, kann der andere auch getötet werden”, sagt sie. Im Gebirge wie im Raumfahrtprojekt zählen absolute Ehrlichkeit über die eigenen Fähigkeiten und Verantwortung gegenüber dem Team.
Ihr Arbeitstag beginnt um 6 Uhr mit einer Stunde Sport, geht um 8:30 Uhr ins Büro über und endet oft erst gegen Mitternacht. Einmal pro Woche verbringt sie eine Stunde direkt im Engineering-Team, um technische Fortschritte zu verfolgen – für Motivation auf beiden Seiten.
Ihr persönliches Erfolgskriterium ist klar definiert: Der Moment, in dem die europäische Raumkapsel der Exploration Company erstmals zur Internationalen Raumstation oder einer privaten Station fliegt, markiert für Huby den Beweis, dass Europa die Raumfahrt selbst in die Hand nehmen kann. Bis dahin bleibt die Arbeit ihr Antrieb – und der Gipfel das Ziel.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

