Dieses Video wurde am 02.05.2026 von DER SPIEGEL auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Geisterstadt Prypjat in der Ukraine steht seit fast vier Jahrzehnten als stummes Mahnmal für die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Einst für die Arbeiter des Atomkraftwerks erbaut, ist sie heute verlassen – entvölkert, aufgegeben, nur noch vom ukrainischen Militär bewacht. Doch ein verfallener Plattenbau erzählt eine Geschichte, die weit über die Schrecken der Kernschmelze von 1986 hinausreicht: eine Geschichte von Verlust, treuer Erinnerung und einem Tod, den niemand vorhersehen konnte.
Prypjat: Eine Stadt, die niemand mehr bewohnen kann
Wer heute durch die leeren Straßen von Prypjat geht, begegnet einer Stadt, die die Zeit eingefroren hat. Die Strahlenbelastung ist nach wie vor so hoch, dass eine Rückkehr der einstigen Bewohner als praktisch ausgeschlossen gilt. „Ich glaube nicht, dass Menschen hierher zurückkehren”, sagt ein Begleiter vor Ort. „Es ist praktisch unmöglich, wenn man bedenkt, wie hoch die Strahlenbelastung ist.”
Das ukrainische Militär ist die einzige menschliche Präsenz in der Sperrzone. Die Natur hat sich weite Teile der Stadt zurückerobert – Bäume wachsen durch Asphalt, Fassaden bröckeln, Fenster starren leer in den Himmel. Prypjat ist ein Ort, der an die Zerstörungskraft menschlicher Technologie erinnert.
Das erste Opfer der Katastrophe: Ingenieur Valerie Kodemchuk
In einem der verlassenen Plattenbauten wohnte einst Ingenieur Valerie Kodemchuk – er gilt als das allererste Opfer der Reaktorkatastrophe vom 26. April 1986. An jenem schicksalhaften Abend hatte er Dienst in Block 4 des Kernkraftwerks, als es zur Kernschmelze kam. Er überlebte die Explosion nicht.
Kodemchuk lebte in der Wohnung gemeinsam mit seiner Frau Natascha. Noch heute liegen in den Räumen Blumen – ein stilles Zeugnis jahrzehntelanger Trauer und Erinnerung.
Fast vier Jahrzehnte Treue: Natascha und die Blumen
Natascha Kodemchuk kehrte Jahr für Jahr in die verlassene Wohnung zurück, um ihrem verstorbenen Mann zu gedenken. Fast vier Jahrzehnte lang legte sie Blumen nieder – in einer Stadt, die die Welt längst aufgegeben hatte. Eine stille, beharrliche Form der Liebe angesichts von Strahlung, Verfall und Einsamkeit.
- Valerie Kodemchuk starb bei der Kernschmelze in Block 4 im April 1986.
- Seine Frau Natascha brachte ihm jahrelang Blumen in die verlassene Wohnung.
- Prypjat gilt wegen der hohen Strahlenbelastung als dauerhaft unbewohnbar.
- Nur das ukrainische Militär ist noch in der Sperrzone präsent.
Diese Geste des Gedenkens endete abrupt – nicht durch Krankheit, nicht durch Strahlung, sondern durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Tod durch russische Drohne: Krieg trifft Tschernobyl-Witwe
Im vergangenen Jahr starb Natascha Kodemchuk durch einen russischen Drohnenangriff. Eine sogenannte Schadrohne traf das Wohnhaus, in dem sie lebte. „Leider ist sie vor etwa einem halben Jahr durch eine russische Drohne getötet worden”, berichtet ein Begleiter vor Ort sichtlich bewegt.
Ihr Tod verbindet auf tragische Weise zwei der größten Katastrophen der ukrainischen Geschichte: die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine, der seit Februar 2022 das Land verwüstet. Natascha Kodemchuk überlebte Jahrzehnte in der Nähe der Sperrzone – und wurde am Ende nicht von der Strahlung, sondern von einer Waffe getötet.
Die Geschichte der Familie Kodemchuk steht exemplarisch für das doppelte Leid der Ukraine: ein Land, das die atomare Katastrophe von 1986 noch immer trägt und nun gleichzeitig unter einem brutalen Krieg leidet. In den Blumen, die nun niemand mehr in die verlassene Wohnung in Prypjat bringt, spiegelt sich beides wider – Verlust, Treue und die anhaltende Gewalt der Geschichte.
Dieser Artikel wurde KI-gestützt erstellt und kann Fehler enthalten.

