Dieses Video wurde am 25.08.2026 von DER AKTIONÄR TV auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Den S&P 500 schlagen – das schaffen selbst die meisten professionellen Hedgefondsmanager nicht. Stefan Klotter, Autor des börsentäglichen Analyse-Dienstes Trading Day der Börsenmedien AG, verfolgt genau dieses Ziel mit einem systematischen Top-Down-Ansatz. Im Mittelpunkt seiner Methode steht die Sektorrotation: Wer konsequent nur in die stärksten Bereiche des US-Marktes investiert und Schwächephasen anderer Sektoren meidet, hat nach seiner Überzeugung einen strukturellen Vorteil gegenüber einem breit gestreuten ETF.
Warum der US-Markt im Fokus steht
Für Klotter ist die Konzentration auf US-amerikanische Aktien keine Modeerscheinung, sondern eine rationale Entscheidung. Die USA stellen rund 60 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung. Hinzu kommt die historisch bessere Performance des S&P 500 im Vergleich zu europäischen Indizes wie dem DAX – wobei der DAX als Kursindex mit reinvestierten Dividenden ohnehin schwerer zu vergleichen ist.
Entscheidend ist für ihn aber vor allem die Innovationsdichte: Von Elektromobilität über Plattformstrategien bis hin zum aktuellen KI-Boom – all das findet primär in den USA statt. Unternehmen wie Nvidia, Amazon, Microsoft oder Meta setzen globale Technologietrends, während Europa mit Ausnahmen wie SAP kaum mithalten kann.
Gleichzeitig birgt der US-Markt spezifische Risiken. Politische Einflussnahme – etwa durch Aussagen des Präsidenten oder Interventionen des US-Finanzministeriums am Anleihenmarkt – kann Kurse kurzfristig stark bewegen. Wer dort investiert, muss auf politische Überraschungen vorbereitet sein.
Der Top-Down-Ansatz: Vom Makrobild zum Einzeltitel
Klotters Analyseprozess beginnt jeden Morgen mit einem umfassenden Lagebild. Er wertet finanz- und geopolitische Nachrichten aus, beobachtet asiatische Märkte und prüft anstehende Wirtschaftsdaten wie Arbeitsmarktberichte, den Verbraucherpreisindex (CPI) oder den PCE-Kernrate-Index.
Anschließend analysiert er übergeordnete Trends in den wichtigsten Anlageklassen:
- US-Leitindizes und deren charttechnische Verfassung
- Rohölpreis und US-Dollar-Stärke
- Anleiherenditen (10- und 30-jährige US-Treasuries)
- Hard Assets wie Gold, Silber, Kupfer – und Bitcoin
Erst wenn dieses Makrobild steht, folgt der Blick auf die 11 Sektoren des S&P 500 – darunter Financials, Health Care, Information Technology, Materials und Industrials. Für jeden Sektor existieren eigene ETFs, deren Performances Klotter gegeneinander abwägt und charttechnisch analysiert.
Sektorrotation: Stärke kaufen, Schwäche meiden
Der Kern der Strategie ist denkbar klar: Ein Standard-ETF auf den S&P 500 bildet alle 11 Sektoren gleichgewichtet ab – unabhängig davon, ob ein Sektor gerade stark oder schwach läuft. Klotter hingegen investiert gezielt nur in die momentan stärksten Sektoren.
Innerhalb eines ausgewählten Sektors geht er eine Ebene tiefer in die jeweiligen Untergruppen. Aus der stärksten Untergruppe selektiert er schließlich einen Einzeltitel, den er nach drei Kriterien bewertet:
- Charttechnische Analyse (Muster wie Cup-and-Handle, Doppelböden, Trendlinien)
- Fundamentale Kennzahlen des Unternehmens
- Chancen-Risiko-Verhältnis (CRV) des konkreten Einstiegspunkts
Als technische Indikatoren nutzt Klotter unter anderem den Relativen Stärkeindex (RSI), der anzeigt, ob ein Wert überkauft oder überverkauft ist. Als Einstieg in die Charttechnik empfiehlt er das Standardwerk „Technische Analyse der Finanzmärkte” von John Murphy.
Backtests und erste Ergebnisse bestätigen den Ansatz
Die Strategie ist nicht nur theoretisch untermauert: Ein Backtest über zehn Jahre mit realen S&P-500-Daten zeigt laut Klotter, dass der Ansatz die Benchmark konsistent schlägt. Seit Mitte Juni wird die Methode im täglichen Dienst Trading Day öffentlich angewendet – mit einer veröffentlichten Trefferquote von 68 Prozent nach 44 Ausgaben.
Zu den bisherigen Highlights zählen Gewinne von über 300 Prozent bei einem Edelmetallwert, mehr als 200 Prozent bei Veeva Systems sowie über 100 Prozent bei einem Charles-Schwab-Optionsschein. Die Streuung über verschiedene Sektoren sorgt dabei für Kontinuität: Mal liefern Financials, mal Edelmetalle, mal Technologiewerte die stärksten Impulse.
Für Privatanleger, die keine Zeit für eigene Analysen haben, bleibt laut Klotter der einfachste Weg der klassische ETF auf den S&P 500 – ein Ratschlag, den bereits Warren Buffett und Charlie Munger gegeben haben. Wer jedoch systematisch mehr anstrebt, findet in der Sektorrotation einen transparenten und nachvollziehbaren Rahmen, um die Benchmark langfristig zu übertreffen.
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