Dieses Video wurde am 08.09.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Landtagswahl in Sachsen hat die politische Landschaft in Deutschland erneut erschüttert. Die AfD erzielte ein starkes Ergebnis, die Wahlbeteiligung stieg spürbar an – und die sogenannte Brandmauer der bürgerlichen Parteien gegen die AfD steht nach Einschätzung der ehemaligen Grünen-Politikerin Anja Hermenau vor dem endgültigen Aus. Sie ist überzeugt: Noch nicht alle in der Politik haben begriffen, was dieses Ergebnis bedeutet.
Hohe Wahlbeteiligung als klares Signal der Bürger
Ein zentrales Merkmal der Sachsen-Wahl war die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung. In der Vergangenheit lagen die Werte in strukturell ähnlichen Wahlen oft nur bei 50 bis 60 Prozent. Diesmal gingen deutlich mehr Menschen an die Urnen – und sprachen damit ein unmissverständliches Votum aus.
Hermenau betont: Das Ergebnis muss man nicht mögen, aber man muss es akzeptieren. Die Bürgerinnen und Bürger hätten die Wahl als Instrument genutzt, um ihrer Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen. Wer das Ergebnis ignoriert oder kleinredet, verkennt die gesellschaftliche Stimmungslage.
Besonders in strukturschwachen ostdeutschen Regionen spiegelt die Wahlentscheidung vieler Menschen das Gefühl wider, von der Bundespolitik abgehängt zu werden – wirtschaftlich wie kulturell.
CDU am Scheideweg: Abkehr vom rot-grünen Zeitgeist?
Hermenau sieht die CDU in einer entscheidenden Phase. Der sogenannte rot-grüne Zeitgeist, der die deutsche Politik der vergangenen Jahre geprägt hat, sei im Abschwung begriffen. Die CDU habe jetzt die Chance, sich neu aufzustellen – doch sie zögere.
Statt einen klaren Schnitt zu machen und bestimmte Politiken offen zu hinterfragen oder zurückzudrehen, warte die Partei zunächst die weiteren Wahlen ab. Hermenau hält das für einen strategischen Fehler: Ein glaubwürdiger Neuanfang mit einem überzeugenden politischen Narrativ wäre gerade jetzt möglich.
- Der rot-grüne Zeitgeist verliert laut Hermenau an Strahlkraft
- Die CDU sitze im „sinkenden Boot”, wenn sie nicht handele
- Ein Bruch mit gescheiterten Politiken könnte neue Wähler mobilisieren
- Die nächsten Richtungswahlen finden am 20. September statt
AfD und BSW: Stabile Regierung in Sachsen möglich?
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Sigmund hatte vor der Wahl erklärt, er wolle nur mit einer absoluten Mehrheit im Rücken regieren. Da diese ausblieb, klingt der Ton nun konzilianter: Sigmund signalisiert Gesprächsbereitschaft mit anderen Parteien.
Als potenzieller Koalitionspartner steht das BSW im Raum, das überraschend den Einzug in den Landtag schaffte. Hermenau ist jedoch skeptisch gegenüber dem BSW als verlässlichem Partner. Sie verweist auf die politischen Turbulenzen in Brandenburg und Thüringen:
In Brandenburg traten Politiker aus der SPD aus, schlossen sich dem BSW an, ließen sich wählen und kehrten danach wieder zur SPD zurück. In Thüringen verließen alle Mitglieder die Partei – behielten aber ihre Mandate. Für Hermenau ist das BSW eine „sehr dünne Schicht”, auf die man nicht treten sollte.
Ihre Schlussfolgerung: Sachsen braucht eine stabile Regierung, und die entstehe nur, wenn die zwei stärksten Parteien zusammenarbeiten. Alles andere sei zum Scheitern verurteilt.
SPD hat die Stimmung im Land nicht verstanden
Besonders scharf ist Hermenaus Kritik an der SPD. Der Kanzler habe nach der Bundestagswahl andere Politik gemacht als angekündigt. Statt auf den Stimmungsumschwung zu reagieren, drohten führende SPD-Politiker nun damit, dringend nötige Maßnahmen zu blockieren – Maßnahmen, die eigentlich dem CDU-Profil nützen würden.
Die Vorstellung, mit ein bisschen mehr „sozialem Anstrich” wieder Boden gutmachen zu können, hält Hermenau für eine politische Fehlkalkulation. Die Bürger seien nicht verärgert über Kleinigkeiten – sie seien entsetzt darüber, wie wenig Politiker die Realität wahrnehmen wollen.
Der rot-grüne Zeitgeist ist nach ihrer Einschätzung vorbei. Wer das nicht erkennt, wird bei künftigen Wahlen weiter verlieren. Die nächsten Abstimmungen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern werden zeigen, ob die etablierten Parteien die Botschaft der Wählerinnen und Wähler endlich verstanden haben.
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